Serie Außenklimaställe

Schweinestallkonzept: Außenklima und Tiefstreu kombiniert

Wie gut funktioniert die Mast im Außenklimastall auf Tiefstreu? Und wie viel Arbeit und Kosten verursacht diese Haltungsform? top agrar hat zwei Landwirte besucht.

Mit der Ankündigung von Aldi Nord und Aldi Süd, ab dem Jahr 2030 nur noch Fleisch aus Außenklima- bzw. Freilandhaltung zu verkaufen, hat die Diskussion um die künftige Ausrichtung der Schweinehaltung noch einmal Fahrt aufgenommen.

Nicht nur von Schweinehaltern wird das Thema Außenklimastall verstärkt diskutiert. Auch die Stalleinrichter beschäftigen sich zusehends mit Haltungssystemen, in denen Stroh eingesetzt wird bzw. die Tiere Zugang zu Außenklima haben. In der top agrar-Ausgabe 7/2021 haben wir über zwei Pig Port-Ställe berichtet. In der Ausgabe 8/2021 berichteten wir über die Erfahrungen von zwei Landwirten, die mit sogenannten Kistenställen arbeiten. Alle Infos dazu finden Sie unter www.topagrar.com/aussenklima2021

In dieser Ausgabe stellen wir zwei Schweinemäster mit Tiefstreuställen vor. Achim Sander mästet bereits seit mehreren Jahrzehnten Schweine auf reiner Tiefstreu. Lukas Weßling hat Tiefstreu mit Spaltenböden kombiniert.

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R E P O R T A G E

„Die Vollkosten liegen bei 2,30 € pro kg Schlachtgewicht“

Lukas Weßling hat einen kombinierten Tiefstreu-Vollspaltenstall mit Auslauf gebaut. Die hohen Produktionskosten bereiten dem Landwirt Kopfschmerzen. Er fordert verlässliche Preiszusagen.

Schweine fühlen sich immer dann wohl, wenn sie sich je nach Wetterlage in verschiedene Buchtenbereiche bzw. Klimazonen zurückziehen können. Meinen neuen Außenklimamaststall habe ich deshalb in zwei Bereiche unterteilt. Neben einer innen liegenden Fress- und Liegezone mit Tiefstreu gibt es einen Außenbereich mit Betonspaltenboden“, erklärt Lukas Weßling aus Enger bei Herford sein Stallkonzept.

Den neuen Stall mit 736 Plätzen hat der westfälische Landwirt erstmals im März 2021 belegt. Und schon beim ersten Mastdurchgang zeigte sich, dass die Schweine die Stallstruktur sehr gut annehmen. „Wenn es nachmittags auf der Westseite des Stalles sehr warm im Auslauf wird, ziehen sich die Schweine in den kühleren Innenbereich zurück. Wird es ihnen im Innern zu heiß, liegen sie auf dem kühleren Spaltenbereich im Auslauf“, beschreibt Weßling seine Beobachtungen.

Stroh und Spalten kombiniert

Der Maststall entspricht der Haltungsform 4. Die Klassifizierung wurde vom deutschen Lebensmitteleinzelhandel ins Leben gerufen. Die Tiere haben im Vergleich zum gesetzlichen Standard 100% mehr Platz (1,5 m²) und Außenauslauf, sie erhalten Langstroh als Einstreu- bzw. Beschäftigungsmaterial, das Futter ist GVO-frei und stammt zum Teil aus dem eigenen Betrieb.

Die Mastbuchten sind klar strukturiert: In der Mitte, der mit Sandwichpaneelen gedämmten Holzbinderhalle, stehen die Breifutterautomaten auf einer 60 cm hohen, voll unterkellerten und mit Spaltenboden ausgelegten Empore. Vier Stufen von je 15 cm Höhe führen in den eingestreuten Liegebereich hinunter. Jede Bucht ist im Innenbereich 5 m breit und 9,40 m lang. Darin stehen 46 Mastschweine.

Den knapp 5 x 5 m großen, mit einem Schleppdach überdachten sowie voll unterkellerten Auslauf betreten die Schweine über Türen, die in den Schiebetoren an der Längsseite sitzen. In den 60 cm tiefen Güllekanälen sorgen Unterflurspaltenschieber dafür, dass auch Strohreste sicher entfernt werden.

Die Schiebetore an den Außenwänden sind nötig, weil Weßling den Strohbereich zum Ausmisten mit dem Trecker oder Teleskoplader nur erreicht, wenn er über den Spaltenboden fährt. Dafür hat er sich extra stabile Betonspaltenböden gießen lassen. Die Spalten haben eine Tragfähigkeit von 10 t. „Ich habe mich für die Variante mit den befahrbaren Spaltenböden entschieden, weil ich so jede Bucht einzeln ausmisten kann. Würde ich den Stall der Länge nach ausmisten, müsste ich jedes Mal alle Schweine wegsperren und 16 Gitter auf- und zuklappen. Das ist mir zu aufwendig“, erklärt er.

Ist eine Mastbucht leer, schiebt Weßling das große Schiebetor auf und klappt das Gitter im Auslauf zur Seite. Danach fährt er die 40 bis 50 cm dicke Mistmatratze aus der Bucht. Weil er auf seinen Ackerflächen sowohl Sommer- als auch Winterungen anbaut, kann er den Mist direkt ausbringen und musste keine Lagerplatte bauen. „Ich habe die Mast so getaktet, dass ich den Mist just in time auf dem Feld verwerten kann. Wenn das mal nicht klappt, geht der Mist in eine Biogasanlage“, beschreibt er die Situation.

Nach jedem Durchgang säubert der Landwirt die Mastbuchten mit dem Hochdruckreiniger und desinfiziert sie. Ohnehin achtet der Landwirt viel auf Hygiene. In der Schleuse im Vorraum des Stalles hängen eigene Overalls und Stiefel. Zudem ist das ganze Areal mit einem Maschendrahtzaun eingezäunt.

Sehr gut funktioniert mittlerweile die Sauberkeit der Buchten während der Mast. Die Schweine halten den Tiefstreubereich größtenteils sauber und koten überwiegend im Auslauf ab. Das war am Anfang nicht so. Vor allem im Bereich der Stufen haben die Tiere Kotecken angelegt, die mit zunehmender Mastdauer immer größer wurden.

Doch das Problem konnte Lukas Weßling schnell lösen. „Ich habe in...


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