Corona in Schlachtbetrieben

Tönnies-Fleisch: „Die Unterkünfte sind nicht das Problem!“

Tut die Schlachtbranche genug, um Coronainfektionen zu verhindern? Ist die Annahme von Schlachttieren weiter garantiert? Ein Interview mit Dr. Gereon Schulze Althoff und Dr. Wilhelm Jaeger.

top agrar sprach mit den Tönnies-Managern Dr. Gereon Schulze Althoff und Dr. Wilhelm Jaeger.

Update: Bis Freitag 18 Uhr waren 6.204 Mitarbeiter des Unternehmens getestet. Unter den 3.252 ausgewerteten Proben waren drei Mitarbeiter, die positiv auf COVID-19 getestet wurden. Alle drei arbeiten im Bereich der Convenience-Produktion, einem nachgelagerten Bereich bei Tönnies. Sie wurden über die Infektion informiert, separiert und in Quarantänewohnungen untergebracht, die das Unternehmen vorhält. Tönnies informierte zudem alle Kontaktpersonen.

Sie haben in Rheda-Wiedenbrück und Kellinghusen bisher 1.000 Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet. Alle Ergebnisse waren negativ. Haben Sie bislang einfach Glück gehabt?

Schulze Althoff: Die Ereignisse zeigen uns zunächst einmal nur, dass wir momentan kein größeres Infektionsgeschehen haben. Sicher gehört auch ein bisschen Glück dazu, dass bislang keine Infizierten Personen in unsere Betriebe gelangt sind. Ich glaube, es war richtig, schon im Februar mit der Krisenarbeit zu starten. Für uns ist die jetzige Situation allerdings jeden Tag ein großer Spagat. Einerseits müssen wir die Mitarbeiter schützen, andererseits die Versorgungssicherheit mit Fleisch und Wurst sicherstellen.

Welche Maßnahmen haben Sie konkret ergriffen?

Schulze Althoff: Unsere Angestellten müssen schon bei den kleinsten Symptomen zu Hause bleiben und zum Arzt gehen. Wir haben in diesem Zusammenhang eine Kommunikations-Offensive gestartet, zu der unter anderem eine interne Corona-Hotline und eine mehrsprachige Mitarbeiter-App gehören. Auch im Werk haben wir vieles geändert:

  • Wir haben zusätzliche Wasch- und Desinfektionsmöglichkeiten installiert,
  • Arbeitsplätze wurden so weit wie möglich auseinandergezogen,
  • es gibt eine Einbahnstraßen-Regelung in Fluren, Gängen und Treppenhäusern
  • Kantinen- und Pausenmöglichkeiten wurden geclustert – unter anderem mit der Errichtung weiterer Pausenflächen etwa in Form eines Zelts auf dem Gelände.
  • Wärmebildsensoren am Eingang der großen Werke messen die Körpertemperatur der Mitarbeiter vor dem Betreten des Gebäudes automatisch. Bei erhöhter Temperatur wird dem jeweiligen Mitarbeiter der Zugang verwehrt. Stattdessen wird er zum Arzt geschickt,...

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