So retten Sie Rehkitze und Co.

Beim ersten und frühen zweiten Schnitt besteht jedes Jahr die Gefahr, dass Rehkitze ins Mähwerk gelangen. Das lässt sich mit geeigneten Maßnahmen verhindern. Ein Überblick.

Viele Landwirte kümmern sich bereits vor der Mahd darum, Rehkitze vom Grünland zu retten. Doch noch immer kommt es zu vermähten Tieren. Die Gründe dafür sind vielfältig: Aufgrund kürzerer Erntezeitfenster und knapper verfügbaren Ressourcen (Arbeitskräfte und -zeit), wird beim Mähen zunehmend auf schlagkräftige Technik gesetzt, z.B. in Form von Schmetterlingsmähwerken. Durch deren hohe Flächenleistung ist die Grundfutterwerbung auch in witterungsbedingt kurzen Zeitfenstern – wie im Frühjahr 2021 – möglich. Allerdings wird das Mähen dann oft an Lohnunternehmer vergeben. Diese kennen die Flächen meist nicht genau und wissen im Vergleich zum Landwirt weniger über den Besatz mit z.B. Rehkitzen. Hinzu kommt: Es gibt immer noch zu wenig Wissen über das Verhalten von Rehkitzen. Dem zumindest will ein Projekt entgegenwirken (siehe Zusatzinfo „Forschungsprojekt“ auf S. 95).

Durch diese Rahmenbedingungen wird es immer herausfordernder, Kitze und andere Wildtiere zu retten. Es ist aber gleichzeitig keine Entschuldigung dafür, ohne Maßnahme(n) zu mähen. Denn beim Mähen ist der Bewirtschafter der Flächen, also in der Regel der Landwirt, „als Verursacher“ verantwortlich.

Der rechtliche Rahmen

Die wichtigsten Ziele von Maßnahmen zur Rehkitzrettung sind rechtlich geregelt. Es geht hauptsächlich darum, gesetzliche Vorgaben einzuhalten – allen voran das Tierschutzgesetz (TierSchG, insbesondere § 17). Es verbietet das Töten von Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund, worunter auch der Mähtod von Rehkitzen fällt. Ein vorsätzlicher Verstoß wird als Straftat mit einem Strafmaß von einer Geld- bis hin zu einer Freiheitsstrafe gewertet.

In einigen Bundesländern machen die dort geltenden Naturschutzgesetze zusätzliche Vorgaben wie z.B. das Verbot des Mähens von außen nach innen. Daneben gibt es weitere rechtliche Folgen, die z.B. das Jagdrecht betreffen und ebenfalls vermieden werden sollten. Beziehen Sie daher am besten den zuständigen Revierpächter bei der Rehkitzrettung immer mit ein.

Genauso wichtig ist, die Fahrer nicht unnötig (psychisch) zu belasten oder Arbeitsabläufe zu verzögern. Als Tierhalter hat man sicherlich auch im Fokus, eine Kontaminierung des Futters durch Eintrag von Tierkadavern (Botulismus) zu verhindern. Zudem kann die Wildtierrettung einen Beitrag zum Schutz von seltenen Arten wie z.B. von Bodenbrütern oder Amphibien leisten.

Die drei Phasen der Setzsaison

Um Kitze zu retten, können Bewirtschafter in der Praxis auf eine Reihe von Maßnahmen zurückgreifen. Da jeder die eigenen Flächen und Verhältnisse vor Ort am besten kennt, kann man so die für den Betrieb bzw. die einzelne Fläche passenden Maßnahmen wählen. Wichtig ist, diese Maßnahmen auf jeder Fläche durchzuführen. Legen Sie dabei ein extra Augenmerk auf besonders gefährdete Flächen, auf denen z.B. bereits im Vorjahr ein Rehkitz vermäht wurde oder auf Flächen, auf denen Kitze in der laufenden Saison gesehen wurden.

Die Rehkitzsetzsaison gliedert sich in drei verschiedene Phasen, die unterschiedliche Strategien bei der Kitzrettung erfordern:

  • Während der ersten Phase, die je nach Region in etwa dem ersten Drittel des achtwöchigen Zeitraums Mai/Juni entspricht, findet man hauptsächlich sich noch drückende, frisch gesetzte bzw. junge Rehkitze. In dieser Zeit sind Maßnahmen zum Aufsuchen, Sichern und Bergen erfolgversprechend.12

  • In der zweiten Phase, die etwa im zweiten Drittel des genannten Zeitraums vorherrscht, findet man sowohl frisch gesetzte und junge, sich noch drückende Rehkitze als auch schon ältere flüchtende Kitze. Es empfiehlt sich in dieser Zeit, auf das Mähen möglichst zu verzichten, oder mehrere Maßnahmen gleichzeitig durchzuführen.13

  • Im letzten Drittel des Zeitraums Mai/Juni flüchten die meisten Rehkitze. Jetzt sind Maßnahmen am...

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