Friedrich-Löffler-Institut

Schweine als Reservoir für Grippeviren

Laut einer Studie des FLI können sich Influenzaviren in Schweinen ideal vermehren. Das habe auch Auswirkungen auf den Menschen. Wichtige Barrieren für die Übetragung wurden bereits überwunden.

Auch in Europa bilden Schweinehaltungen wichtige Reservoire für eine zunehmende Anzahl an Influenzaviren, die teilweise auch auf den Menschen übergehen können und möglicherweise präpandemisches Potential besitzen. Das geht aus einer Studie hervor, die das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) jetzt gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg und weiteren Partnern vorgelegt hat.

Wie das FLI berichtete, untersuchten die Wissenschaftler mehr als 18.000 Einzelproben aus annähernd 2.500 Schweinehaltungen in ganz Deutschland sowie 16 weiteren europäischen Ländern. Dabei hätten sie in mehr als der Hälfte der untersuchten Betriebe ganzjährig Infektionen mit Influenzaviren nachgewiesen. In den europäischen Schweinepopulationen dominierten vier Viruslinien mit unterschiedlicher geografischer Verteilung, aus denen zunehmend neue Virusvarianten entstünden.

Laut FLI haben die detaillierte Analyse der Ähnlichkeit zu humanen Grippeviren und die Übertragungseigenschaften in Frettchen, einem Tiermodell für humane Influenza, gezeigt, dass einige der in der Schweinepopulation nachgewiesenen Erreger über zoonotisches Potential verfügen. Zudem seien Resistenzen gegen einen wichtigen Bestandteil der humanen Virenabwehr gefunden worden. „Einige der Schweine-Influenza-Viren haben bereits eine wichtige Barriere für die Übertragung auf den Menschen überwunden. Das erhöht das Risiko deutlich“, erklärte Prof. Martin Schwemmle vom Universitätsklinikum Freiburg.

Tierwohl verbessern, Einbußen reduzieren

Aktuelle Kenntnisse zur Infektionslage, verbesserte Bekämpfungsstrategien sowie die Optimierung von Impfstoffen für Schweine gegen Influenzaviren können dem FLI zufolge wesentlich zu einem gesteigerten Tierwohl beitragen und wirtschaftliche Einbußen in der Schweineproduktion vermindern. Gleichzeitig würde ein Rückgang der Grippeviren in den Schweinebeständen eine Verringerung des Expositionsrisikos von Menschen gegenüber potentiell zoonotischen Erregern aus diesem Reservoir bewirken.

Schweine eignen sich nach Angaben des FLI hervorragend für die Vermehrung und „Neusortierung“ von Influenzaviren, die vom Mensch, Schwein oder Vogel stammen. Der Erreger der letzten menschlichen Grippepandemie „Influenza A (H1N1)/2009“ habe bereits 2009 Eingang in die Schweinepopulationen Europas gefunden und besitze eine herausragende Bedeutung für das stark anwachsende Repertoire neuartiger Virusvarianten im Schwein.

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Diskussionen zum Artikel

von Gerhard Steffek

Schon komisch -

die ganzen Jahrtausende über, vom Anbeginn des Ackerbaues bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, lebte der Großteil der Menschen dicht an dicht mit den Tieren. Schon komisch, daß der Mensch da nicht ausgestorben ist. Jetzt, da nur noch ein sehr geringer Teil der Menschen mit ... mehr anzeigen

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