Bewegungsbuchten

Projekt BeSaFe: Schutzkorb Öffnen am Abend senkt Ferkelverluste

In einem Projekt der Uni Kiel haben Wissenschaftler das Management von Bewegungsabferkelbuchten untersucht. Für geringe Ferkelverluste sollten Sauenhalter den Ferkelschutzkorb abends öffnen.

Unsere Autoren: Bianca-Marie Baude, Dr. Katja Krugmann, Dr. Sophie Diers und Prof. Dr. Krieter

In einem Projekt der Christian-Albrechts-Universität Kiel haben Wissenschaftler von 2020 bis 2021 am Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp das Management von Bewegungsabferkelbuchten untersucht. Ab 2036 dürfen Ferkelerzeuger ihre Sauen im Abferkelstall nur noch für für maximal fünf Tage um die Geburt Fixieren. Davor und danach muss sich die Sau in der mindestens 6,5 m² großen Bucht frei bewegen können. Daher, gilt es den optimalen Öffnungszeitpunkt für den Ferkelschutzkorb zu finden.

Tagsüber sind die Sauen durch die Futteraufnahme und dem Säugen der Ferkel ständig in Bewegung, wodurch sie sich die häufiger ablegen und wieder aufstehen. Bei jedem Ablegevorgang besteht die Gefahr, ein Ferkel zu erdrücken. In der Nacht, wenn die Sauen ihre Ruhephase haben, könnte dieses Risiko geringer sein. Daher ist zu vermuten, dass die Überlebenswahrscheinlichkeit der Ferkel steigt, wenn Landwirte den Ferkelschutzkorb erst abends öffnen, nachdem Ruhe in den Stall einkehrt und die Tiere ungestört sind.

Ziel des BeSaFe-Projektes war es deshalb, verschiedene Öffnungszeiträume für den Ferkelschutzkorb im Hinblick auf die Produktionskennzahlen, das Tierverhalten, die Tiergesundheit sowie die Arbeitssicherheit zu erforschen.

Wann den Ferkelschutzkorb öffnen?

Insgesamt untergliederte sich der Versuch in drei Sauen-Gruppen. Zwei Gruppen wurden in die Bewegungsabferkelbuchten eingestallt. Der Ferkelschutzkorb blieb in den Bewegungsbuchten dazu bis einen Tag vor der Abferkelung geöffnet und wurde am dritten Tag nach der Geburt wieder geöffnet, sodass die Sauen für maximal fünf Tage fixiert waren. Bei einer der Gruppen öffneten die Forscher den Ferkelschutzkorb morgens (06.00 Uhr) und bei der anderen Gruppe abends (18.00 Uhr).

Bewegungsbucht

In den Bewegungsbuchten blieb der Ferkelschutzkorb bis einen Tag vor dem Abferkeltermin geöffnet. (Bildquelle: Baude)

Als Kontrollgruppe dienten Sauen, die in konventionellen Buchten mit Ferkelschutzkorb gehalten wurden. Sie waren für den gesamten Zeitraum (eine Woche vor Abferkelung bis Absetzen der Ferkel) im Ferkelschutzkorb fixiert.

Öffnungszeitpunkt beeinflusst Saugferkelverluste

Die Saugferkelverluste der Kontrollgruppe „Ferkelschutzkorb“ lagen in der Untersuchung bei 12,4 % und damit unter den 14,9 %, die 2020 von der Schweinespezialberatung Schleswig-Holstein ermittelt wurden. Wie aus der folgenden Tabelle ersichtlich wird, zeigen die Saugferkelverluste in den Bewegungsbuchten jedoch, dass der Öffnungszeitpunkt des Ferkelschutzkorbes einen Einfluss haben kann. Wurde er erst abends geöffnet, waren die Saugferkelverluste aus statistischer Sicht auf einem vergleichbaren Niveau (14,6 %) wie in den konventionellen Abferkelbuchten. Eine Öffnung am Morgen führte zu signifikant höheren Ferkelverlusten (15,8 %).

Vergleich Fixierungszeiten

Die Saugferkelverluste waren im Versuch geringer bei abends geöffnetem Schutzkorb. (Bildquelle: Baude)

Schaut man sich die Ursachen der Verluste genauer an, fällt auf, dass bei einem frühen Öffnungszeitpunkt, morgens um 06.00 Uhr, die Verluste von lebensschwachen Ferkeln signifikant höher waren als in den konventionellen Buchten. Mögliche Ursache dafür könnte ein erhöhtes Aktivitätsverhalten der Sauen sein, wodurch es zu weniger Saugakten und somit weniger Milchzufuhr der Ferkel gekommen sein könnte.

Die Verluste durch das Erdrücken unterschieden sich hingegen nicht signifikant zwischen den drei Versuchsgruppen. Um die kritischen 48 Stunden, nach dem Öffnen des Ferkelschutzkorbes, herum fällt jedoch auf, dass die Erdrückungsverluste in diesen zwei Tagen signifikant höher liegen, wenn der Ferkelschutzkorb bereits morgens geöffnet wird (siehe Abbildung). Es zeigt sich also, dass das Öffnen besser abends erfolgen sollte, wenn Ruhe im Stall eingekehrt ist.

Ursachen Ferkelverluste

In den ersten 48 Stunden nach der Geburt sind die Ferkelverluste in allen drei Versuchsvarianten am größten. (Bildquelle: Baude)

Höhere Absetzgewichte bei Öffnen am Morgen

Die Anzahl gesamt geborener Ferkel lag in allen drei Versuchsgruppen auf einem vergleichbaren Niveau. Die Anzahl totgeborener Ferkel unterschied sich ebenfalls nicht. Die Ferkel wurden zwei Tage nach der Geburt versetzt, sodass alle Sauen 14 Ferkel hatten. Obwohl das Geburtsgewicht der Ferkel sich in allen drei Versuchsgruppen nicht unterschied, wiesen die Ferkel aus den Bewegungsbuchten, deren Ferkelschutzkorb morgens geöffnet wurde, ein deutlich höheres Absetzgewicht auf, als die Ferkel der anderen Versuchsgruppen. Eine mögliche Erklärung dafür könnten die höheren Saugferkelverluste in diesem System sein, die besonders in den ersten Tagen nach der Geburt auftraten.

Noch Optimierungspotential

Grundsätzlich sind die Erdrückungsverluste unmittelbar nach Öffnung des Ferkelschutzkorbes in beiden Fixierungsvarianten noch deutlich zu hoch und sollten weiter untersucht werden. Eine bereits laufende Datenauswertung anhand von Videomaterial soll dazu beitragen, Risikosituationen zu erkennen und den Fixierungszeitraum zu optimieren. Dazu wird das Verhalten der Sauen vor und nach dem Öffnen des Ferkelschutzkorbes genauer analysiert.

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