Preiskrise

Rewe-Bekenntnis zum deutschen Schweinefleisch: Die Richtung stimmt!

Die Handelskette Rewe setzt bei Schweinefleisch künftig auf 5 x D. Ein gutes Signal, vor allem für Ferkelerzeuger in Deutschland, meinen die top agrar-Redakteure Marcus Arden und Andreas Beckhove.

Endlich mal eine gute Nachricht für die deutschen Ferkelerzeuger: Die Rewe Group hat angekündigt, beim konventionellen Schweinefrischfleisch auf 5 x D umzustellen. Ab Sommer 2022 soll nur noch Frischfleisch von Schweinen verkauft werden, die in Deutschland geboren sind. Der Kölner Handelskonzern setzt damit ein wichtiges Zeichen, das wohl jeden deutschen Sauenhalter aufhorchen lässt. Ihre Rolle in der Wertschöpfungskette gewinnt damit jedenfalls an Bedeutung.

Ob Rewes Ankündigung aber ausreicht, um den galoppierenden Strukturwandel in der Sauenhaltung abzufedern, bleibt abzuwarten. Viel hängt davon ab, ob die Mitwettbewerber sich ebenfalls klar zu 5 x D bekennen. Wünschenswert wäre es, denn die deutschen Sauenhalter brauchen angesichts der anhaltenden Absatz- und Preiskrise jede Unterstützung! Aldi, Lidl, Edeka und Co.: Wer bietet mehr?

Nervosität im Ausland

Im Ausland hat Rewes Vorstoß bereits eingeschlagen wie eine Bombe: In den Niederlanden ist man derzeit hochgradig nervös, weil unklar ist, ob holländische Ferkelerzeuger auf Dauer das Nachsehen haben. Auch in Dänemark dürfte man wachsam über die Grenze schauen und die weitere Entwicklung verfolgen. Sicher ist auch, dass unsere Nachbarn jegliche Möglichkeit nutzen werden, ihre Marktanteile zu verteidigen.

Hoffentlich hält der LEH Wort und unterstützt die heimische Schweinehaltung bald auf breiter Front. Dafür muss Rewe plausibel machen, wie sie garantieren wollen, dass ihr Fleisch in den Regalen wirklich den 5D-Vorgaben entspricht. Wenn die Kölner es ernst meinen, dürfte das Ferkel von einem deutschen Betrieb künftig etwas mehr kosten. Klar ist auch: Dieser Deutschland-Bonus muss sich dann auch im Schlachterlös widerspiegeln, sonst geht die Rechnung in der Kette nicht auf.

Marcus Arden  und Andreas Beckhove

top agrar-Redakteure Marcus Arden (Schwein) und Andreas Beckhove (Markt). (Bildquelle: Heil )

Offene Fragen

Es bleiben aber auch ein paar Fragen offen. Warum bezieht Rewe die Verarbeitungsware nicht mit ein. Oder warum warten sie mit der Umsetzung bis Mitte 2022? Bis dahin könnten etliche deutsche Ferkelerzeuger das Handtuch geworfen haben, weil ihnen bei Ferkelnotierungen von unter 30 € die Luft ausgeht.

Auf keinen Fall darf die Ankündigung nur eine Beruhigungspille sein, weil die Bauern angesichts des Ein- und Verkaufsverhaltens des LEH momentan viel Druck Richtung Handel machen. Die Bauern werden die Rewe und Co. an ihren Taten messen.

Auf keinen Fall darf die Ankündigung nur eine Beruhigungspille sein!"

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WLV-Präsident Beringmeier begrüßt deutliches Signal von REWE

WLV-Präsident Hubertus Beringmeier, auch DBV-Veredlungspräsident, sieht den Beschluss der Rewe-Group, rund 95% des konventionellen Schweinefrischfleisch-Sortiments auf deutsche Herkunft umzustellen als gutes Signal zur Stärkung der heimischen Landwirtschaft.

„Der Vorstoß der Rewe-Group ist ein wichtiger und dringend notwendiger Schritt. Insbesondere die Ferkelerzeuger profitieren vom Bekenntnis zu 5D! Genau diese Botschaft haben wir lange eingefordert!“, so Beringmeier. Mit 5D bekennt sich Rewe ab Geburt der Schweine über die Aufzucht, Mast, Schlachtung und Verarbeitung von Schweinefleisch in und aus Deutschland.

Nicht minder wichtig sei dabei die von Rewe bereits für September vorgesehene Aufstockung der seit Ende 2020 eingeführten zusätzlichen Zahlungen für heimisches Schweinefleisch. Soweit noch nicht geschehen, sollten die übrigen Lebensmitteleinzelhändler ebenso agieren. Besonderen Handlungsbedarf sieht Beringmeier aber nach wie vor im Bereich der Verarbeiter und Großverbraucher.

„Es kann nicht sein, dass seit Jahren fast ausschließlich nur über Frischfleisch gesprochen wird und sich die gesamte Fleischwarenindustrie weg duckt,“ wird Beringmeier deutlich. Von der Schlachtwirtschaft fordert er ein Ende des Preisdrucks. Die deutsche Fleischwirtschaft solle vielmehr ihre Leistungsstärke durch Entwicklung neuer, werthaltiger Vermarktungswege zeigen.

ISN: Rewe setzt Ausrufezeichen

Auch die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) wertet das Versprechen von Rewe als positives Signal. Den gesamten Kommentar lesen Sie HIER.

VEZG: Ermutigendes Signal

Lob kommt auch von der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG). Angesichts der ökonomischen Krise in der deutschen Schweinehaltung sei die Entscheidung der Rewe-Group ein ermutigendes Signal an die vielen Familienbetriebe, so der 1. Vorsitzende der VEZG, Matthias Frieß.

Rewe setze Maßstäbe für die gesamte Lebensmittelbranche. Der Import von Fleischprodukten aus dem Ausland, die zu wesentlich geringeren Umwelt-, Tierschutz- und Sozialstandards erzeugt und gleichzeitig vom LEH zu Dumpingpreisen verramscht würden, müsse endlich aufhören, sagt Frieß. Man könne in Deutschland nicht den Landwirten hohe Produktionsauflagen zumuten, diese aber nicht marktgerecht honorieren. Die Erhöhung der Mindestpreiszahlung sei der richtige Schritt, um die ruinöse Situation der bäuerlichen Betriebe aufzufangen. Die VEZG erwarte nun, dass weitere Handelshäuser sich dieser beispielgebenden Aktion in der Breite anschließen, so Matthias Frieß.


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