Ausland

Veredlung: Der Gigant China kommt zurück

Chinas Schweinefleischindustrie formiert sich neu und wird professioneller. Der Importbedarf wird sinken. Deutsches Fleisch bleibt nur gefragt, wenn wir uns kundenorientiert profilieren.

Unsere Autoren: Dr. Claus Deblitz, Mandes Verhaagh und Josef Efken, Thünen Institut, Braunschweig; Prof. Zhu Zengyong, Institute of Animal Science, Beijing, China; Jurgen Hijink, Hijdeporc advies, Niederlande

China ist der globale Gigant in der Schweinehaltung. Zwar sind die Bestände seit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im August 2018 regelrecht zusammengebrochen. Mit über 370 Mio. Tieren stehen im Reich der Mitte aber nach wie vor die meisten Schweine weltweit. Zum Vergleich: In der gesamten EU sind es rund 115 Mio. Schweine, in den USA halten die Farmer knapp 80 Mio. Tiere.

Lässt man den ASP-bedingten Bestandseinbruch außer Acht, findet man in „normalen Zeiten“ in China rund 45 Mio. Sauen und über zwei Drittel aller Schweine weltweit. Dementsprechend groß ist die Fleischmenge. Im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2018 produzierte das Land rund 700 Mio. Mastschweine und 55 Mio. t Schweinefleisch jährlich. Das waren knapp 50 % der globalen Produktion.

Trotz der gigantischen inländischen Produktion sind die Chinesen zugleich Importweltmeister. Gut 11 % des global hergestellten Schweinefleisches fließen Jahr für Jahr in das asiatische Riesenreich. Einer der wichtigsten Handelspartner ist Deutschland. In der Vergangenheit lieferten deutsche Exporteure jedes Jahr etwa 450.000 bis 500.000 t Schweinefleischerzeugnisse.

In diesem Jahr wäre die Menge nach Angaben der AMI voraussichtlich auf über 750.000 t gestiegen. Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im September in Brandenburg und im Oktober in Sachsen verhinderte den neuen Ausfuhrrekord jedoch schlagartig. Denn Chinas oberste Zollbehörde verhängte umgehend einen Importstopp. Für die deutschen Exporteure war das ein herber Rückschlag. Denn der chinesische Markt ist lukrativ. Dort werden vor allem Produkte verkauft, die hierzulande nicht verzehrt werden. Dazu zählen neben Innereien insbesondere Pfötchen, Ohren, Schwänze usw.

Ziel höhere Eigenversorgung

Wann sich das Tor zu China wieder öffnet, ist völlig offen. Viel hängt vom weiteren ASP-Geschehen in Deutschland ab. Die aktuelle Regelung sieht vor, dass deutsches Schweinefleisch erst dann wieder nach China ausgeführt werden darf, wenn ein Jahr lang kein neuer ASP-Fall aufgetreten ist.

Ein weiteres Problem ist, dass das Land das Regionalisierungsprinzip noch nicht anerkennt. Schon ein einziger Schweinepestfall hat zur Folge, dass aus ganz Deutschland kein Schweinefleisch mehr nach China gelangt.

Offen ist außerdem, in welchem Umfang China in Zukunft überhaupt noch Schweinefleischprodukte importieren muss. Denn die Zentralregierung in Peking treibt den Ausbau der inländischen Erzeugung massiv voran. Ein wichtiges Ziel ist die Modernisierung der Produktion. Die Marschroute ist klar: Der Selbstversorgungsgrad soll deutlich steigen.

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass man bei seinen ehrgeizigen Zielen sehr schnell vorankommt. Die chinesischen Behörden nehmen die seit August 2018 grassierende Afrikanische Schweinepest und den damit verbundenen Produktionseinbruch von schätzungsweise mehr als 27 Mio. t Schweinefleisch allein in diesem Jahr zum Anlass und bauen industrielle Strukturen auf.

Hinterhofhaltungen und Kleinstbetriebe verschwinden zusehends. Dafür entstehen immer neue Schweinehochhäuser in verschiedenen Landesteilen. Die Tiere stehen darin in mehreren Stockwerken übereinander.

Einer der Vorreiter ist das Unternehmen Tianzow Breeding. Im ersten Quartal 2021 wird das Unternehmen eine weitere Anlage im Nordwesten des Landes in Betrieb nehmen. In sechs Ställen mit jeweils sechs Etagen stehen dann rund 20000 Sauen.

Ganze Kette wird umgebaut

Bei der...