Schlagabtausch bei Abschluss-Pressekonferenz zur Ferkelkastration

Wie festgefahren die Positionen zwischen den Agrarministern in Deutschland beim Thema betäubungslose Ferkelkastration sind, zeigte sich am Freitag in Bad Sassendorf bei der Abschlusspressekonferenz des Agrarministertreffens. Erst auf Nachfrage gingen die anwesenden Politiker überhaupt auf das Thema ein. Drei Videos...

Bundesagrarministerin Julia Klöckner und NRW-Agrarministerin Ursula Heinen-Esser am Freitag in Bad Sassendorf (Bildquelle: Deter)

Wie festgefahren die Positionen zwischen den Agrarministern in Deutschland beim Thema betäubungslose Ferkelkastration sind, zeigte sich am Freitag in Bad Sassendorf bei der Abschlusspressekonferenz des vergangenen Agrarministertreffens.

Erst auf Nachfrage gingen die anwesenden Politiker überhaupt auf das Thema ein, dass den Sauenhaltern massiv unter den Nägeln brennt. Um es vorweg zu nehmen: Der Bundesratsbeschluss vom 21. September 2018 wurde lediglich zur Kenntnis genommen. Stattdessen schieben sich CDU, SPD und Grüne gegenseitig die Schuld zu. 

Klöckner nicht zuständig?

Für Verwunderung sorgte hierbei die Aussage von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU). Sie ärgere sich darüber, dass in der Berichterstattung zur Ferkelkastration „Bundesregierung“ und „Gesetzgeber“ vermischt würden. Der Gesetzgeber – also das Parlament - habe die Frist zum Auslaufen der betäubungslosen Ferkelkastration vor fünf Jahren gefasst. Man sei jetzt in einer Situation, wo nur noch das Parlament eine Lösung finden könne. „Ich als Ministerin, die von der Union bestellt ist, kann ich nur sagen, an den Unionsleuten liegt es nicht. Eine Lösung hätte schon vorher daliegen können.“ Es sei Aufgabe der Parlamentarier, sich noch zu einigen für eine Fristverlängerung mit Auflagen. Es gehe hier um Tierwohl und Tierschutz, deswegen müsste es klare Konditionen geben. Im Übrigen sei sie erst ein halbes Jahr im Amt und habe das Thema geerbt.

„Ich ärgere mich, wenn Verbände davon ausgehen, das (Anm. d. Red. „die Fristverlängerung“) wäre ein Automatismus, es muss auch an Alternativen gearbeitet werden. Das Video finden Sie ganz unten...

Backhaus ärgert sich über Grüne

„Jetzt stehen wir vorm Scherbenhaufen. Ich will der Ministerin Klöckner nicht zu nahe treten, aber ein bisschen verkehrte Welt ist das schon“, so die Reaktion von Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus (SPD) darauf. Die Union habe das Ministerium über viele Jahre geführt und das BMEL habe seit Jahren keine praktikablen Lösungen hervorgebracht. Besonders ärgert Backhaus die Meinung von den Grünen, es gebe doch Alternativen. Warum diese in seinen Augen völlig indiskutabel und sogar gefährlich sind und warum die Partei einer Ideologie nachhänge, erklärt er hier im Video:


 
Albrecht wirft SPD und Union Tatenlosigkeit vor

Die grünen Interessen verteidigte Schleswig-Holsteins neuer Landwirtschaftsminister Jan-Phillip Albrecht. Nach dem Vortrag von Backhaus fühlte er sich gereizt und setzte zum Konter an. Es gehe hier um die Umsetzung eines vor Jahren gefundenen Kompromisses, seiner Erinnerung nach auch unter SPD- und Unions-Beteiligung. Es gebiete der Respekt, eine solche Frist nicht einfach so zu verlängern. In den vergangenen Jahren seien offenbar einige nicht in der Lage oder bereit gewesen, den Prozess der Findung praktikabler Wege dieser drei Alternativen voranzubringen; auch noch in den verbleibenden drei Monaten. Für Backhaus waren diese Aussagen schwer erträglich, das sehen Sie hier im Video:

Wie geht es jetzt weiter?

Wie es jetzt weiter geht mit dem Thema Ferkalkastration erklären NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser und Agrarministerin Julia Klöckner hier im Video:

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

Schreiben Sie Alfons Deter eine Nachricht

Leserfrage: Für Schlepper Rundfunkgebühr zahlen?

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Stefanie & Helga Roth

Falsch von Anfang an!

Alle Ferkelerzeuger und auch Tierärzte welche Kastrationen an Ferkeln seit Jahrhunderten durchführen wissen genau dass alle drei Wege die momentan diskutiert werden das Leid der Tiere nur verlängern und intensivieren. Und genau da liegt der Hund begraben, von Anfang an wurde nur mit Kompromissen auf Forderungen von Tierschutzverbänden die von dem Ablauf der Kastration keinerlei Ahnung haben eingegangen. Alle Praktiker wissen dass eine Kastration wie sie schon immer durgeführt wird nur höchstens 3 Sekunden dauert und das schlimmste bei der Prozedur für die Tiere ist wenn es durch das Aufheben den Boden unter den Füssen verliert!! Sofort nach dem Eingriff suchen die Ferkel wieder das Gesäuge der Mutter auf. Genau das hätte man von Anfang an zeigen und vermitteln müssen!!

von Henrik Plaas-Beisemann

Es ist schön, wenn der Schleswig-Holsteinische Landwirtschaftsminister ein gute Verhältnis zu den dänischen Nachbar pflegt

aber muss er denn unbedingt der beste Verkäufer von dänischen Ferkeln in Deutschland sein? Denn genau das ist Herr Albrecht, der Treiber des Ferkel Importes aus Dänemark und den Niederlanden. Aber das kennen wir von Herrn Albrecht ja schon bei der Datenschutz-Grundverordnung ist er mit seiner Art des gut gemeinten zu einem schlecht gemachten gekommen. Wir haben bei FB, Whats App und Co. alles unterschrieben um es weiter nutzen zu können und jeder Vereinsvorstand auf dem Dorf verzweifelt bei diesem Papierwusst. Am Ende profitieren von der Politik des Herrn Albrecht die Großen, die eigene Tierärzte haben und die Importeure, nur der kleine Bauer verzweifelt, genau so wie der Vorstand der kleinen Vereine und die Ein-Mann-Unternehmen beim Datenschutz. Das Blöde ist, bei dem kleinen Sauenhalter geht es knallhart um die Existenz.

von Walter Rothenbacher

Kastration

manchmal könnte man meinen die gesamte Politiker sind schon kastriert. Sie wissen doch gar nicht wie plank die Nerven bei uns Landwirten inzwischen sind.

von Heinrich Albo

Es gibt keine vernünftige Lösung

weil die bisherige die beste war ....Das sieht bloß keiner ein.....

von Heinrich Roettger

Frau Klöckner ist zuständig!

Dieses Schauspiel ist unerträglich! Hier können wir Minister Backhaus und Ministerin Heinen Esser aussrücklich den Rücken stärken. Unerträglich , dass die Grünen unsere Ferkel mit Medikamenten kastrieren wollen.Das kann man nicht laut genug zu den Menschen tragen.Diese Verlogenheit schreit zum Himmel.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen