VEZG

Schweinepreis fällt weiter

Die erneute Absenkung des Schweinepreises um 8 ct auf jetzt 1,19 € je kg Schlachtgewicht macht die Schweinehalter wütend. Laut der ISN ist der Schweinepreis seit dem Frühjahr um 80 ct eingebrochen.

Der durch die Corona-Pandemie bedingte Rückstau in den Schlachthöfen bringt die deutschen Schweinehalter immer mehr in eine Notlage, die sich insbesondere in sehr niedrigen Erlösen äußert.

Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) hat jetzt ihren Basispreis für Schlachtschweine auf 1,19 € je kg Schlachtgewicht gesenkt. Das entspricht gegenüber der Vorwoche einem Minus von 8 ct, berichtet aiz.info.

"Seit dem Frühjahr ist der Schweinepreis inzwischen um mehr als 80 ct eingebrochen, und auch der Ferkelpreis ist um mehr als 50 € gefallen. Die Betriebe befinden sich in einer kritischen Situation", warnt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Sie fordert Unterstützung von politischer Seite, vor allem die Exportfrage müsse endlich zur Chefsache werden, so die ISN.

Nachdem am Mittwoch aus den Reihen verschiedener Schlachtunternehmen Forderungen nach einem deutlichen Notierungsrückgang bekannt wurden, konnte die VEZG-Notierung unter den aktuellen Bedingungen nicht mehr standhalten. "In der jetzigen Situation ist dies ein Signal zur Unzeit. Seit Monaten schiebt sich ein wachsender Schweinestau von Woche zu Woche weiter, der sich nach unseren Berechnungen aktuell auf zirka 590.000 Schweine beläuft", betont die ISN laut aiz.info weiter.

Die Zulassung der neuen Zerlegelinie in Europas größtem Schlachtbetrieb bei Tönnies in Rheda sei zwar ein kleiner Lichtblick gewesen. Das leise Aufatmen der Erzeuger erfahre aber durch die jetzige Abwärtskorrektur der Notierung einen herben Dämpfer in einer ohnehin existenzbedrohenden Situation. "Die Vermarktung stockt nach wie vor und zieht sich durch bis zu den Ferkelerzeugern, die auf ihren Tieren buchstäblich sitzen bleiben", so die Interessenvertretung.

Verbraucherpreise bleiben auf hohem Niveau

Der Verdrängungswettbewerb am Fleischmarkt hat durch niedrige Preisofferte nochmal an Fahrt aufgenommen. Mit dem Wegbrechen der Gastronomie durch den gegenwärtigen Teil-Lockdown verlagerte sich die private Nachfrage wie schon im Frühjahr in Richtung Lebensmitteleinzelhandel und konnte durch Werbeaktionen weiter verstärkt werden. Die Verbraucherpreise verblieben im laufenden Jahr auf einem relativ hohen Niveau, während die Notierung für Schlachtschweine einbrach.

"Die nachgelagerten Stufen, von Schlachtunternehmen über die Verarbeitungsindustrie bis zum Handel, verdienen aktuell viel Geld und vernichten Eigenkapital der Landwirte", kritisiert die ISN. Eine wichtige Maßnahme von politischer Seite wäre die Öffnung der Exportkanäle.

Seit dem ersten ASP-Ausbruch in Deutschland verhandle die Regierung zwar über Regionalisierungsabkommen, um die Absatzmöglichkeiten von deutschem Schweinefleisch in Drittländer zu verbessern, doch etwas Greifbares sei bislang nicht dabei herausgekommen. Neben China gebe es durchaus weitere asiatische Länder, die für deutsche Exporteure wichtige Absatzkanäle darstellen. Diese Verhandlungen müssten daher zur Chefsache werden, fordert ISN-Geschäftsführer Torsten Staack.

Aktuell werde von verschiedenen Seiten auch über Marktstützungsmaßnahmen diskutiert. Diese machten aus seiner Sicht aber nur Sinn, wenn die eingesetzten öffentlichen Mittel dann auch tatsächlich direkt bei den Schweinehaltern ankommen, zitiert aiz.info.


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NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann gilt als „harter Hund“. Die Corona-Auflagen in den Schlachthöfen will er trotz Schlachtstau nur bedingt lockern. Auch die Bauern nimmt er in die Pflicht.

Der Bauernverband fordert im Hinblick auf den erneuten Lockdown und die ASP politische und finanzielle Unterstützung für systemrelevante Lebensmittelerzeugung.


Diskussionen zum Artikel

von Norbert Post

Preise

Es dürfte für den Staat kein Problem sein, Mindestpreise für die Bauern einzuführen. Es gibt es keinen Wettbewerb unter den Bauern, wer günstiger liefert oder nicht. Das ist auch für das Kartellrecht kein Problem.- Der Handel, Verarbeitung und viehwirtschaft muss diese Mindestpreise ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Bei uns fallen die Preise

beim Verbraucher gibt es nur ein paar Sonderangebote. Ich finde es Reicht. immer dieses lammentieren der Politik über Gesetze gegen Preisdumping. Keine klare Ansage zur Realität. Wären wir die Autoindustrie oder ein Energiekonzern, würden uns die Politiker die Tür zur Hilfestellung ... mehr anzeigen

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

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Die Zeichen stehen auf Sturm!! - wenn dann noch die neuesten Vorschriften wie TA Luft, rote Gebiete usw. umgesetzt werden, was bleibt dann noch?

von Gerhard Steffek

Das wird noch schlimmer!!!

Mit dieser Befürchtung werde ich wahrscheinlich nicht alleine sein. Denn wenn die gesamte Weltwirtschaft einbricht, dann ist auf dem ganzen Weltmarkt kein Geld mehr da und das besonders bei den Kleinen. Aber ausgerechnet die sind ja die Hauptabnehmer. Hinzu kommt dann auch noch, daß ... mehr anzeigen

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Zukunft

Diese Entwicklung wird einige Sauenhalter und Mäster zum Aufgeben zwingen. Es ist eine Abwärtsspirale, die in Bewegung gesetzt wurde wobei noch kein Boden in Sicht ist. Es ist eine Katastrophe!! - während die Regierung überall Notprogramme einsetzt um die Konjunktur zu stützen, ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Für mich ist das auch nicht zu

verstehen VIon Tönies beide denken den Preis was macht denn das Kartellamt? Preisabsprachen sind doch verboten oder?

von Karlheinz Gruber

Herr Unken,

tut mir Leid, aber vergessen Sie das Kartellamt.Vor Jahren habe ich mal nachgefragt, als es wieder eine tolle Runde Hauspreise gab, was denn die Herren der Behörde dagegen vor nehmen wollen. Antwort an Mich: Was ist denn eine Hauspreis. Diesen Begriff kennen Sie nicht. Evtl. müßte man ... mehr anzeigen

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