Eiweißversorgung

Heimisches Eiweiß: Bauern brauchen höhere Preise!

Die Nachfrage nach heimischen Eiweißpflanzen wächst. Dennoch halten sich die Landwirte beim Anbau zurück. Über Gründe und Chancen diskutierten top agrar und agrarzeitung mit über 100 Teilnehmern.

„Im Ackerbau müssen wir umdenken, da die Probleme mit Resistenzen, Extremwetterlagen usw. weiter zunehmen. Weite Fruchtfolgen mit heimischen Eiweißpflanzen können die Situation entspannen“, erklärte Petra Zerhusen-Blecher von der Fachhochschule Soest beim gestrigen „Eiweißseminar“ von topagrar, agrarzeitung und agrarfax in Bad Zwischenahn. Für die Expertin, die sich auch im Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne engagiert, sind insbesondere Körnerleguminosen eine Alternative für die Landwirte. Zerhusen-Blecher wies darauf hin, dass Ackerbauern aber unbedingt die unterschiedlichen Wachstumsansprüche der einzelnen Früchte berücksichtigen müssen. Während sich Ackerbohnen auch auf mittleren bis schweren Standorten eignen, bevorzugen Erbsen und Lupinen eher leichte bis mittlere Sandstandorte. Zudem sollten Landwirte die Vermarktung unbedingt vorab klären. Ob sich der Anbau lohnt, hängt maßgeblich vom Ertrag und vom Preis ab. Gerade die Erträge schwanken aber sehr stark. Die Produktionskosten schätzt sie eher konstant ein.

Die Podiumsteilnehmer bei der Eiweißtagung. (Bildquelle: Arden)

Verschiedene Eiweißfuttermittel kombinieren

Sojaextraktionsschrot(SES) ist bislang die Nr. 1 unter den Eiweißkomponenten. Dabei gibt es eine Vielzahl von Alternativen. Darauf wies Prof. Dr. Gerhard Bellof von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hin. „Bei der Verfütterung von alternativen Eiweißträgern zum Sojaextraktionsschrot(SES) müssen sich die Alternativen allerdings immer am SES messen lassen. Denn die Zusammensetzung des SES ist für die konventionelle Rinder-, Schweine- und Geflügelfütterung ideal“, betonte Bellof. Zwar sind die Alternativen wie zum Beispiel Rapsextraktionsschrot, Sonnenblumenkuchen oder Maistrockenschlempe ebenfalls für den Einsatz im Futtertrog geeignet, häufig ist aber eine Ergänzung mit Aminosäuren notwendig. Bei einigen Alternativen kann zudem der hohe Fettgehalt problematisch werden, bei anderen sind die Energiegehalte nicht ideal. Bellof sieht einen Lösungsansatz in der Kombination verschiedener alternativer Eiweißfuttermittel.

Wettbewerbsfähigkeit stärken

Zita Maria Lenfert, Referentin Nachhaltigkeit von der Rewe Group, wies darauf hin, dass sich die Branche mehr Gedanken über den künftigen Einsatz von Eiweißfuttermitteln machen muss. Bei einem Verbrauch von 32 Mio. t Sojabohnen in der EU müssen 29 Mio. t importiert werden. Lediglich 2,8 Mio. t werden in der EU produziert. Größte Anbaunation ist Italien mit knapp 1,0 Mio. t. Die Rewe Group setze sich im Forum „Nachhaltigere Eiweißfuttermittel“ deshalb für den Anbau von mehr Körnerleguminosen und deren stärkerer Wettbewerbsfähigkeit ein. Mehr heimische und europäische Eiweißfuttermittel sollten in der Fütterung eingesetzt werden, forderte Lenfert. Zudem sollten nachhaltigere Eiweißquellen als Alternativen zu importiertem, nicht nachhaltig zertifiziertem Soja, gestärkt werden.


Diskussionen zum Artikel

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von Josef Doll

Bei 30 dt Soja oder Erbsenertrag Durchschnittsertrag

und 80 dt Weizen oder 100 dt Maisertrag liegt es auf der Hand oder ?? Beim ÖVF habe ich den Luzerne oder Kleeanbau je nach Wasserversorgung . Bei schlecht mit Humus versorgte Böden können diese Früchte auch im Ackerbau ein Versuch wert sein !!

von Gregor Grosse-Kock

Hura

Die Planwirtschaft ist da Anscheinend keine passenden Sorten kein Wetter und doch,.Am besten noch eine Marktordnung für Märchen!

von Jörg Linnemannstöns

Alles schon mal da gewesen

In den 80ern des letzten Jahrhunderts haben wir jungen Landwirte uns schon viel mit dem Anbau von Kö.erbsen und A.bohnen beschäftigt mit dem Ergebnis, das der Anbau nicht ausgedehnt wurde. Er war einfach nicht lukrativ. Daher ist auch von der Züchtung seitdem nicht viel passiert, vollkommen nachvollziehbar. Jetzt sollen also Kö.erbse & A.bohne die Sojabohne ersetzen? Wer glaubt den daran!

von Gerhard Steffek

Wikipedia macht es möglich -

sage ich immer. Macht es möglich, sich schnell zu informieren. So auch hier über die Sojabohne (https://de.wikipedia.org/wiki/Sojabohne). Wenn man da nachliest, daß 2017 weltweit 352 Mio. Tonnen Soja produziert wurde, wovon gute 139 Mio. to im Export gehandelt wurden, dann ist selbst die Menge des in die EU importierten Sojas marginal, gegenüber der weltweiten Produktion. Bedenkt man noch die Aussage: Die Zusammensetzung des Sojaeiweißes ist ideal, sowie die preisliche Konkurrenz, dann ist diese Konferenz reine Zeitvergeudung. Es wird sich an der momentanen Situation nicht viel ändern. Dafür sorgen dann auch schon aufgrund ihres Kaufgebahrens die großen LEH's, zu denen ja auch REWE gehört. Auf solche Krokodilstränen kann der Landwirt getrost verzichten.

von Klaus Fiederling

Unsere größte Verwundbarkeit ist in einer perfiden Ignoranz verortet

Das Maß aller Dinge ist demnach ein beständiges niedrigstes Preisniveau für Sojaextraktionsschrot!? Von den im Artikel zitierten 29 Mio. Importen an Sojabohnen kommen welche Mengen aus Lateinamerika? Die dortigen sozialen Unruhen werden großteils von eben diesen Erzeugnissen mitbestimmt; fokussiert bleiben dennoch in erster Linie solche spottbilligen Angebote. Die brennenden Konsequenzen wollen wir in Mitteleuropa schlichtweg einfach nicht zur Kenntnis nehmen. // Der Meeresspiegel ist in den vergangenen 20 Jahren um 12 cm angestiegen. All das blendet man geflissentlich aus! - Alle gut, alles bestens! - Weiter so!

von Hans Spießl

Körnerleguminosen sind Reuefrüchte

nicht einmal zu Zeiten des größten Hungers wurden diese Reue Kulturen angebaut. wir vergessen die einfachsten Dinge das Nährtier des Menschen ist das Rind!!! Leguminosen sind Futterpflanzen!!!

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