Besuch in der Praxis

Schweine: Außenklimaställe mit geschlossenen Liegekisten und Strohauslauf

top agrar hat zwei Landwirte besucht, die neue Außenklimaställe mit geschlossenen Liegekisten und Ausläufen auf Stroh bzw. Spaltenboden gebaut haben.

Das Angebot bei Außenklimaställen wächst. Im ersten Teil unserer Stallbauserie haben wir über zwei Pig Port-Ställe berichtet. Heute stellen wir Ihnen Kistenställe vor. Mit zwei Schweinehaltern haben wir über die Vor- und Nachteile dieses Stallkonzeptes diskutiert.

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„Mein Kistenstall passt ideal zur Vermarktung“

Sebastian Deckers hält alle Sauen, Ferkel und Mastschweine auf Stroh. Die Tiere verkauft er als „Niederrheiner Strohschwein“. Der neue Außenklimastall rundet das Haltungskonzept jetzt ab.

Schweinehalter Sebastian Deckers geht es wie vielen Berufskollegen: Die konventionelle Schweinehaltung sieht er inzwischen mit gemischten Gefühlen, weil die Landwirte nur noch als Rohstofflieferant herhalten müssen. „Wirklich mitreden und auf Augenhöhe mit Abnehmern Preise aushandeln, diese Zeiten sind längst vorbei“, beschreibt der junge Landwirt aus Xanten-Vynen am Niederrhein seine Eindrücke.

Weil Deckers aber begeisterter Schweinehalter ist und dies auch bleiben will, musste er sich nach der Übernahme des elterlichen Betriebes im Jahr 2016 etwas einfallen lassen. „Ich suchte nach einer Lösung, wie ich den Hof zukunftssicher aufstellen kann und mich dabei finanziell nicht überhebe“, erklärt er.

Stroh als Verkaufsargument

Sebastian Deckers entschied sich für den „Strohweg“. Dahinter steht die Idee, das Material allen Schweinen durchgängig anzubieten. „Das war nicht schwer, denn die 250 Sauen sowie die dazugehörigen Aufzuchtferkel stehen bei uns im Betrieb seit jeher auf Stroh, auch im Abferkelstall. Spaltenböden kennen wir nicht“, beschreibt er die Situation. Und seit 2019 hält er auch die 800 Mastschweine im neu gebauten Außenklimastall auf Stroh.

Deckers setzt nicht ohne Grund zu 100% auf das Einstreumaterial. Er nutzt dieses gezielt als Vermarktungsinstrument für seine Mastschweine. Mit seinem Label „Niederrheiner Strohschwein“ will er die Zukunft seiner Familie auf dem Hof sichern, betont der Landwirt.

So gut den Schweinen die Stroheinstreu auch gefällt, Sebastian Deckers ist sich natürlich bewusst, dass sein Haltungskonzept sehr arbeitsintensiv ist. „In den alten Sauenställen ist das Stroh schon eine Herausforderung, das kostet jeden Tag etliche Arbeitsstunden. Wir brauchen für die Arbeitserledigung bis zu drei Arbeitskräfte“, gibt der Junglandwirt unumwunden zu.

Außenklimastall mit Kisten

Umso wichtiger war ihm, den neuen Maststall so zu planen, dass die Arbeit überschaubar und mit deutlich weniger Handarbeit zu erledigen ist als in den Sauenställen. Ein Tiefstreustall, bei dem große Mengen Stroh eingesetzt werden müssen, kam für ihn nicht infrage. Deckers hat sich für einen komplett planbefestigten Außenklimastall mit Liegekisten und nicht überdachtem Auslauf entschieden.

In der Mitte der Stahlhalle befindet sich ein 3 m breiter Kontrollgang, auf den Sebastian Deckers die Quaderballen aus Stroh vor dem Einstreuen zwischenlagert. Den Gang befährt er mit dem Teleskoplader. Rechts und links davon schließen sich die mit isolierten Seitenwänden und Deckeln ausgestatteten Liegekisten der Mastschweine an. Diese sind 3 m tief und 4 m breit. Die Deckel der Liegekisten fährt der Landwirt per Seilzug automatisch hoch und runter. Dann folgt der 4,50 m tiefe Fress- und Aktivitätsbereich, der mit Gummilamellen vom 4 m tiefen Außenauslauf abgetrennt ist.

Der gesamte Stall wird an 365 Tagen im Jahr frei belüftet. Die Frischluft strömt über die offenen Seitenwände in das Gebäude hinein und entweicht über den offenen First nach draußen. Je nach Wetterlage kann Landwirt Deckers die Seitenwände mit Curtains verschließen. Die Grundeinstellung der Jalousien ändert er nur bei Bedarf per Hand. Ansonsten stehen die Curtains im Sommer immer offen, im Winter sind sie fast geschlossen.

Jedem der rund 30 Mastschweine pro Bucht bietet Landwirt Deckers 1,6 m2 Fläche an. Das ist großzügig, liegt aber vor allem daran, dass jedes Schwein seinen eigenen Fressplatz an den beiden jeweils rund 4,50 m langen Trögen haben soll. „Die Tröge konnten wir in den Buchten nur unterbringen, weil wir sie entsprechend groß gebaut haben“, erklärt Deckers die Hintergründe.

Der separate Fressplatz ist dem Unternehmer deshalb besonders wichtig, weil er die Ringelschwänze bei seinen Schweinen nicht kupiert. „Nur wenn jedes Schwein einen eigenen Fressplatz hat, herrscht Ruhe“, hat der Landwirt beobachtet. Befüllt werden die Tröge über eine automatische Rohrkette mit Trockenfutter.

Das großzügige Platzangebot hat natürlich seinen Preis. Gut 1.000 € pro Mastplatz hat der neue Stall gekostet. Kostentreiber waren vor allem die großen Betonflächen sowie die relativ große Gebäudehülle.

Strohvorlage macht Arbeit

Auch die laufenden Kosten sind bei diesem Haltungskonzept nicht unerheblich. Zu Buche schlägt insbesondere die Mehrarbeit, die der Einsatz von Stroh mit sich bringt. Jeden Tag arbeitet der Rheinländer mindestens eine Stunde im Maststall. „Morgens streue ich die Liegekisten per Hand nach und entferne kleinere Verschmutzungen, die immer mal wieder auftreten“, so Deckers.

Der Landwirt kalkuliert mit rund 125 kg Stroh pro Mastplatz und Jahr. Eine automatische Einstreuvorrichtung ist aufgrund der geschlossenen Liegekisten bei diesem Stalltyp nicht möglich. Abends führt er eine reine Sichtkontrolle durch, die maximal eine...


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