„Die lokale Betäubung ist die Lösung“ Plus

Weil sie die bisherigen Alternativen zur betäubungslosen Kastration von Ferkeln ablehnen, testen bayerische Ferkelerzeuger jetzt die örtliche Betäubung durch den Tierarzt. Die ersten Erfahrungen damit sind sehr positiv.

Ab 2021 kommt es zu einer Zeitenwende in der deutschen Ferkelerzeugung. Ab dann dürfen Ferkel nicht mehr betäubungslos kastriert werden. Doch die Alternativen, die nach jetzigem Stand erlaubt sein werden, lehnen die meisten Ferkelerzeuger ab.

So sprachen sich bei einer Umfrage des Bayerischen Bauernverbandes jeweils nur rund 1 % der befragten Landwirte für die Jungebermast, die Immunokastration mit Improvac und die Kastration unter Vollnarkose mit Isofluran als bevorzugte Variante aus. 97 % favorisierten die lokale Betäubung durch den Landwirt.

Doch die Chancen, dass diese Methode ab 2021 erlaubt sein wird, stehen schlecht. Die Kritiker bezweifeln unter anderem, dass Landwirte bei der Vielzahl an Ferkeln alle Injektionen genau genug setzen können.

Tierarzt betäubt lokal

Die Ringgemeinschaft Bayern, in der die meisten bayerischen Erzeugergemeinschaften und Erzeugeringe für Vieh und Fleisch zusammengeschlossen sind, setzt deshalb in Abstimmung mit dem Schweinegesundheitsdienst (SGD)Bayern jetzt auf die Lokalanästhesie durch den Tierarzt. „Diese Methode mindert den Schmerz der Tiere deutlich und wird von der Mehrzahl der Landwirte akzeptiert“, erklärt Stephan Neher, Vorsitzender der Ringgemeinschaft.

Damit die Chancen für die Zulassung dieses Verfahrens ab 2021 steigen, hat die Ringgemeinschaft die bayerischen Sauenhalter aufgerufen, schon jetzt ihre Ferkel vor dem Kastrieren örtlich betäuben zu lassen. „Wenn viele Landwirte in Vorleistung gehen, dann können wir die Methode eher bekannt machen und Verbrauchern und Politik zeigen, dass dies der richtige Weg ist“, ist Neher überzeugt. Zudem könne man auf diese Weise auch die Tierärzte für die lokale Betäubung gewinnen und das Verfahren weiter optimieren.

Direkt In den Hoden?

Laut Dr. Anja Rostalski, Leiterin des SGD Bayern, haben sich bisher zwei Varianten der lokalen Betäubung he-rauskristallisiert, die gut funktionieren:

  • Die Injektion von 0,5 ml Procain direkt in jeden Hoden;
  • die Injektion von 1 ml Procain in jeden Hodensack.

Das Procain enthält bei beiden Verfahren einen Adrenalinzusatz. „Dieser verengt die Blutbahnen und bewirkt, dass der...


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