„Ein großes Defizit in der Kommunikation“ Premium

Durch Kampagnen wie dem Volksbegehren Artenvielfalt sehen sich viele Bauern an den Rand gedrängt. Wie kommen sie wieder zurück in die Mitte der Gesellschaft? Ein Gespräch mit Alois Glück.

Herr Glück, Sie haben Landwirtschaft gelernt und schon 1957 den elterlichen Betrieb übernommen. Haben Sie seitdem jemals eine so schlechte Stimmung in der Landwirtschaft erlebt wie augenblicklich?

Glück: Ich habe vor allem im Rahmen des Projektes Runder Tisch so richtig aufgenommen, wie viel Verdrossenheit, wie viele Verletzungen innerhalb der bäuerlichen Familien da sind. Die Bäuerinnen und Bauern haben den Eindruck, ihre Arbeit erfährt keine Wertschätzung mehr. Ich erlebe, dass in wirtschaftlich zukunftsfähigen Betrieben die Senioren den Junioren empfehlen, aufzuhören und etwas anderes zu suchen. Das hat mich sehr getroffen und beschäftigt mich nach wie vor sehr, sehr stark.

Es sind vor allem die immer heftiger werdenden Vorwürfe der Gesellschaft, die die Bauern bedrücken. Objektiv gesehen haben die Landwirte in den letzten Jahrzehnten den Tier- und Umweltschutz immer weiter verbessert. Warum nimmt die Kritik trotzdem zu?

Glück: Ein Grund ist sicher die zunehmende Entfremdung zwischen der Landwirtschaft und der übrigen Bevölkerung.

Mir fällt dabei auf, dass die Landwirte eine unterschiedliche Wertschätzung erfahren: Große gesellschaftliche Anerkennung bekommen die Ökobetriebe, Akzeptanzprobleme haben vor allem die intensiv wirtschaftenden Betriebe. Das ist eine massive Verschiebung innerhalb der Landwirtschaft. Denn früher waren die Biobauern „die Spinner“ und jetzt sind sie die, die in der Öffentlichkeit Anerkennung genießen. Das schafft auch Spannungen innerhalb der Landwirtschaft.

Warum entfremdet sich die Gesellschaft immer mehr von den Bauern?

Glück: Wir haben einen heftigen Strukturwandel, die Zahl der Landwirte ist stark zurückgegangen. Die Landwirte sind auch im öffentlichen Leben nicht mehr so präsent, weil sie sehr durch die Bewirtschaftung ihrer Betriebe gebunden sind.

Zudem sind viele Höfe nicht mehr im Dorf. Die Betriebe, die sich entwickeln, haben ausgesiedelt. Das Nachbarschaftserlebnis, das ich in meiner Jugendzeit noch erlebt habe, gibt es in der Form kaum noch.

Was sicher eine Rolle spielt, ist die Berichterstattung in den Medien über zu hohe Nitratbelastung mit Auswirkungen auf das Grundwasser und letztlich auch auf das Lebensmittel Trinkwasser. Das ist für die Menschen etwas, wo sie sofort sehr sensibel sind.

Bauschen die Medien nicht auch Probleme künstlich auf?

Glück: In den klassischen Presseorganen erlebe ich das nicht. Was...

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Artikel geschrieben von

Klaus Dorsch

Redaktionsleiter SÜDPLUS

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