Runder Tisch zur Sauenhaltung: „Die Zeit drängt“

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte am Dienstag nach Bonn eingeladen, um mit Vertretern aus Praxis und Politik über die Zukunft der Sauenhaltung in Deutschland zu beraten. Konkrete Lösungsmöglichkeiten sind nicht festgelegt worden. Ein weiterer Gesprächstermin sei geplant.

Beim gestrigen runden Tisch zur Sauenhaltung sind keine konkreten Rahmenbedingungen festgelegt worden. (Bildquelle: top agrar)

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte am Dienstag nach Bonn eingeladen, um mit Vertretern aus Praxis und Politik über die Zukunft der Sauenhaltung in Deutschland zu beraten. Konkrete Lösungsmöglichkeiten sind nicht festgelegt worden. Ein weiterer Gesprächstermin sei geplant. Stimmen dazu von Susanne Mittag (Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion), Gitta Connemann (stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) und Albert Stegemann (Vorsitzende der Arbeitsgruppe Ernährung und Landwirtschaft) lesen Sie hier:

Susanne Mittag:

Die Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Susanne Mittag, erwartet beim nächsten Termin konkrete und rechtssichere Lösungsvorschläge: „Die Zeit drängt und die Sauenhalter brauchen Planungssicherheit“.Sowohl das Ende der betäubungslosen Ferkelkastration als auch die Umsetzung des Kastenstandurteils stellen die Ferkelzüchter, insbesondere in Niedersachsen, vor enorme Herausforderungen. Auch mit Blick auf das staatliche Tierwohllabel müssen diese Punkte zeitnah geklärt werden.Bei der Ferkelkastration plädierte Susanne Mittag für einen praxistauglichen und rechtssicheren Weg. Die Übergangsfrist um weitere fünf Jahre zu verlängern, wie von der bayrischen Landesregierung angestrebt, lehne sie ab: „Man hatte bereits sechs Jahre Zeit. Die betäubungslose Kastration um weitere fünf Jahre zu verlängern ist einfach absurd und nicht zu vermitteln“, sagt Susanne Mittag.
 
Beim Thema Kastenstand forderte die Tierschutzbeauftragte die Fixierung im Kastenstand auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren und in absehbarer Zeit keine Sauen mehr in Kastenständen unterzubringen: „Über angemessene Übergangsfristen kann man natürlich sprechen“, so die die Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion.

Gitta Connemann:

„Der runde Tisch hat überdeutlich gezeigt: Frustration und Verunsicherung der Sauenhalter und Ferkelerzeuger in Deutschland sind groß. Mehr als die Hälfte dieser Betriebe denkt ans Aufgeben. Hauptgrund dafür ist die Sorge vor kostenintensiven Auflagen. Ein Strukturbruch droht. Das müssen wir verhindern - für die Höfe, aber auch für Verbraucher und Tierschutz. Denn die Alternative wäre eine weitere Verlagerung der Erzeugung ins Ausland. Der höchste Verbraucher- und Tierschutz ist aber nur bei einer Produktion in deutschen Landen gewährleistet. Deshalb muss Schweinefleisch von deutschen Sauenhaltern und Ferkelerzeugern eine wirtschaftliche Perspektive im europäischen Wettbewerb haben. Alle politischen Akteure tragen dafür Verantwortung. Wir brauchen praktikable Lösungen, die den Betrieben Luft zum Atmen lassen. Dies gilt vor allem beim Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration, der Neuregelung der Kastenstandshaltung von Sauen, aber auch für die Genehmigung neuer Ställe. Verhältnismäßige Regelungen müssen her. Für uns ist klar: Diese Lösungen müssen von den Betrieben in der Praxis umgesetzt werden können, wirtschaftlich sein sowie Planungs- und Rechtssicherheit bieten.“

Albert Stegemann:

„Mit großer Sorge sehen wir das enge Zeitfenster, das bis zum Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration verbleibt. Die Branche hat klar zu verstehen gegeben: Die drei verfügbaren Verfahren wie Impfung, Ebermast oder Inhalationsnarkose sind zum Teil mit erheblichen Nachteilen verbunden bzw. nicht marktgängig. Als Unionsfraktion befürworten wir daher die Verwendung eines Lokalanästhetikums durch den Tierhalter selbst. Insbesondere für kleinere und mittlere Betriebe wäre dies eine praxistaugliche weitere Alternative zur betäubungslosen Kastration. Dafür sind nun zeitnah die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen. Sollte dies nicht möglich sein, ist eine angemessene Verlängerung der Übergangsfrist notwendig, um eine Abwanderung der Ferkelerzeugung aus Deutschland zu verhindern.“


Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Seeger

"Konkrete Lösungsmöglichkeiten sind nicht festgelegt worden."

Dieser eine Satz aus obigem Artikel beschreibt wohl im Kern das Gesamtergebnis des "Runden Tisches" der m.E. auch durchaus etwas eckiger hätte ausfallen können. Fest steht wohl dass, egal wie der weitere Verlauf der klebrig-zähen Verhandlungen, von Leuten die allesamt nicht von der Ferkelerzeugung leben müssen, ist, am Ende verliert der Sauenhalter, verliert der Familienbetrieb, bricht ein ganzer Produktionszweig weg, verliert der Verbraucher, die vor- und nachgelagerte Wirtschat, verlieren alle. Klassische lose-lose-Situation.

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