Schweinefleischerzeugung

Schweinemarkt in China am Wendepunkt

Laut dem US-Landwirtschaftsministerium werden die Entwicklungen in China auch 2022 einen großen Einfluss auf den globalen Schweinemarkt haben. Zum Gewinner in 2022 könnte Brasilien werden.

In China ist die Schweinefleischerzeugung in den ersten drei Quartalen 2021 gegenüber der schwachen Vorjahresperiode kräftig gestiegen, doch zeichnet sich langsam ein Ende des Wachstums ab. Wie der Sprecher des Nationalen Statistikbüros, Fu Linghui, in der vergangenen Woche in Peking berichtete, nahm die Schweinefleischerzeugung gegenüber Januar bis September 2020 um 38,0 % auf 39,17 Mio. t zu; die Zahl der Schweineschlachtungen stieg dabei um 35,9 % auf 491,9 Mio. Tiere. Neben dem Wiederaufbau der Bestände nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) haben in den vergangenen Monaten laut Analysten die tief gefallenen Erzeugerpreise zu einer verstärkten Herdenliquidation geführt und so das Angebot erhöht. Dem Pekinger Statistikbüro zufolge gab es Ende September 437,64 Mio. Schweine in China; das waren 18,2 % mehr als vor einem Jahr. Im Vergleich mit Ende Juni ist allerdings erstmals wieder ein leichter Bestandsrückgang festzustellen, und zwar um 1,5 Mio. Stück oder 0,3 %.

Gleiches galt für die Sauen, deren Zahl Ende September mit 44,59 Mio. Tieren zwar um 16,7 % über dem Vorjahresniveau lag, gegenüber Juni aber um 1,1 Mio. Stück beziehungsweise 2,3 % rückläufig war. Die zuletzt erfolgte Abstockung der Sauenherde ist laut Experten auf den Zusammenbruch des Ferkelpreises zurückzuführen. Dieser lag der nationalen Erhebung zufolge zuletzt bei 15,30 CNY/kg oder umgerechnet 41,10 € für ein Tier mit 20 kg. Vor einem Jahr waren noch Rekordpreise von mehr als 260 € je Ferkel zu erzielen. Die Erzeugerpreise für Mastschweine brachen vom Jahresbeginn bis Anfang Oktober um gut 70 % auf 10,20 CNY/kg Lebendgewicht (1,36 €) ein. Doch scheint hier der Tiefpunkt überwunden zu sein, denn in den vergangenen zwei Wochen ist der Preis wieder auf 13,80 CNY/kg (1,86 €) gestiegen. Dieses Niveau ist laut Analysten bei den hohen Futterkosten aber noch lange nicht kostendeckend, zuletzt soll es je Schwein einen Verlust von deutlich mehr als 100 € gegeben haben.

Preise nicht kostendeckend

In den kommenden Monaten dürfte in China die Nachfrage für das deutlich günstiger gewordene Schweinefleisch mit Blick auf das Neujahrsfest saisonal zunehmen. Davon dürften auch die Schlachtschweinepreise profitieren und weiter anziehen. Beim Handel am Terminmarkt für Lebendschweine an der Dalian Commodity Exchange (DCE) lag der Settlementkurs für den Januar-Future Anfang vergangener Woche bei 15.795 CNY/t (2.120 €), für den Mai-Kontrakt bei 16.245 CNY/t (2.180 €). Dem global agierenden Zuchtunternehmen Genesus zufolge liegt derzeit die durchschnittliche Gewinnschwelle bezogen auf das Lebendgewicht der Tiere aber bei gut 20 CNY/kg (2,68 €), so dass dieser Preisanstieg für viele Erzeuger zu wenig wäre. Mehrere Marktbeobachter gehen davon aus, dass die lange Zeit nicht kostendeckender Preise wieder zu einem Rückgang der chinesischen Schweineproduktion führen wird.

Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) prognostizierte kürzlich, dass nach einem Anstieg der Schweinefleischerzeugung in diesem Jahr um 27 % auf 46,0 Mio. t die Produktion 2022 um rund 2,25 Mio. t oder 5 % auf 43,75 Mio. t sinken wird. Etwas weniger stark soll mit einem Minus von 4 % auf 48,1 Mio. t der Verbrauch abnehmen. Dies könnte dann auch zu einem wieder höheren Importbedarf der Volksrepublik führen: Die US-Analysten erwarten einen Einfuhrzuwachs von 250.000 t oder fast 6 % auf 4,75 Mio. t. Dies wäre das zweithöchste Niveau in der Geschichte.

Höhere Exporte der EU?

Die Entwicklungen in China werden, wie in der Vergangenheit, dem US-Ministerium zufolge auch 2022 großen Einfluss auf den globalen Schweinemarkt haben. So soll sich die weltweite Schweinefleischerzeugung in den vom USDA betrachteten Ländern laut aktueller Prognose insgesamt auf 104,2 Mio. t belaufen und damit um 1,92 Mio. t oder 1,8 % unter dem voraussichtlichen Niveau dieses Jahres bleiben. Neben China werden moderate Produktionsrückgänge auch in den USA mit 0,3 % und in der Europäischen Union mit 0,1 % erwartet. Sollte allerdings in der Gemeinschaft die Niedrigpreisphase länger anhalten und der Export nach China nicht wieder anspringen, halten Analysten für die EU auch einen deutlich stärkeren Rückgang der Produktion für möglich. Nicht aber die EU-Kommission in ihrer jüngsten Herbstprognose, denn darin geht sie lediglich von einer Abschwächung des Wachstumstrends aus und erwartet, dass nach einer Produktionssteigerung von 1,7 % in diesem Jahr die Schweinefleischerzeugung 2022 noch um 0,6 % auf 23,80 Mio. t zunehmen wird.

Haupttreiber soll dabei Spanien sein. Bei wieder leicht rückläufigem Verbrauch erwarten die Brüssler Analysten für die Schweinefleischexporte der Mitgliedstaaten 2022 einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um fast 370.000 t oder 7,0 % auf 5,60 Mio. t. Damit fällt die Vorhersage noch optimistischer aus als die des USDA, welches für die EU ein Ausfuhrplus von 2,0 % auf 5,10 Mio. t erwartet, wobei aber nicht alle Nebenerzeugnisse eingerechnet sind.

Brasilien auf Rekordkurs

Zu den Gewinnern am Schweinemarkt 2022 wird nach Auffassung des USDA Brasilien gehören. Die Schweinefleischproduktion soll ungeachtet der auch dort teurer gewordenen Futtermittel auf Expansionskurs bleiben und gegenüber 2021 um rund 3 % auf die neue Rekordmarke von 4,45 Mio. t steigen. Trotz der ebenfalls erwarteten Zunahme des heimischen Verbrauchs sollen auch die Exporte weiter von Rekord zu Rekord eilen und nach einem Plus von 10 % in diesem Jahr im kommenden um fast 7 % auf 1,38 Mio. t zunehmen. China wird dabei Hauptabnehmer bleiben; die Lieferungen dorthin machten zuletzt 55 % der Gesamtexporte von brasilianischem Schweinefrischfleisch aus. Die zuletzt sprunghaft gewachsenen Ausfuhren auf die Philippinen könnten jedoch einen Dämpfer erhalten. Das USDA rechnet für den Inselstaat nach dem Abklingen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) wieder mit einem deutlichen Rückgang der Importe, und zwar um rund ein Viertel auf 375.000 t; davon wären auch die EU-Anbieter betroffen.

Ähnliches gilt für Vietnam mit einem erwarteten Einfuhrminus von 17 % auf 250.000 t. Hingegen sollen den Washingtoner Analysten zufolge die Importe Südkoreas aufgrund des nach Corona wieder anspringenden Verbrauchs um gut 9 % auf 600.000 t steigen. Zudem sehen die US-Experten für 2022 auch in Hongkong, Japan, Mexiko und im eigenen Land einen höheren Einfuhrbedarf. Auf der anderen Seite sollen die US-Exporte von Schweinefleisch gegenüber 2021 um 3 % auf 3,36 Mio. t zunehmen, da mit einem geringeren Inlandsverbrauch gerechnet wird.


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