Das Bauernhof-System Plus

Zieht eine junge Frau auf den Hof, kommt sie in eine „neue Welt“. Um das Leben und das Arbeiten auf einem Bauernhof zu verstehen, ist es hilfreich, beides in Systeme aufzuteilen. Diese funktionieren aber nur dann reibungslos, wenn es klare Regeln gibt.

In kaum einem anderen Beruf ist die Arbeit so stark mit dem Familienleben verknüpft, wie in der Landwirtschaft. Der Betrieb sitzt mit am Mittagstisch und abends auf der Couch. Das macht das Zusammensein auf einem Hof nicht leicht. Vor allem für Frauen, die einheiraten, selbst zuvor aber keinerlei Erfahrungen mit dem Leben in der Landwirtschaft gesammelt haben, ist das eine Herausforderung.

Susanne Fischer und Erhard Reichs- thaler sind beide psychologische Berater und arbeiten seit vielen Jahren mit Familien im bäuerlichen Bereich. Die beiden Österreicher beraten Familien, halten Vorträge und Seminare. Bei ihrer Arbeit ist ihnen die systemische Sicht hilfreich, das heißt, den Bauernhof als System mit mehreren Untersystemen zu betrachten. „Jedes System dient einer Aufgabe. So ist die des Familiensystems die Begleitung der Kinder in die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung“, erklären sie. „Demgegenüber steht das Arbeitssystem. Es ist definiert durch Produkte oder Dienstleistungen, die hergestellt oder erbracht werden.“

Das Familiensystem verstehen:

Beide Systeme treffen in der Landwirtschaft in intensiver Weise aufeinander, ähnlich wie es z.B. in Handwerksbetrieben der Fall ist. Die Kunst liegt nun darin, diese beiden Systeme getrennt voneinander zu betrachten.

Zum Familiensystem, auch Herkunftssystem genannt, gehören die Eltern und die Kinder. Das Herkunftssystem unterteilt sich in Untersysteme: Eltern bilden die Paarebene, die Kinder die Geschwisterebene. Vor allem die Paarebene ist ein Raum, in den sich niemand einmischen sollte. Und auch eine Einmischung in das Geschwistersystem ist meistens nicht ratsam. „Der Kampf, den Geschwister hin und wieder austragen, ist prägend fürs Leben“, sagt Su- sanne Fischer. „Wer mit Geschwistern groß wird, lernt mit Frustration zurechtzukommen, denn Geschwister schenken sich nichts.“

Frau dringt ins System ein:

Kommt nun eine junge Frau auf den Hof – ganz egal welche – ist das bestehende, eingespielte System irritiert.

„Das Gelingen einer Partnerschaft hängt nicht nur davon ab, welchen Wert ich mir selbst zugestehe, sondern auch, ob die Partnerschaft Vorrang vor der Beziehung zur Herkunftsfamilie hat, also zu Vater, Mutter und Geschwistern“, sagt Erhard Reichsthaler....

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