Pro-SAU: Was die neuen Buchten in Österreichs Ställen leisten Premium

Mehr als drei Jahre wurden in Österreich die Bewegungsbuchten des Projektes „Pro-SAU“ erforscht. Nun sind die Ergebnisse da. Diese liefern spannende Erkenntnisse und eine Überraschung. Ein Bericht von Beate Kraml von top agrar Österreich

Nach dem Öffnen des Standes zeigten die Sauen im Versuch eine erhöhte Aktivität. Hier ist die Flügelbucht zu sehen. (Bildquelle: Projekt Pro-SAU)

Mehr als drei Jahre wurden in Österreich die Bewegungsbuchten des Projektes „Pro-SAU“ erforscht. Nun sind die Ergebnisse da. Diese liefern spannende Erkenntnisse und eine Überraschung. Ein Bericht von Beate Kraml von top agrar Österreich und Birgit Heidinger, Leiterin des Gesamtprojekts, HBLFA Raumberg-Gumpenstein: Vier Tage nach dem Abferkeln kann der Abferkelstand ohne erhöhte Gefahr für die Ferkel geöffnet werden. Das ist eines der spannenden Ergebnisse der Studie Pro-SAU, die nun abgeschlossen wurde. Somit sind Rückschlüsse auf die kritische Lebensphase der Ferkel möglich. Hintergrund der Studie ist die Diskussion über die permanente Fixierung der Sau im Abferkelstall kurz vor und während der Säugezeit in der konventionellen Schweinehaltung. Aufgrund der Änderung der 1. österreichischen Tierhalteverordnung müssen ab spätestens 1. Januar 2033 alle Abferkelbuchten geöffnet werden können und eine Mindestfläche von 5,5 m2 aufweisen. Im Rahmen des Projektes Pro-SAU wurden dazu neue Abferkelbuchten mit Stand zum Öffnen entwickelt. Fünf Buchten im Vergleich Aus dieser Entwicklungsarbeit gingen insgesamt sieben Prototypen hervor. Davon wurden drei Buchtentypen („LK-Buchten“) in den Hauptversuch übernommen: Die „Flügelbucht“, die „Knickbucht“ und die „Trapezbucht“. ------------- Trapezbucht: Öffnen und Schließen über Hebelmechanismus von außerhalb der Bucht möglich (Öffnungszustand = „trapezförmig“) guter Schutz für Betreuer sehr gute Platzverhältnisse/ -ausnützung 2-geteilte Buchtentür (Wandhöhe variabel nach Fixierungssituation der Sau) Flügelbucht: einfache und schnelle Handhabung beim Öffnen und Schließen (Standseiten „flügelförmig“ zu öffnen) guter Schutz für Betreuer vielfältige Öffnungsvarianten des Standes Standseiten teleskopierbar Knickbucht: nur eine Standseite muss geöffnet werden (hintere Standtüre wird in Richtung Ferkelnest „weggeknickt“) sehr gut geschütztes Ferkelnest gangseitig Drehpunkt der Standseiten weit vorne, dadurch guter Öffnungswinkel Standseiten teleskopierbar ------------- Ergänzend wurden zwei am internationalen Markt verfügbare Buchtentypen getestet: „SWAP-Bucht“ (Dänemark) und „Pro Dromi“ (Holland). Die beiden Konzepte sind grundsätzlich auf freie Abferkelung ausgerichtet. Eine Fixierung der Sau ist nur in Ausnahmefällen angedacht. Zudem geht deren Flächenangebot mit 6 bzw. 7,4 m2 deutlich über das gesetzlich definierte Mindestmaß von 5,5 m2 hinaus. Die Datenerhebung zur Untersuchung der kritischen Lebensphase von Saugferkeln wurde in den drei Forschungsbetrieben Gießhübl, Hatzendorf und Medau vorgenommen. Außerdem wurden Daten auf sechs Praxisbetrieben gesammelt. Hierfür wurde ein einheitliches Versuchsdesign definiert. Ein entscheidendes Kriterium war die Ermittlung der Ferkelmortalität in den neuartigen Buchtentypen. Dabei wurden unterschiedliche Schließ- und Öffnungszeitpunkte des Standes (Fixierungsvarianten) angewendet:  Fixierungsvariante 6 (FV 6): Fixierung im Abferkelstand ab einem Tag vor dem errechneten Geburtstermin (114. Trächtigkeitstag) bis zum 6. Lebenstag der Ferkel. Fixierungsvariante 4 (FV 4): Fixierung im Abferkelstand ab einem Tag vor dem errechneten Geburtstermin (114. Trächtigkeitstag) bis zum 4. Lebenstag der Ferkel. Fixierungsvariante 3 (FV 3): Fixierung im Abferkelstand beginnend nach Abschluss der Geburt bis zum 4. Lebenstag der Ferkel. Fixierungsvariante 0 (FV 0 oder Kontrolle): Keine Fixierung der Sau während des gesamten Aufenthalts in der Abferkelbucht (freie Abferkelung). Zusätzlich wurden vergleichende Erhebungen zum Tierverhalten, zu haltungsbedingten Verletzungen sowie zu ökonomischen Aspekten vorgenommen. Die Produktionsdaten für die Studie Pro- SAU stammen aus 750 Versuchswürfen, die im Online-Programm „Sauenplaner“ gesammelt wurden. Sektion toter Ferkel Die 2 967 tot in den Buchten aufgefundenen Ferkel wurden einer Sektion unterzogen. So konnten die tatsächlichen Erdrückungsverluste von anderen Todesursachen wie beispielsweise Infektionen, Durchfall, Totgeburten etc. unterschieden werden. Diese Differenzierung der in der jeweiligen Kombination aus Buchtentyp und Fixierungsvariante aufgetretenen Ferkelverluste sollte Aufschluss darüber geben, in welchem Zeitraum nach der Geburt ein erhöhtes Erdrückungsrisiko für die Ferkel besteht. Zudem wollte man wissen, wie dieses durch eine Fixierung der Sau im Abferkelstand minimiert werden kann und ob sich die Buchtentypen diesbezüglich unterscheiden. Um den Einfluss von Fixierungsvariante und Buchtentyp auf die Ferkelmortalität zu untersuchen, wurde der Anteil an Ferkel- bzw. Erdrückungsverlusten je ...

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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