Gebrauchsfertiger PCV2-M.hyo- Kombiimpfstoff: So wird Impfen komfortabel

Die Impfung gegen Mycoplasma hyopneumoniae (M.hyo / Mykoplasmenimpfung) und das porcine Circovirus Typ 2 (PCV2 / Circoimpfung) gehören nach wie vor zum Standard der Impfprogramme in deutschen Ferkelerzeugerbetrieben.

Waren anfänglich nur M.hyo-Two-Shot-Impfstoffe verfügbar, stellten die in der ersten Lebenswoche anzuwendenden One-Shot-Impfstoffe einen großen Fortschritt dar: sie erzeugen einen belastbaren Impfschutz und brachten gleichzeitig die erste deutliche arbeitswirtschaftliche Erleichterung für die Betriebe.

Impfkonzepte erfordern arbeitswirtschaftliche Kompromisse

Nach Einführung der ersten PCV2-Ferkelimpfstoffe 2008 kam vor gut 8 Jahren das Konzept der gleichzeitigen Impfung gegen M. hyo und PCV2 in der dritten Lebenswoche auf. Anfänglich waren viele Tierärzte und Landwirte der Neuerung kritisch gegenüber eingestellt. Zum Einen veränderte sich in vielen Fällen der Impfzeitpunkt für die M. hyo-Impfung, der als besonders kritisch für eine zuverlässige Wirkung galt. Darüber hinaus wurde das Immunsystem zusätzlich durch die gleichzeitige PCV2-Impfung gefordert.

Der Wechsel von einem erfolgreichen System mit zwei Impfterminen wurde von vielen Tierärzten und Ferkelerzeugern als sehr risikoreich eingeschätzt, die Erfahrungen insbesondere mit den Folgen der Circovirose waren in zu guter Erinnerung. Nachdem sich die gleichzeitige, aber ortsgetrennte Impfung gegen die beiden Erreger aber in vielen Betrieben als erfolgreich erwiesen hatte, eröffnete sich vor etwa 6 Jahren die Möglichkeit, zwei Einzelimpfstoffe zu mischen und als Mischung zu verabreichen. Auch hier wurden potentielle Risiken identifiziert: konnten in der Praxis die für den Impferfolg notwendige Genauigkeit und die erforderliche Sauberkeit beim Mischen garantiert werden? Arbeitswirtschaftlich erschien das Mischen zwar nicht besonders attraktiv – eher unbequem – doch die Einsparung einer Injektion war für die meisten Betriebe Grund genug, mit diesem Konzept zu experimentieren.

In vielen Betrieben funktionierte das problemlos, andere hatten wieder Schwierigkeiten mit Atemwegserkrankungen, was für Schwächen der M.hyo-Komponente sprach. Solche Betriebe wechselten deshalb entweder zu anderen Impfstoffen, die zum selben Termin am Nacken getrennt einmal rechts- und einmal linksseitig appliziert wurden oder griffen sogar wieder auf die bewährten M.hyo-Two-Shot-Konzepte zurück und nahmen die arbeitswirtschaftlichen Nachteile in Kauf. Schließlich waren auch die Bedingungen auf den einzelnen Betrieben, die arbeitswirtschaftliche Situation, die sich aus der Diagnostik ergebenden klinischen Anforderungen und die regionalen Vermarktungsstrukturen maßgeblich für die Wahl des Impfkonzepts. Im Nord-Westen arbeitete man vorwiegend mit der gleichzeitigen Impfung - ob gemischt oder getrennt -, in den neuen Bundesländern und im Süden setzte man eher auf eine Two-Shot- oder frühe One-Shot-Impfung gegen M.hyo und impfte erst um den Absetzzeitpunkt herum gegen PCV2.

Der nächste Schritt in der Entwicklung war die Vereinigung der M. hyo- und PCV2-Antigene in einer Flasche zu einer gebrauchsfertigen Vakzine. Ende 2014 wurde Porcilis® PCV M Hyo von der Firma MSD zugelassen. Die große Herausforderung bestand darin, zwei Antigene stabil in einer Flasche zu halten und gleichzeitig die volle Wirksamkeit gegen beide Erreger sicherzustellen. Dieser Impfstoff erfreut sich seitdem ständig wachsender Beliebtheit. Anfang 2017 folgte Suvaxyn® Circo MH RTU von der Firma Zoetis (siehe Tabelle), der sich im Feld erst beweisen muß.

Kombinationsimpfstoffe* gegen PCV2 und M.hyo

*Alle aufgeführten Impfstoffe werden ab einem Alter von 21 Tagen in einer Dosis von 2 ml intramuskulär verimpft (Bildquelle: Viebahn)

Impfkonzepte müssen arbeitswirtschaftlich optimiert sein

Der Betrieb von Rainer Böwer aus Merzen im Landkreis Osnabrück hält 1140 dänische Sauen im Wochenrhythmus mit vierwöchiger Säugezeit und setzt für die Ferkelproduktion Piétrain-Eber ein (siehe Betriebsspiegel). Seit vielen Jahren wird der Betrieb von der ortsansässigen Tierärztin Frau Dr. Gisela Heuer betreut. In dem kontinuierlich wachsenden Betrieb war die Anpassung der Impfprogramme ein zentrales Thema innerhalb des Tiergesundheitsmanagements. Bevor der erste Impfstoff gegen PCV2 verfügbar war, bestimmten die Kümmerer das Bild im Flatdeck und sorgten für rote Zahlen im Betrieb. Erschwerend kam hinzu, dass das Aufkommen der dänischen Duroc-Ferkel mit einer besseren PCV2-Widerstandsfähigkeit die Piétrainferkel nahezu unverkäuflich machte. Für einen Betrieb in der Aufstockungsphase eine dramatische Situation. Die Circo-Impfung war dann der Befreiungsschlag, das Bild im Flatdeck änderte sich praktisch über Nacht. Bei der Mykoplasmenimpfung ist man bis zur Einführung der ersten mischbaren M.hyo- und PCV2-Impfstoffe auf besonderen Wunsch der Mäster dem Two-Shot-Verfahren treu geblieben, deren Einsatz dann eine erste arbeitswirtschaftliche Erleichterung mitbrachte. Heute werden die Ferkel während der Säugephase am 14. Lebenstag gegen PRRS und am 21. Lebenstag mit einer stallspezifischen Vakzine gegen Haemophilus parasuis und Streptokokken geimpft. Einige Tage später werden die Ferkel dann gegen M. hyo und PCV2 mit dem gebrauchsfertigen Kombiimpfstoff von MSD immunisiert. Während der Aufzucht erfolgt die zweite Streptokokkenimpfung und die Immunisierung gegen APP. „Veränderungen in den Impfprogrammen wurden in unserem Betrieb nie auf Grund einer nicht zufriedenstellenden Wirksamkeit vorgenommen. Entscheidend war immer, die umfangreicher werdenden Impfprogramme arbeitswirtschaftlich gestemmt zu bekommen“, sagt Rainer Böwer. Wenn wöchentlich 650 Ferkel geimpft werden müssen, ist der Arbeitsaufwand ein entscheidender Aspekt.

Erfahrungen mit gebrauchsfertigem Kombiimpfstoff

Seit gut 2 Jahren wird der gebrauchsfertige PCV2-M.hyo-Impfstoff von MSD eingesetzt. Die Verträglichkeit wird als sehr gut eingestuft und steht dem bisher praktizierten Konzept in nichts nach. Dies ist umso bemerkenswerter, als das Adjuvans Paraffin enthält – was immer wieder als mögliche Ursache für Unverträglichkeiten diskutiert wird. Die Wirksamkeit des Produkts ist unbestritten und von den belieferten Mästern kommen keine negativen Rückmeldungen.

Auch im eigenen Maststall (der Betrieb mästet mittlerweile ca. 1/3 der Ferkel selbst) zeigt der Impfstoff seine zuverlässige Wirksamkeit. Die 21-wöchige Immunitätsdauer für M.hyo und die 22-wöchige für PCV2 sichert die Mast zuverlässig bis zur Schlachtung ab, auch wenn es mal etwas länger dauert . Die Mitarbeiterin führt die Impfungen wöchentlich durch. Allein die Tatsache, dass das Mischen der Impfstoffe entfällt, spart nach ihrer Aussage bis zu einer Stunde Arbeitszeit ein. Ein weiterer Aspekt ist jedoch von größerer Bedeutung: trotz aller Routine erforderte das Mischen hinsichtlich Hygiene und Genauigkeit immer wieder Gewissenhaftigkeit und Konzentration. Im Falle des Betriebs Böwer ist die Mitarbeiterin qualifiziert, um die Mischung der früher eingesetzten Einzelvakzinen mit der erforderlichen Sorgfalt herzustellen. Insbesondere in Großbetrieben steht entsprechend qualifiziertes Personal jedoch selten zur Verfügung.

Vor diesem Hintergrund ist ein gebrauchsfertiger Impfstoff unter den Aspekten der Sicherheit und Arbeitswirtschaftlichkeit von unschätzbarem Wert. Der gebrauchsfertige Impfstoff macht den Arbeitsablauf entspannter, das Arbeiten ist komfortabler. Hinzu kommt, dass die Vakzine über eine Anbruchstabilität von 8 Stunden verfügt und sich nicht innerhalb kurzer Zeit wieder entmischt. Der große Vorteil für die Mitarbeiterin ist die Möglichkeit, bei Bedarf den Arbeitsvorgang zu unterbrechen, wenn die Mittagspause ansteht oder sie kurzfristig an einer anderen Stelle des Betriebs gebraucht wird. Für die Tierärztin ist dies ein Beweis für die Qualität des Produkts, sie ist von dieser Vakzine überzeugt. Um den gebrauchsfertigen Impfstoff in ihren Betrieben überhaupt einzusetzen, war es für sie wichtig, wissenschaftliche Studien zu kennen, die nachweisen, dass

  • eine gute Verträglichkeit sichergestellt ist,
  • mit dem Impfstoff die PCV2-Viruslast in den Lungen und lymphatischen Geweben gesenkt und dadurch auch die Ausscheidung verringert wird,
  • eine Reduktion des Schweregrads der durch M.hyo verursachten Lungenschäden nachweislich erzielt wird und
  • die biologischen Leistungen der Ferkel in der Aufzucht und Mast abgesichert sind.

Diese Eigenschaften kann Frau Dr. Heuer für den Betrieb Höwer nur bestätigen.

Zusammenfassung

Der Betrieb Rainer Böwer beweist, dass der Einsatz des gebrauchsfertigen PCV2-M.hyo- Kombinationsimpfstoffes von MSD den erwarteten Impfschutz leistet und den arbeitswirtschaftlichen Anforderungen auch eines mit Fremdarbeitskräften arbeitenden Betriebs entgegenkommt. Die einfache Anwendbarkeit, die gute Verträglichkeit und die Zeitersparnis beim Impfen im Vergleich zu anderen Verfahrensweisen werden als betriebswirtschaftliche Vorteile wahrgenommen, die gleichzeitig die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter fördern.

Betriebsspiegel Böwer:

  • Anzahl Zuchtsauen: 1.140
  • Genetik:DAN-Zucht
  • Produktionsrhythmus in Wochen:1
  • Remontierungsquote: 36 %
  • Umrauschquote:< 10 %
  • Lebend geborene Ferkel/Wurf: 16,3
  • Saugferkelverluste: 16, 3 %
  • Säugezeit in Tagen: 25
  • Würfe/Sau/Jahr: 2,30
  • Abgesetzte Ferkel/Sau/Jahr: 31,5
  • Durchschnittliche Anzahl Würfe/Sau: 6,3
  • Anzahl Mastplätze: 800
  • Fütterungssystem: Fertigfutter, flüssig

Dieser Beitrag wurde Ihnen von MSD Tiergesundheit zur Verfügung gestellt.