Borchert-Plan

Folgenabschätzung rechnet bessere Perspektiven für Tierhalter aus

Der Borchert-Plan kann den Strukturwandel bei den tierhaltenden Betrieben bremsen, zeigt die Folgenabschätzung. Agrarministerin Klöckner strebt nun eine politische Einigung vor der Bundestagswahl an.

Das Thünen-Institut hat am Montag die Folgenabschätzung vorgelegt, in der es die Konsequenzen der Borchert-Pläne zum Umbau der Tierhaltung durchgerechnet hat. Sie zeigt, dass auch Betriebe, die auf Grund der aktuellen Lage aus der Tierhaltung ausgeschieden wären, eine neue Perspektive bekommen. Allerdings steigen die Mehrkosten je nach Tierart von mindestens 9% für Milchkühe auf bis zu 44% für Masthühner. Die Mehrkosten für die höheren Tierwohlstandards soll der Staat laut den Borchert-Plänen über eine Investitionsförderung plus laufende Tierwohlprämien den Landwirten finanzieren.

Klöckner empfiehlt Entscheidung vor der Wahl

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sieht die Folgenabschätzung als Bestätigung, die vom Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung (KNW) unter Leitung von Jochen Borchert erarbeiteten Pläne umzusetzen. Nun müsse es um eine politische Einigung auf ein Finanzierungsmodell gehen, so Klöckner. An den Bundestag richtete sie bei einer Pressekonferenz am Montag den Appell: "Ich habe Verständnis dafür, dass die Fraktionen im Bundestag noch intern Beratungsbedarf haben. Ich rate aber dazu, sich noch in dieser Legislaturperiode auf einen Weg zu einigen“. Sie selbst sei offen dafür, ob die Finanzierung über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 7 auf 19% für tierische Produkte oder über eine Tierwohlabgabe, die wie eine Verbrauchsteuer wirkt, erfolgen soll. Den Tierwohl-Soli hält Klöckner hingegen für nicht mehrheitsfähig.

Perspektive für Tierhaltungen bis 2040

Das Ziel des Borchert-Plans ist, die Tierhaltung in Deutschland auf ein höheres Tierwohlniveau zu bringen. Ab 2040 sollen alle Nutztiere mindestens in Stufe 2 gehalten werden. Das heißt: Mehr Platz, strukturierte Haltungsumgebung, intensivere Tierbetreuung und Außenklima. Die landwirtschaftlichen Betriebe sollen durch Investitionsförderungen und Tierwohlprämien wirtschaftlich in die Lage versetzt werden, ihre Tierhaltung auf diese neuen Ziele auszurichten. Die staatliche Kennzeichnung soll die so erzeugten Produkte für die Verbraucherinnen und Verbraucher sichtbar machen. Zudem wird angestrebt, die für alle Tierhaltungen verpflichtenden Standards im Ordnungsrecht im Jahr 2030 auf Stufe 1 und 2040 auf Stufe 2 anzuheben.

Produktionskosten steigen um bis zu 44 %

Besonders spannend ist die nun vorgestellte Folgenabschätzung in der Frage, wie sich die Produktionskosten verändern. Die Folgenabschätzung kommt zu folgendem Ergebnis: Die Produktionskosten in der Schweinemast, Milchviehhaltung und Mastrinderproduktion werden in den angestrebten Tierwohlstufen 2 und 3 gegenüber der derzeitigen Situation um rund 10 bis 16 % höher ausfallen. Bei den Zuchtsauen wird mit rund 25 bis 30 % höheren Kosten gerechnet. In Stufe 3 der Masthühnerhaltung könnten die Mehrkosten sogar 44 % höher liegen, wobei sich hier besonders der Platzbedarf für den Auslauf kostensteigernd auswirkt. Allerdings kritisieren die Autoren der...


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Diskussionen zum Artikel

von Karlheinz Gruber

@Grimm

leider kann ich nicht direkt antworten. Aber nur eines zu Ihrer Antwort auf meinen Kommentar. Wer die Vergangenheit kennt, macht in der Regel in der Zukunft nicht die selben Fehler. Das gilt auch für die Politik. Oder besser, sollte auch da gelten. Und wenn wir jetzt die Standards ... mehr anzeigen

von Norbert Scheppach

Status Quo ceteris paribus fortschreiben

Die Folgeabschätzung ist etwas eindimensional und betrachtet lediglich die Effekte der Stufen auf die Landwirtschaft, den Zielmarkt und die Änderung im ohnehin stattfindenden Strukturwandel. Insgesamt werden andere Risikofaktoren für die Landwirtschaft nicht berücksichtigt. Vielmehr ... mehr anzeigen

von Bernd Müller

Komplett an der Welt vorbei!

Der pro Kopfverbrauch von Fleisch soll auf 15 kg sinken, steht auch in anderer Fachpresse. Liebe Kollegen, spart Euch das Geld für Schweineställe. Für 15 kg reichen ein paar Weiderinder. Wie kann man da darauf hoffen der Fleischkonsum würde steigen? ( Institut ) Zitat unsere ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Bei

Eiern und Nachprodukte Kartoffeln ist es gut möglich direkt zu vermarkten. Wenn man schaut was in den Verkaufsständen zu haben ist. Bei uns in der Regel auf Vertrauen ohne Bedienpersonal. Milch kann nur in geringem Umfang abgesetzt werden, dazu bräuchte man eine kleine Molkerei. Bei ... mehr anzeigen

von Joachim Pehle

Was ist Tierwohl?

In der Folgeabschätzung des Thünen-Institutes heißt es so schön: " In den Kalkulationen für die ökologische Sauenhaltung ist ...angenommen worden, ... führen zu höheren Verlusten während der Säugezeit und der Aufzucht, ..." => Wie kann man einkalkulierte höhere ... mehr anzeigen

von Matthias Zahn

Das Thünen Institut...

ist eine, dem Bund direkt unterstellte Einrichtung. Die schreiben ihre Expertisen immer so, dass es für die politischen Entscheidungen passt. Insofern kann man das getrost in die Tonne treten.....

von Rudolf Rößle

Restglück

Der Kunde Verbraucher weiß gar nicht wie billig er auf Kosten der Landwirte lebt. Das wird so oder so bald vorbei sein.

von Josef Doll

Beim Deutschlandfunk

wollte man die Mehrausgaben die der Bauer/in hat nicht so richtig anerkennen! Denn es ist doch ein Gesetz und Gesetze müssen eingehalten werden . Wieso dann einen Ausgleich ? Zumindest war das die Meinung der Journalistin am Schluss !

von Martin Schmidt

Mehr Bürokratie,

führt zu mehr Strukturwandel.

von Karlheinz Gruber

Über die Folgen bräuchten wir

doch überhaupt nicht diskutieren, hätte die Politik vor 30 Jahren nicht begonnen, zwanghaft unsere Preise dem Weltmarkt zu opfern. Wir reden hier immer nur über die verschiedenen Möglichkeit des sterbens und wie wir Preise halten können. ABER die Preise von heute sind die, die wir ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Was gewesen ist, dafür gibt es nichts.

Hier und heute spielt das Leben. Weltmarkt heute und und immer mehr Auflagen nur bei uns, machen uns zu teuer und vernichten unser Vermögen. Das ist der größte Betrug aller Zeiten und darf nicht hingenommen werden.

von Christian Kraus

Isermeyer und das Thünen-Institut

Berechnungen von Isermeyer: "Wenn die Milchquote weg fällt und der Milchpreis dann zwischen 20-27 Cent ist wäre das (wirtschaftlich!!!) das beste für uns" Stellt euch vor wir hätten wirklich dauerhaft 23,5 Cent Milchpreis wie viel Geld wir verdienen!!!! würden. So ein weltfremdes ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Lieber

Betriebsergebnisse aus der Praxis hernehmen und deren Buchführungsergebnissen.

von Ludger Hengelsberg

Sicher ist: Die KOSTEN steigen ...

und die bleiben hoch, weil Investitionen in verbesserte Ställe nun mal Geld kosten. Fraglich ist: Wie lange ist die Gesellschaft willens und in der Lage, den finanziellen Ausgleich dafür zu leisten? Angesichts der Kurzlebigkeit politischer Zusagen auf dem Gebiet der Agrarpolitik, vor ... mehr anzeigen

von Otto Klapfenberger

Ich denke

der Weg zurück zu sinnvolle und vernünftige Politik wird sehr steinig. Für den Verbraucher wird es ein harter Aufschlag. Merken tuen die meisten es erst wenn aus reich plötzlich arm wurde. Bis dahin werden wir vom Staat "ausgenommen wie ne Weihnachtsgans".

von Erwin Imschloss

Diese Folgeabschätzung

Ist das Papier nicht wert worauf es geschrieben ist. Die Zukunft bringt soviele Unsicherheiten, dass jede Berechnung nur Spekulation sein kann. Eines steht aber fest: Die Vielfalt, die wir jetzt noch in der Landwirtschaft haben, bringt uns auf jeden Fall sicherer durch die kommenden ... mehr anzeigen

von Hermann Sudhop

Wie wird sichergestellt, dass

die Erzeugerpreise entsprechend der höheren Kosten für die Erreichung der Tierwohlstandarts steigen?

von Erwin Imschloss

Gar nicht!

Solange der heilige freie Handel mit der gesamten restlichen Welt immernoch weiter ausgebaut wird, ändert sich nichts!

von Reinhard Luhr

Besser der Staat macht das selbst.

Welcher vernünftige Landwirt soll da den mitmachen. Das Risiko ist zu groß. Es kommen ja jetzt schon Auflagen in immer kürzeren Abständen. Viele unserer Nachbarn werden gerne zu uns exportieren. Und sich auf den Binnenmarkt berufen. Auch darf man die enormen Fortschritte der ... mehr anzeigen

von Gerd Moser

Altes deutsches Sprichwort.....

Man soll die Rechnung nicht ohne den Wirt machen. Hoffentlich hat das Thünen- Institut da alles wirklich berücksichtigt!

von Fritz Gruber

Staatlich verordnete Tierhaltung

Kommt für mich nicht in Frage da müsst ihr euch dümmere Suchen Leute aber mit mir und meiner Familie nicht das kann ich euch versprechen da können die beschließen was sie wollen und ich hoffe nur wir sind nicht allein

von Gregor Grosse-Kock

Krank

Alle schreien nach Staatsknete - egal welche Brange! Ob das wohl gelingt! Unsere eigenen Leute nehmen uns mit auf die Schippe - anstatt zu kämpfen für das Machbare und nicht für Träume und Versprechungen - das Geld wird knapp!!!

von Hermann Freese

nicht mit mir

Also ich bin spätestens dann raus aus der Tierhaltung. Ich entscheide nämlich selber, was mir gefällt und was nicht sowie was sich für mich lohnt und was nicht. Ich lasse mir das nicht ins Ohr setzen.

von Joachim Pehle

Was sind tierische Produkte,....

...was ist Fleisch? Im Sinne der Mehrwertsteueranhebung auf Lebensmittel wird es zu einer lenkenden Dynamik hin zu vegetarischen Rezepturen kommen: Nackenbraten/Rindersteak - klar,- ist Fleisch, wird teurer. Was aber ist mit der Tiefkühlpizza: Margeritha für 1,99 € - sobald aber eine ... mehr anzeigen

von Heinz Scholte-Meyerink

Das ist doch politisch gewollt! Veganisierung durch die Hintertür! Die Tierhaltung soll abgeschafft werden. Außer natürlich Hunde, Katzen, Wellensittich, Zierfische... (Vllt der Blick in die Glaskugel, wo der Goldfisch schwimmt...)

von Wilfried Brade

Ein fairer Nachtrag eines Satirikers: Vorschlag zur Einkommenssicherung künftiger Nutztierhalter in D

Nutztierhalter, die künftig mindestens 60 Milchkühe oder 180 Sauen auf Stufe 2 auf Ihren Höfen halten - amtlich 1x jährlich kontrolliert durch das zuständige Veterinäramt - sollten mindestens ein Einkommen staatlicherseits in Höhe eines Institutsleiter des Thünen-Instituts (bei ... mehr anzeigen

von Wilfried Brade

Die entscheidende Frage wurde nicht beantwortet: Verbessert sich im Mittel die wirtschaftliche Situation der Nutztierhalter zukünftig?

Denn genau diese ist bereits jetzt bei vielen Nutztierhaltern schlichtweg unbefriedigend...

von Heinrich Albo

Schizophren...

Dieser kommunistische 10 Jahresplan !!!! Der funktioniert noch nicht einmal bei geschlossenen EU Außengrenzen!!!

von Gerd Uken

Welche Glaskugel hat das Thüneninstitut

Denn wohl diesmal befragt, oder hat man sichvdas Wissen ddrcRabobanker zu Nutze gemacht? Meine Prognose es werden viele kl. Betriebe ausscheiden mit klein meine ich 50 und aufwärts, die Auflagen sind dermaßen gestiegen das es sich nicht rechnet in SGJ Ankagen Beton Gold zu investieren ... mehr anzeigen

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