Interview

Preismisere in der Landwirtschaft: „Rewe allein kann die Probleme nicht lösen!“

Rewe-Chefeinkäufer Hans-Jürgen Moog setzt weiterhin auf direkte Partnerschaften mit den Bauern. Diskutiert werden im Rewe-Konzern auch neue Marktmodelle.

Herr Moog, Sie haben zum Start der Rewe-Jahresgespräche angekündigt, die Forderungen Ihrer Lieferanten nach Preiserhöhungen abzulehnen. Sie verlangen sogar Preissenkungen. Wie passt das angesichts der stark steigenden Produktionskosten auf der Primärstufe zusammen?

Moog: Über unsere Verhandlungen mit den großen Unternehmen der Lebensmittelindustrie sprechen wir grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit. Und wir kommentieren auch nicht irgendwelche Medienberichte. Unsere seit langer Zeit sehr intensiven Gespräche mit Vertretern der Landwirtschaft sind eine ganz andere Sache.

Wir kennen die angespannte Situation auf den Höfen und haben bereits gehandelt. Durch den seit 2020 festgesetzten Mindestpreis für Schweinefleisch und unser Bekenntnis zu 5xD bei Schweinefrischfleisch haben wir bewiesen, dass wir als Rewe Group zu einer Teillösung dieser schwierigen Situation beitragen wollen. Und um es nochmals deutlich zu sagen: Wir zahlen aufgrund unseres Mindestpreises für Schweinefleisch schon seit Monaten rund 30 % mehr als die aktuelle Schweinefleischnotierung hergibt. Auch im Bereich Milch und Eier zahlen wir höhere Preise.

Deutsche Landwirte haben mit explodierenden Produktionskosten – Energie, Futter, Düngemittel – zu kämpfen. Zudem sollen die Tierhalter ihre Haltung auf mehr Tierwohl (Haltungsform 3 und 4) umstellen. Auch das kostet die Bauern Milliarden. Wie passt Ihre Forderung zu Preissenkungen da ins Bild?

Moog: Das sind zwei unabhängige Bereiche. Der Transformationsprozess hin zu mehr Tierwohl ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der bereits läuft. Die ITW ist ein historischer Erfolg, der alle Mitglieder der Wertschöpfungskette an einen Tisch gebracht hat....


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