Zu 100 % weitergeben

Bauernzuschlag: Lidl erhöht zehn Schweinefleischprodukte um 1 €/kg

In einem Schreiben ordnet Lidl an, dass die Filialen ab heute neue Preise an 10 Schweinefleischprodukte heften, versehen mit 1 €/kg Aufschlag, der direkt an die Schweinehalter zurückfließen soll.

Lidl hat den Einkaufspreis für zehn Artikel aus dem Schweinefleischsortiment um 1 € pro Kilogramm erhöht. In der Folge steigt bei Lidl ab Donnerstag, 10.12.2020, der Verkaufspreis für ausgewählte Eckartikel wie Schweinehackfleisch und Schinkenschnitzel im gleichen Umfang.

Auf Anfrage von top agrar teilt der Discounter mit: "Lidl hat mit seinen Lieferanten vereinbart, dass der Aufschlag zu 100 % an die Landwirte weitergegeben wird, damit das Geld schnell und unbürokratisch auf den Höfen ankommt. Bereits am 3.12.2020 haben wir angekündigt, 50 Mio. € zusätzlich an die Landwirte über die Initiative Tierwohl auszuzahlen. Jetzt folgt mit diesem Schritt eine weitere Soforthilfemaßnahme für die aktuell stark unter Druck stehenden Schweinebauern, die sich pragmatisch und schnell umsetzen lässt."

Wichtig ist dem Unternehmen zu betonen, dass dies eine zusätzliche Maßnahme ist, also getrennt von den bereits zugesagten 50 Mio. € für die Initiative Tierwohl!

Die Summe wird je Lieferant auf alle deutschen, QS-zertifizierten Schweine, die bei ihm verarbeitet werden, umgelegt und als Zuschlag an die zuliefernden Landwirte weitergegeben.

Lidl will sich nach eigener Aussage mit dieser Aktion an der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zum Verbraucher beteiligen und weist das in seinen Filialen entsprechend transparent aus. "Damit geben wir unseren Kunden die Möglichkeit, sich bewusst dafür zu entscheiden, einen Beitrag für die Unterstützung der heimischen Landwirtschaft zu leisten", heißt es.

In einem nächsten Schritt sei es notwendig, dass Produktion, Verarbeitung, Handel und Politik gemeinsam nachhaltige Lösungen erarbeiten, um die Probleme in der Landwirtschaft unter Einbeziehung aller Marktteilnehmer anzugehen. Hierfür sei Lidl im Austausch mit allen Akteuren.

Schreiben an die Filialen

In den sozialen Netzwerken verbreitete sich am Mittwoch bereits ein entsprechendes Schreiben von der Lidl Geschäftsführung an die Mitarbeiter. Darin wird die Partnerschaft mit allen Landwirten und Erzeugergemeinschaften betont. Zudem werden die Mitarbeiter über den geforderten Dringlichkeitsgipfel, die angekündigte Zahlung von 50 Mio. € in die Initiative Tierwohl, den Einsatz für faire Handelspraktiken und den Verhaltenskodex informiert.

Zu der oben beschriebenen Preiserhöhung heißt es in dem Brief: „Als weitere Maßnahme werden wir ab Donnerstag, 10.12. die Preise für 10 ausgewählte Schweinefleisch-Eckartikel erhöhen (1,00 € pro kg, umgerechnet auf Verpackungsgröße), um so Schweinebauern zusätzlich zu unterstützen. Diese Preiserhöhung geben wir zu 100 % an unsere Landwirte weiter. Ihr erhaltet per Fuhrenpost eine Erstausstattung mit Preisschildern und Einlegern für jede Filiale. Bitte stellt sicher, dass diese vor Filialöffnung am Donnerstag an den entsprechenden Produkten angebracht werden.“

Button von Lidl

Diese Kennzeichnung ist ab sofort in den Lidl-Filialen zu finden (Bildquelle: Pressebild)

Holzenkamp: „Der LEH muss zurück an den Verhandlungstisch“

Franz-Josef Holzenkamp

Franz-Josef Holzenkamp (Bildquelle: DRV)

Unterdessen ruft der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) den Lebensmitteleinzelhandel dazu auf, die gemeinsamen Gespräche über einen Verhaltenskodex für faire Handelsbedingungen wieder aufzunehmen.

„Der Lebensmitteleinzelhandel hat erkannt, dass der faire Umgang mit landwirtschaftlichen Produzenten die Voraussetzung für dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg ist. Einmalige Zahlungen oder Zugeständnisse einzelner Marktteilnehmer sind positive Zeichen, reichen jedoch nicht aus, um den Herausforderungen dauerhaft zu begegnen“, sagt DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp. Deshalb müssen die Verhandlungen über einen gemeinsamen Kodex zu fairen Geschäftsbeziehungen weitergehen. Diese hatte der Raiffeisenverband bereits im Frühjahr mit Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels aufgenommen. Holzenkamp: „Wir hatten einen vielversprechenden Status erreicht. Der Deutsche Raiffeisenverband steht deshalb auch weiterhin gern als Gesprächspartner für dieses wichtige Thema bereit.“

Das Bundeskabinett hat kürzlich dem Entwurf zur Umsetzung der UTP-Richtlinie (Unfair Trading Practices, kurz UTP) in nationales Recht zugestimmt. Es ist wichtig, dass dieser bedeutsame Schritt zügig geschieht. Gleichzeitig begrüßt der DRV die Initiative der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, weitergehende Maßnahmen jenseits der UTP-Richtlinie verstärkt voranzutreiben. Holzenkamp: „Fairer Wettbewerb darf keine Frage der Umsatzhöhe sein, er muss für alle gelten. Deshalb setzen wir uns dafür ein, den bisher vorgesehenen Anwendungsbereich anzupassen.“

Der DRV-Präsident mahnt an, dass Lebensmittelproduzenten zusammenstehen müssen, um eine gute Verhandlungsposition gegenüber stärkeren Marktteilnehmern zu erreichen: „Genossenschaften als Unternehmen im Eigentum der Landwirtinnen und Landwirte zeigen, wie das gelingt. Bei uns stehen die Bedürfnisse der Mitglieder im Mittelpunkt. Jeder kann den Kurs seines Unternehmens mitbestimmen, indem er sich ehrenamtlich engagiert.“

Landvolk: Auch Milcherzeuger leiden unter Rabattschlachten

Albert Schulte to Brinke

Albert Schulte to Brinke (Bildquelle: Landvolk)

„Der sich stetig verschärfende Preiskampf im Lebensmittel-Einzelhandel wirkt sich längst auch auf die Milchbauern aus und passt nicht zu den ständig steigenden Auflagen, die uns die Politik aufbürdet. Das kann und darf so nicht weitergehen“, sagte am Donnerstag auch Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke.

Erlöse aus der Milcherzeugung stagnierten schon seit mehreren Jahren auf einem niedrigen Niveau. Zwar habe sich der Milchmarkt in der Corona-Krise nach Einbrüchen im 2. Quartal wieder stabilisiert, aber die Erzeugerpreise seien für die meisten Höfe weiterhin nicht kostendeckend. Während der durchschnittliche jährliche Auszahlungspreis für die niedersächsischen Landwirte in den letzten drei aufeinanderfolgenden Jahren um mehr als vier Cent je Kilogramm zurückgegangen ist, sind die Kosten in der Milchviehhaltung fast um den gleichen Betrag gestiegen, so der Verband.

Gleichzeitig findet laut Schulte to Brinke im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ein sich stetig verschärfender Kampf um Marktanteile statt. Vielfach begründe der Handel die Rabattschlachten damit, dass er damit zur Entlastung in einem unter Druck stehenden Markt sorgt. „Dass der LEH aber gerade vor Weihnachten, dem absatzstärksten Zeitraum des Jahres, immer wieder Rabattaktionen mit Lebensmitteln durchführt, stößt in der Landwirtschaft auf absolutes Unverständnis“, betont der scheidende Bauernpräsident.

Gerade in einem Krisenjahr, in dem der deutsche Lebensmittel-Einzelhandel von durchweg überdurchschnittlichen Umsätzen profitiert und die Milchbranche den Handel trotz sprunghaft gestiegener Nachfrage zuverlässig und ausreichend mit überdurchschnittlicher Qualität versorgt habe, fühlten sich viele Tierhalter nicht wertgeschätzt.

Hinzu komme, dass der deutsche Lebensmitteleinzelhandel die Leistungen der deutschen Milcherzeuger, die in der Produktion höhere Standards über Weltmarktniveau erfüllen, nicht anerkennt. „Milch ist nicht gleich Milch“, sagt der Landvolkpräsident. Vielfach würden Preissenkungen damit begründet, dass man geringere Beschaffungskosten, die aus sinkenden Weltmarktpreisen resultieren, an den Verbraucher weitergeben möchte.


Die Redaktion empfiehlt

Nach den Bauernprotesten tut sich weiter was. Der Bauernverband schlägt einen "Deutschland-Bonus" für heimische Lebensmittel vor. Am Freitag soll es ein Treffen der Handelsriesen mit LsV geben.

In der Nacht zu Dienstag haben Bauern von LsV an etlichen Aldi-Zentrallagern die Straßen blockiert, nachdem eine Videokonferenz zwischen Politik, Berufsstand und LEH ergebnislos vertagt wurde.

Lidl möchte der Initiative Tierwohl im kommenden Jahr 50 Mio. € spenden. Das überzeugt die Bauernvertreter nicht. Joachim Rukwied, Walter Heidl und Hubertus Beringmeier wollen einen fairen Umgang.


Diskussionen zum Artikel

von Ernst Buck

Preiserhöhung bei Lidl zu gunsten der Bauern

Gehen Sie bitte in den Lidl Markt und betrachten sie das Angebot das erste Produkt Hackfleisch wird der Kilopreis um einen Euro erhöht. Im gleichen Regal gleiches Produkt in einer anderen Verpackungseinheit Preis nicht erhöht, einen Meter Weiter Angebot "Für kurze Zeit" Hackfleisch ... mehr anzeigen

von Rudolf Nattebrede

50 Millionen

Schöner Zug von Lidl. Dumm nur das nicht alle Schweinehalter davon profitieren. An ITW sind nicht Alle beteiligt. Ich auch nicht, also gehe ich leer aus!

von Michael Koch

Alle deutschen QS zertfizierten Schweine steht in dem Beitrag .

Das bedeutet m. M. nach nicht nur ITW Schweine . Oder habe ich das falsch verstanden ?

von Christian Bothe

50 Millionen €...

Nikolaus ist vorbei und die Millionen fließen...Ist doch toll! Mal sehen, was bei den Schweinebauern in dieser besch...Situation auch tatsächlich ankommt. Erst einmal kehrt Ruhe ein und das ist für den LEH das Wichtigste im Moment. So wie ich den LEH in der Vergangenheit erlebt habe, ... mehr anzeigen

von Jörn Ahlers

Jeder Euro zählt

Bei uns Schweinebauern geht es jetzt um jeden Euro. Der Druck der Demos scheint angekommen zu sein. Bei allen Wünschen der Politik und Gesellschaft ist jetzt Solidarität von allen Beteiligten des LEH im Überlebenskampf gefragt. Wenn das Geld nicht versickert wäre dies ein Hoffnungsschimmer.

von Gerald Hertel

Wir brauchen

für alle Erzeugnisse langfristig auskömmliche Preise

von Detlef Nickel

Beruhigungspille

Wenn LIDL sich heute damit brüstet, hier ein Wurf für die Bauern gemacht zu haben ist das Verdummung vom Feinsten. Aldi und alle anderen haben mal ganz nebenbei die Preise um mehr als 20 % gesenkt. Mehr Frust kann man nicht erzeugen.

von Christian Bothe

Preise

Auch Kaufland, der SB-Markt von Lidl und Schwarz (Flyer gestern).

von Reinhard Luhr

Das wird wohl ein Schuß nach hinten!

Alte Regel, 3% im Preis sind -1% in der Nachfrage. Das man auf mittlere Sicht wirtschaftliche Gesetze nicht ändern kann, durften die Milchbauern ja auch schon erfahren. Das Leben ist nicht FAIR!

von Rudolf Rößle

Sparer

wo wird gespart, wenn die Mietpreise und Gebühren/Freizeit durch die Decke gehen? Auf der anderen Seite wurden noch nie so viel teure Autos in Masse verkauft. Über die teuren digitalen Gerätschaften schüttele ich oft den Kopf. Die Menschen wissen nicht mehr wo sie herkamen. Leider ... mehr anzeigen

von Reinhard Luhr

Das wird wohl ein Schuß nach hinten!

Alte Regel, 3% im Preis sind -1% in der Nachfrage. Das man auf mittlere Sicht wirtschaftliche Gesetze nicht ändern kann, durften die Milchbauern ja auch schon erfahren. Das Leben ist nicht FAIR!

von Bernhard Randler

Respekt!

Es wäre unfair die Anstrengungen von Lidl klein oder kaputtzureden. 50 Mio auf den Tisch zu legen möchte ich nicht als Peanuts abtun, obwohl dieser Betrag den Schweinebauern jede Woche gerade flöten geht. Zur ehrlichen Diskussion gehört aber auch dass nach aktuellen Auswertungen der ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Ich will es gerne Glauben, nur ob der Verbraucher es auch so sieht?!

Wenn bei einem Discounter bleibt, wissen wir wo die Reise hingeht. Es müssen alle so machen, sonst verfängt sich das nicht!

von Harald Finzel

Ab Mo, 14.12.: Irische Butter bei Lidl zum Spottpreis

Für kommende Woche wirbt Lidl auf der Titelseite seines deutschlandweiten Prospekts für Kerrygold-Butter zu 1,15 € das halbe Pfund. Mehr muss man nicht wissen, um die Ernsthaftigkeit von Lidls Vorstoß zu beurteilen.

von Renke Renken

Also weiter

Demo und Discounter direkt dichtsetzen........

von Rudolf Rößle

Lieber DRV

der LEH ist nicht freiwillig zu "Fair Trade" gekommen und wird es dahin auch kaum schaffen. Er wurde dazu genötigt bzw. gezwungen. Eine tolle Fakenews von ihnen.

von Karlheinz Gruber

Unabhängig von allen Imageversuchen der LEHs wird sein

dass wenn die LEHs bestimmte deutsche Produkte teurer machen, dann wird der deutsche Verbraucher einfach Juhu schreien und die teureren Produkte kaufen, weil er ja den ach so stark Subventionierten Bauern noch helfen will (O-Ton vieler Verbraucher auf BR Forum)...... ein zu schönes ... mehr anzeigen

von Gerd Mersmann

Eigenlob

Wenn die Aussage von Herrn Holzenkamp"Wir zeigen wie es geht" berechtigt ist,wären die Bauern doch nicht in diese missliche Lage gekommen.

von Ferdinand Brinkmann

50 Millionen

50 Millionen möchte Lidl den deutschen Landwirten spenden .Jetzt wird in den Lidl märkten der Verbraucher aufgefordert Geld für die Spendenaktion bereitzustellen. Super Werbung für Lidl. Die Landwirte benötigen langfristig einen Erlös für ihre Produkte der die Kosten der ... mehr anzeigen

von Bernhard ter Veen

Angebot

und Nachfrage werden nie im Gleichklang sein... und schon gar nicht bei den Lebensmitteln Tierischer Herkunft. Die Mengen lassen sich nun mal leider nicht AN oder Abschalten wie Strom oder Wasser... Was uns allen Weiterhelfen kann ist einfach nur ein Handelsverbot unterhalb der ... mehr anzeigen

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