Tierschutz

Startschuss für Projekt „Nationales Wissensnetzwerk Kupierverzicht“

Ein neues Forschungsprojekt soll Schweinehalter bei der Umsetzung des Aktionsplans Kupierverzicht unterstützen und Erkenntnisse sowie Praxiserfahrungen an Betriebe, Tierärzte und Berater weiterleiten.

Seit Juli 2019 gilt der Aktionsplan Kupierverzicht. Schweinehalter müssen seitdem jährlich eine Tierhaltererklärung beim zuständigen Veterinäramt einreichen und im Rahmen einer Risikoanalyse Verletzungen an Schwanz und Ohren erheben sowie geeignete Optimierungsmaßnahmen festlegen. Ziel des Aktionsplans ist es, den Anteil unkupierter Schweine in Deutschland schrittweise zu erhöhen.

Wissenstransfer fördern

Im Rahmen des neu gestarteten Forschungsvorhabens „Nationales Wissensnetzwerk Kupierverzicht (NaWiK)“ soll der Wissenstransfer beim Einstieg in den Kupierverzicht gefördert werden. Schweinehaltende Betriebe sollen durch gezielte Hilfestellungen in Zusammenarbeit mit Beratern und Tierärzten bei der Umsetzung des Aktionsplans unterstützt werden. Übergeordnetes Ziel ist es, das Schwanzkupieren deutschlandweit auf den gesetzlich zugelassenen Einzelfall zu begrenzen.

Das Projekt soll eine Datengrundlage schaffen:

  • zur Ermittlung der Ist-Situation auf den Betrieben in Deutschland,
  • für eine spätere Evaluation der eingeleiteten und umgesetzten Maßnahmen,
  • um den Fortschritt auf den Betrieben festzustellen und
  • um das Wissen bisheriger sowie neu gewonnener Erkenntnisse und Praxiserfahrungen an Tierärzte und Berater weiterzuleiten.

Informationen bündeln

Folgende Schritte sind geplant, um die Projektziele umzusetzen:

  1. Die für Tierärzte, Landwirte und Berater relevanten Informationen sollen auf der Seite ringelschwanz.info gesammelt und zur Verfügung gestellt werden. Die Seite als frei zugängliche Informationsquelle weiter ausgebaut werden.
  2. Ein Infotelefon soll Auskunft u. a. auch zum Aktionsplan geben und geeignete Ansprechpartner vermitteln.
  3. Die Betriebe, Landwirte und Tierärzte sollen bei der praktischen Umsetzung von Maßnahmen gegen das Schwanzbeißen durch digitale Instrumentarien unterstützt. Hierzu soll ein Onlinetool entwickelt werden, über das notwendige Informationen erfasst, gebündelt und zentral abgelegt werden können. Zudem sollen bereits vorhandene Daten genutzt und erforderliche Daten ergänzt werden können.
  4. Die Informationen sollen nicht nur betriebsindividuell, sondern auch anonymisiert überbetrieblich ausgewertet werden, um den grundsätzlichen Erfolg der Maßnahmen zu bestimmen. Dazu soll eine App erstellt werden, die die Erfassung im Stall vereinfachen soll.
  5. In Videos sollen Erfahrungen von Leuchtturmbetrieben geteilt werden, die unkupierte Schweine halten.
  6. Deutschlandweit sollen öffentliche Infoveranstaltungen, Seminare für Schweinehalter und Beratertreffen organisiert werden. Um die Erkenntnisse anschaulich und strukturiert einer breiten Teilnehmerzahl zugänglich zu machen, sollen zu verschiedenen Themenkomplexen auch E-Learning-Module entwickelt werden. Das E-Learning-Modul und die Videos sollen über ringelschwanz.info zugänglich sein.

Projektnehmer und Kooperationspartner sind der Förderverein Bioökonomieforschung e.V. (FBF), die ISN-Projekt GmbH (ISN) und die IQ-Agrar GmbH (IQA). Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert und wird im Rahmen der Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz in der Projektphase Wissen Dialog Praxis durchgeführt.

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