Tierbestände

Viehzählung: Schweinebestand um 9,6 % gesunken

Der deutsche Schweinebestand ist laut dem Statistischen Bundesamt doch "nur" um 9,6 %, statt den ursprünglich gemeldeten 9,8 %, zurückgegangen. Das entspricht einem Minus von 2,36 Mio. Schweinen.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat in der vergangenen Woche die endgültigen Ergebnisse der Viehzählung zum Stichtag 3. Mai 2022 veröffentlicht. Ein Vergleich mit dem vorläufigen Resultat zeigt, dass der deutsche Schweinebestand etwas weniger stark abgenommen hat als ursprünglich gemeldet wurde. Aufgrund von Nachmeldungen wurde der Gesamtbestand um 51.200 Tiere auf 22,34 Mio. Stück nach oben korrigiert. Das Minus im Vergleich zur Vorjahreserhebung beläuft sich somit nicht mehr auf 9,8 %, sondern „nur“ noch auf 9,6 %. Absolut gesehen entspricht das einem Rückgang der Tierzahl um 2,36 Mio. Stück.

Niedrigster Schweinebestand seit der Wiedervereinigung

Nicht verändert hat sich die Tatsache, dass die Schweineherde hierzulande auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken ist. Bundesweit haben die Statistiker in allen Tierkategorien die Bestandszahlen gegenüber dem vorläufigen Ergebnis leicht nach oben angepasst; das trifft auch auf die Zahl der Zuchtsauen zu. Die Größe der Muttertierherde wurde um 9.900 Stück auf gut 1,49 Mio. Sauen angehoben. Dennoch ergibt sich im Vergleich zur Vorjahreszählung ein Bestandsminus von 143.100 Sauen oder 8,7 %.

Auf Ebene der Europäischen Union sind bisher erst aus zwei weiteren Mitgliedstaaten Ergebnisse der Frühjahrserhebung veröffentlicht worden. In Dänemark sank der Schweinebestand im Vorjahresvergleich um 7,5 % auf 12,18 Mio. Tiere; bei den Sauen war ein Minus von 6,6 % auf 1,19 Mio. Stück zu verzeichnen. Verhaltener fiel laut dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) der Rückgang in den Niederlanden aus. Dort nahm die Schweineherde insgesamt um 1 % auf 11,24 Mio. ab; die Zahl der Sauen verringerte sich um 1,9 % auf 920.000 Tiere.

Knapp 11 % weniger Schweinebetriebe in Niedersachsen

Hauptgrund für die jetzt vorgenommene Korrektur war die festgestellte höhere Schweinezahl in Niedersachsen. Dort wurde das vorläufige Ergebnis um 49.600 Tiere auf einen Bestand von annähernd 7,38 Mio. Stück angehoben. Letztlich bedeutet dies aber immer noch ein deutliches Minus bei der Tierzahl gegenüber Mai 2021 von 817.000 Stück oder 10,0 %. Laut der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ist der Schweinebestand in diesem Bundesland auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gesunken. Im Frühjahr gab es dort noch rund 4.400 Schweinehalter; binnen Jahresfrist haben 10,9 % der Betriebe ihre Produktion aufgegeben.

Besonders stark war der Strukturwandel bei den Ferkelerzeugern zu spüren. Die Zahl der Sauen verringerte sich gegenüber Mai 2021 um 11,9 %, während bei den Sauenhaltern ein Minus von 10,7 % zu verzeichnen war. Laut dem Fachbereichsleiter der Kammer für Betriebswirtschaft, Markt und Unternehmensberatung, Dr. Albert Hortmann-Scholten, spiegeln diese Zahlen „die extrem schwierige wirtschaftliche Situation dieses Betriebszweiges wider, da im Mittel seit etwa 30 Monaten keine kostendeckenden Erlöse erwirtschaftet werden konnten“.

Mehr Importe von Schweinefleisch erwartet

Er rechnet aufgrund des geringeren Bestandes in Niedersachsen und deutschlandweit damit, dass der Bestandsabbau auch im zweiten Halbjahr zu einem geringen Schlachtschweineangebot führen wird, während der Anteil an importiertem Schweinefleisch im Lebensmitteleinzelhandel ansteigen dürfte. Die Kammer empfahl den Verbrauchern, beim Einkauf auf deutsche und regionale Herkünfte zu achten.

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