PRRS-Bekämpfung in Europa

Seit einem Vierteljahrhundert macht das PRRS-Virus den Schweinehaltern weltweit zu schaffen. In den meisten EU-Ländern ist es inzwischen endemisch. Um mehr Informationen zur Verbreitung, den Kosten und der Behandlung der PRRS in Europa zu sammeln, wurde in 20 EU-Ländern eine Befragung durchgeführt.

Seit einem Vierteljahrhundert macht das PRRS-Virus den Schweinehaltern weltweit zu schaffen. In den meisten EU-Ländern ist es inzwischen endemisch. Um mehr Informationen zur Verbreitung, den Kosten und der Behandlung der PRRS in Europa zu sammeln, wurde in 20 EU-Ländern eine kurze schriftliche Befragung von Personen durchgeführt, die mit dem PRRS-Virus zu tun haben. Die wichtigsten Ergebnisse wurden kürzlich auf der Internet-Plattform „3drei3.de“ zusammengefasst.
 
In Europa gibt es nur noch vier PRRSV-freie Länder: Norwegen, Schweden, Finnland und die Schweiz. Der PRRSV-Genotyp 1 (EU-Stamm) ist der am weitesten verbreitete und einzige Serotyp in den meisten Ländern, während Genotyp 2 (US-Stamm) eine hohe Prävalenz in Dänemark, Deutschland, Österreich und Polen besitzt. Aufgrund der allgemein fehlenden systematischen Überwachung in den meisten Ländern ist die tatsächliche Prävalenz von PRRSV-infizierten Betrieben unbekannt. Auf Grundlage von Schätzungen kann aber davon ausgegangen werden, dass die Prävalenz in Ländern wie Dänemark und Rumänien bei 25 bis 50% und in Ländern wie Deutschland, Griechenland und Österreich bei 50 bis 75% sowie in Italien und Spanien sogar bei 80 bis 95% liegt.
 
Es scheint, dass die Kosten der PRRSV-Infektion von den meisten EU-Ländern nicht sehr treffend eingeschätzt werden. Studien in niederländischen Sauenbetrieben, in denen es akute PRRSV-Erkrankungen gab, berichten von Verlusten in Höhe von 59 bis 379 €/Sau (Median 75 €). Dänische Auswertungen bilanzieren die Verluste dagegen auf 4 bis 95 €/Sau  (Median 44 €). Beim Vergleich zahlreicher chronisch PRRSV-infizierter Betriebe mit nicht infizierten Betrieben zeigte eine dänische Studie nur eine geringfügige Verminderung der Produktivität. In PRRSV-infizierten Betrieben lag die Letalität der Saugferkel um 0,8 bis 0,9 Prozentpunkte und die Letalität der Mastferkel um 0,4 Prozentpunkte höher als in nicht infizierten Betrieben. Bei der Letalität von Mastschweinen wurden keine Unterschiede festgestellt.
 
Eine nationale Strategie zur Bekämpfung der Krankheit besitzen nur die vier PRRSV-freien Länder. In diesen Ländern werden infizierte Bestände meistens gekeult (Eliminierung des gesamten Bestands/ Wiederaufstockung). In den meisten EU-Ländern besteht die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung von PRRSV in der Impfung, einer Änderung des Bestandsmanagements und der Betriebsschließung in Kombination mit Impfungen.
 
Offensichtlich setzen sich nur die Niederlanden und Dänemark mit der Möglichkeit der Tilgung der Krankheit auf nationaler Ebene auseinander. In Holland läuft seit mehreren Jahren auf lokaler Ebene ein Pilotprogramm mit einer Gruppe interessierter Viehzüchter. Alle Betriebe werden jährlich dreimal getestet, und man trifft sich regelmäßig um freiwillige Maßnahmen zur Tilgung der Krankheit zu unterstützen. In Dänemark wurde errechnet, dass die Kosten von PRRSV aller Voraussicht nach bei rund 15 Millionen Euro pro Jahr liegen, während die Kosten eines nationalen Tilgungsprogramms, das über einen Zeitraum von 5 Jahren läuft, auf 120 Millionen Euro geschätzt wurde. Dies bedeutet eine Amortisationszeit von ungefähr 15 Jahren. Auf dieser Grundlage wird die wahrscheinlichste Strategie in Dänemark wohl ein freiwilliges Überwachungsprogramm für alle Betriebe sein, gefolgt von einem individuellen Plan zur Bekämpfung für alle Betriebe, wodurch letztendlich die Prävalenz der infizierten Betriebe verringert werden könnte.