Geschlossen

Regio-Schlachthof-Gesellschaft Mannheim insolvent

Alle Versuche und Vorschläge zur Rettung des Mannheimer Schlachthofs haben nicht gefruchtet - der Betrieb hat geschlossen. Die Schweinehalter sind sehr enttäuscht und müssen nun weite Lieferwege akzeptieren.

Vier Jahre nach der Gründung hat die Regio-Schlachthof-Gesellschaft in Mannheim am Freitag den Betrieb eingestellt. Das Gemeinschaftsunternehmen von fleischverarbeitenden Firmen soll laut einem Bericht in der Rhein-Neckar-Zeitung an wachsenden Schulden, sinkenden Schlachtzahlen und fehlendem Rückhalt bei den Kunden gescheitert sein.

Für die Schweinehalter der Region ist das Aus ein erneuter harter Schlag. Denn schon der Vorgängerbetrieb, das Städtische Fleischversorgungszentrum (FVZ), hatte wegen hoher Verluste aufgegeben. Zu besten Zeiten hatte der Betrieb auf 5.000 m2 wöchentlich 5.000 Schweine geschlachtet. Im Schlachthof waren 27 Mitarbeiter beschäftigt.

Enttäuscht von der Politik

Deutliche Kritik an der Mannheimer Stadtverwaltung äußert laut der Zeitung der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Wolfgang Guckert. So propagiere die Politik immer und immer wieder, den Familienbetrieb zu stärken. Aber genau das Gegenteil werde gelebt. Nachhaltige Politik sieht laut dem Landwirt anders aus. Er sieht das Vertrauen der Bauern in Politik und Verwaltung zerstört. Es gingen nun Vermarktungsstrukturen verloren, die Versorgung mit Frischfleisch aus der Region werde schwieriger, wird Guckert zitiert. Der Verbandsvertreter befürchtet, dass sich der Strukturwandel in der Region beschleunigt.

Die Schweinehalter müssten sich jetzt neue Absatzwege suchen, sicher aber weitere Wege in Kauf nehmen – zwischen 80 und 120 km weit entfernt seien die nächsten Schlachthöfe. Ein großer Teil der bisher in Mannheim geschlachteten Schweine würde nun zu Betrieben im Ruhrgebiet und im Münsterland transportiert. Eine neue regionale Schlachtstätte sei bisher zwar nicht konkret geplant. Aber Überlegungen dafür gebe es nach wie vor.

Betreiber, Bauern und Direktvermarkter hatten bis zuletzt mit der Stadt heftig um eine Rettung gerungen. Sie forderten unter anderem niedrigere Fleischbeschaugebühren, Stundungen und weniger Mietkosten, um auch die dringend notwendigen Instandhaltungskosten stemmen zu können. Auch die Idee, die Schlachtkapazität von 3.000 auf 6.000 Schweine pro Woche zu steigern, fiel bei der zuständigen städtischen Großmarktgesellschaft nicht auf fruchtbaren Boden. Dann wäre es kein regionaler Schlachthof mehr, hieß es von Seiten des Vermieters.

Über den Betrieb: Die Regio Schlachthof GmbH Mannheim wurde im Herbst 2017 auf Initiative privater Unternehmer aus der Region gegründet. Damit war der Weg frei, den vormals städtischen Schlachthof im früheren Fleischversorgungszentrum (FVZ) nach Sanierung und Modernisierung neu zu eröffnen. Von Anfang an war es Ziel der privaten Initiative, die heimische Landwirtschaft zu unterstützen.
Und für die Bauern und Fleischerzeuger der Pfalz, Südhessens und Badens wieder einen regionalen Schlachthof zu schaffen. Damit sollte auch eine Lücke in der Versorgung der Region mit heimisch erzeugtem Schweinefleisch geschlossen werden. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Region Rhein-Neckar über keinen weiteren Schlachthof verfügt.
Zu den Gründern des Regio Schlachthofes Mannheim gehören die Lutz Fleisch OHG, die Rudolf Hess GmbH, die Hermann Fuchs OHG und die Cornelius Wurstwaren GmbH. Die Betreibergesellschaft besteht aus vier Hauptgesellschaftern und zwei geschäftsführenden Minderheitsgesellschaftern.

Als großen Erfolg feiert die Schließung dagegen die Tierrechtsorganisation Peta. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechtsabteilung bei Peta, hofft, dass die Schweinehalter nun „umdenken“ und die Tierhaltung aufgeben, schreibt die Rhein-Neckar-Zeitung weiter. Wolfgang Guckert kontert: "Es werden ohne den Mannheimer Schlachthof nicht weniger Schweine geschlachtet, verarbeitet und gegessen. Nur müssen die Tiere weiter transportiert werden.“


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