Eine Veredlungsregion erfindet sich neu Plus

Schwache Erlöse, ein hoher Flächendruck und ungewisse politische Rahmenbedingungen setzen den Veredlern in Hohenlohe arg zu. Wo liegen noch ungenutzte Chancen?

Wettbewerbsfähige Betriebsstruk-turen, eine hohe Dichte schlagkräftiger Verarbeitungsunternehmen und eine gute Anbindung an lukrative Absatzmärkte. Kein Wunder, dass Hohenlohe in Baden-Württemberg jahrzehntelang als „die“ Veredlungsregion schlechthin galt.

Extremer Strukturwandel

Die Viehdichte ist heute im Vergleich der Landkreise zwar immer noch eine der höchsten (Übersicht 2), doch der Aderlass bei den Höfen war und ist gewaltig: Allein in den letzten zwei Jahren haben im Landkreis Schwäbisch Hall jährlich fast 10% der Milchviehhalter aufgegeben (Übersicht 1). Von 4650 Erzeugern Ende der 1970er Jahre sind heute noch 359 mit einer mittleren Kuhzahl von 53 Tieren übrig. „Da die Hälfte davon in Anbindehaltung wirtschaftet, wird diese Entwicklung weitergehen“, prognostiziert Werner Balbach, Leiter des Landwirtschaftsamtes.

Statt wie früher in großem Stil Ferkel zu exportieren, gelangen zunehmend Ferkel aus Ostdeutschland und Dänemark in die Region. Von den rund 78450 Sauenplätzen im Jahr 1999 sind heute noch 28155 in 216 Betrieben übrig (siehe Übersicht 1). „Der nächste Schub kommt jetzt, denn die neuen Vorgaben zu Abferkelung, Schwanzkupieren und Kastration machen auch größere Betriebe mit über 250 bis 300 Sauen oder 500 bis 1000 Mastplätzen vielfach nicht mehr mit“, sagt Helmut Bleher, Bauernverband Schwäbisch Hall. Nur bei Geflügel ist die Situation etwas stabiler. Der Ausstieg fällt durch die höheren Investitionen allerdings auch schwerer.

„Weltmeister“ beim Pachtpreis

Die gute Infrastruktur ist für die Bauern Fluch und Segen zugleich. Denn dadurch finden potenzielle Hofnachfolger attraktive Arbeitsplätze in der Industrie und die Pachtpreise erreichen Rekordhöhe. „Bei Preisen von 800 €/ha investieren wir nicht mehr in den Ackerbau“, sagt ein Putenmäster aus der Region.

Der Flächenfraß durch Industrie, Straßen und Wohnbebauung aber auch durch Biogasanlagen ist enorm. Allein durch den sechsspurigen Ausbau der A6 gehen auf einen Schlag rund 100 ha verloren. „Für kleinere und mittlere Betriebe sind die Aussichten auf Wachstum sehr gering“, sagt Bleher. Das Gros der Höfe bewirtschaftet derzeit zwischen 20...


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen