Projekt RESAFE-PIG

TiHo startet Projekt zur bedarfsgerechten und umweltschonende Schweinefütterung

Eine Forschungsgruppe rund um die TiHo entwickelt aktuell einen neuen Ansatz zur umeltschonenderen Schweinefütterung. Dabei soll Rohfaser ein Schlüssel zum Erfolg sein.

Einen neuen Ansatz in der Schweinefütterung will eine Forschungsgruppe aus dem Institut für Tierernährung und der Klinik für kleine Klauentiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), der Firma Hölscher und Leuschner und des Instituts für Landtechnik der Universität Bonn mit dem Projekt RESAFE-Pig entwickeln. Die Bedarfsempfehlungen für die Fütterung von Mastschweinen richte sich laut der Forschungsgruppe oft nach Durchschnittstieren, doch in der Realität habe jedes Schwein einen unterschiedlichen Bedarf. Ziel des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekts sei daher, die Schweine entsprechend Ihres Types zu erkennen und individueller als bisher zu füttern, wie die TiHo in einer Pressemitteilung erklärte.

„Der Ansatz birgt ein ungemein großes Potenzial, Nährstoffe einzusparen und gleichzeitig Stickstoffemissionen zu verringern“, erklärt Prof. Dr. Christian Visscher, Leiter des Instituts für Tierernährung, der das Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Karl-Heinz Waldmann, Leiter der Klinik für kleine Klauentiere, leitet.

Tierindividuelle Fütterung

Ein Teil des Proteins im Futter setzen Mastschweine als Körpersubstanz an, eine große Menge scheiden sie jedoch auch wieder aus. Dieser gelangt in Form von Stickstoff über die Gülle in die Umwelt. „Um diese Ausscheidung zu verringern, möchten wir den tatsächlichen Bedarf möglichst tierindividuell ermitteln und die Fütterung der einzelnen Tiere darauf ausrichten“, erklärt Dr. Cornelia Schwennen vom Institut für Tierernährung der TiHo, „ein dickeres Schwein erhält in unserem Projekt deshalb mehr faserhaltiges Futter. Durch diesen höheren Faseranteil in der Ration stellt sich so bei den Tieren schneller ein Sättigungsgefühl ein, wodurch sie automatisch weniger fressen.“

Um den Nährstoffbedarf der Tiere genauer zu ermitteln, beurteilen die Wissenschaftler die Körperzusammensetzung des Schweins. Bisher war dies nur mit einer Ultraschall- oder einer computertomographischen Untersuchung möglich. Künftig wollen die Forschenden dafür im Stall 3D-Kameratechnik einsetzen „Die Tiere passieren im Stall eine Schleuse, in der die Tiere mit der 3D-Technik vermessen und gewogen werden. Eine Software erkennt das Schwein und sortiert es, seinem Typ entsprechend, einem Fressbereich zu“, erklärt Dr. Bernd Reckels vom Institut für Tierernährung. So können laut den Forschern auch Schweine in Großgruppen gezielt gefüttert werden.

Weniger Umweltemissionen durch Rohfaser

„Da die Tiere nicht mehr zu große Mengen an Nährstoffen aufnehmen, gelangen weniger Stickstoffemissionen in die Umwelt. Zusätzlich werden Futterressourcen gespart und die Haltung verbessert“, betont Dr. Christian Visscher. Durch einheimisch angebauten Faserquellen wie Ganz-Pflanzen-Silagen aus Getreide oder Mais passen die Forscher das Futter an die verschiedenen Typen von Mastschweinen an.

Die Faser führe zu einer langanhaltenden Sättigung der Schweine, so dass sich die Futteraufnahme reduziere, ohne dass sich dies negativ auf das Tier auswirke. „Außerdem wird durch den Einsatz von Faser die Fermentation im Dickdarm gefördert und der überschüssige Stickstoff bakteriell gebunden, sodass dieser letztendlich nicht ungehindert in die Luft emittiert“, erklärt Dr. Cornelia SchwennenLaut den Ergebnissen der Untersuchungen können die Emissionen durch den erhöhten Einsatz von Rohfasern in der Fütterungsration so um bis zu 40 % reduziert werden.