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Vorbeugen ist besser als keulen: Das müssen Sie jetzt zur ASP wissen! Premium

Für Schweinehalter ist es existenziell, alles zu Verbreitung und Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest zu wissen. Lesen Sie hier die wichtigsten Aussagen von zwei Info-Veranstaltungen.

Wir waren für Sie auf den ASP-Infoveranstaltungen der Uni Vechta in Melle (Niedersachsen) und der R+V-Versicherung in Wiesbaden (Hessen). Das waren die Kernbotschaften:

1. Risikoampel: Betriebshygiene optimieren

Die größte Gefahr, den ASP-Erreger in den eigenen Bestand einzuschleppen, geht vom Menschen aus, wenn er wichtige Hygieneregeln missachtet. Je intensiver der Tier-, Personen- und Fahrzeugverkehr im Betrieb ist, desto größer ist auch das Infektionsrisiko. Deshalb ist es wichtig, Hygiene-Schwachstellen des eigenen Betriebes rechtzeitig aufzuspüren und zu beheben.

Ein hilfreiches Online-Tool ist dabei die „ASP-Risikoampel“, die ein Projektteam der Universität Vechta zusammen mit einem 23-köpfigen Expertenteam erarbeitet hat. Der Risiko-Check umfasst je nach Betriebstyp maximal 111 Fragen und dauert etwa eine Stunde. Er kann bequem am heimischen PC durchgeführt werden. Am Ende erfolgt eine betriebsindividuelle Risikobewertung auf Basis der drei Ampelfarben rot, gelb und grün.

Eine Optimierungsanalyse und eine To-Do-Liste zeigen, welche Maßnahmen den eigenen Betrieb noch sicherer machen würden (siehe top agrar 7/2019, Seite S 16). Sie finden die Risikoampel unter: www.risikoampel.uni-vechta.de

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2. Konsequenz: Der Teufel steckt oft im Detail

„Meist sind es keine großen Hygienemängel, die zur Einschleppung von Seuchenerregern führen, sondern kleine Zufälle und Ausnahmen“, berichtete Tierarzt Dr. Georg Bruns in Melle. Das kann die kurze Zigarettenpause sein, zu der der Stallmitarbeiter den Weißbereich verlässt, ohne die Kleidung zu wechseln. Aber auch der Elektriker, der die ausgefallene Lüftung an einem heißen Sommertag schnell wieder flott machen will und deshalb die Hygieneschleuse umgeht, stellt ein Risiko dar.

Betriebshygiene sei nur dann erfolgreich, wenn sie tagtäglich und konsequent gelebt wird, so Dr. Bruns. Ganz gefährlich sei eine Schein-Sicherheit. Beispiel: Desinfektionsmatten vor den Stalleingängen wiegen den Landwirt in Sicherheit, wirksame Seuchenvorsorge zu betreiben. Meist werden die Desinfektionslösungen jedoch zu selten erneuert. Sie sind verunreinigt und dadurch unwirksam. Zudem werden die Einwirkdauer und der sogenannte Kältefehler nicht beachtet.

Ein großes Gefahrenpotenzial geht nach Ansicht von Dr. Bruns zudem von Auslauf- und Hobbytierhaltungen aus. Freilandhaltungen verfügen z. B. selten über die nötigen Stallkapazitäten, um die Schweine im Seuchenfall in geschützten Gebäuden unterbringen zu können. Offenställe seien in der Regel nicht vogelsicher und erlauben häufig auch keine klare Schwarz-Weiß-Trennung. Und Hobby-Schweinehalter seien den Behörden oftmals gar nicht bekannt. Zudem fehle ihnen meistens das Problembewusstsein. „Im Gegenteil, sie verweisen in Gesprächen stolz auf die von ihnen praktizierte Nachhaltigkeit, weil sie Speisereste über den Schweinetrog verwerten“, so Dr. Bruns.

Auch Schadnager können ein großes Problem sein – trotz intensiver Bekämpfung. Denn aufgrund der Trockenheit in diesem und letztem Sommer ziehen viele Schadnager auf der Suche nach Wasser in die Ställe.

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3. Verschleppung: Gefahr durch Wildschwein-Kadaver

Das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems beschäftigt sich intensiv mit der Frage, welche Ansteckungsgefahr von verendeten Wildschweinen ausgeht. Dr. Carolina Probst berichtete in Wiesbaden über aktuelle Erkenntnisse.

In Kadavern von Wildschweinen bleibt das ASP-Virus monatelang infektiös. Zu frisch verendeten Artgenossen halten Wildschweine meist Abstand. Kannibalismus wurde bisher nicht beobachtet. In der Umgebung von Kadavern graben die Schweine jedoch nach Insekten...

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Artikel geschrieben von

Redaktion Betriebsleitung, Geld, Steuern, Recht

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Henning Lehnert

Redakteur Schweinehaltung

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