Gesextes Sperma für den Süden Plus

Die RBW hat ein eigenes Labor zum geschlechtsspezifischen Sortieren von Sperma aufgebaut. Was sind die Gründe dafür und welche Vorteile bietet das den Braunvieh- und Fleckvieh-Züchtern?

Bei Braunvieh hat gesextes Sperma ein Potenzial von 20% der Erstbesamungen“, sagt Dr. Alfred Weidele, Geschäftsführer der Rinderunion Baden-Württemberg (RBW). Mit Blick auf die aktuellen Einsatzzahlen von 5% bei Braunvieh und 0,3% bei Fleckvieh scheint das mutig. Doch die RBW hat in ein eigenes Labor zur Spermatrennung in Bad Waldsee investiert. Hier lässt das RBW-Tochterunternehmen RBW-Genetik seit August das Sperma der eigenen Bullen trennen und bietet den Service auch im Lohn an.

Das Labor in Bad Waldsee hat eine Kapazität von 200000 Portionen gesexten Spermas pro Jahr. Ab Oktober sollen elf Mitarbeiter in drei Schichten rund um die Uhr Sperma trennen.

Ein unabhängiges Labor

„Ein wichtiger Grund für uns war: Wir wollten ein unabhängiges Labor in bäuerlicher Hand“, so Weidele. Bisher hat die RBW, wie die meisten deutschen Unternehmen, das Bullensperma in Cloppenburg (Niedersachsen) vom US-Unternehmen Sexing Technologies (ST) trennen lassen.

Jetzt arbeitet die RBW mit der Firma IntelliGen zusammen, eine Tochter vom Zuchtunternehmen ABS Global. Das Labor und die Geräte gehören der RBW. Damit ist es das einzige Sexing-Labor in Europa, das einer bäuerlichen Züchtervereinigung gehört. Der Verband hat nur einen Service-Vertrag mit ABS abgeschlossen.

Für das geschlechtsspezifische Sortieren werden die Spermien mit einer Farblösung behandelt. Weil das X-Chromosom 3,6% mehr Masse als das Y-Chromosom enthält, nehmen die weiblichen Spermien mehr Farbe auf. So lassen sich die Spermien unterscheiden.

Die Verfahren von ST und ABS unterscheiden sich in den Details. So werden bei ST die männlichen Zellen „aussortiert“, während ABS diese lediglich deaktiviert und befruchtungsunfähig macht. Ob sich die Verfahren aber ausreichend unterscheiden, darüber streiten die US-Unternehmen seit Jahren vor Gericht. ST hatte durch entsprechende Patente eine umstrittene Monopol-Stellung bei der Spermatrennung, bis ABS 2017 mit einer eigenen Technologie auf den Markt kam.

Das unabhängige Labor hat für Weidele einen weiteren Vorteil: „Wir können jetzt selbst entscheiden, wann wir welche Bullen sexen lassen. Die Auswahl wird steigen.“ Während vor einem halben Jahr nur 10 bis 15% der Holstein- und Braunvieh-Vererber der RBW gesext verfügbar waren, seien es heute bereits über 50%. „Unser Ziel ist, langfristig alle Vererber der Milchrassen auch gesext anbieten zu können“, so Weidele. Beim Fleckvieh werde man aufgrund der Nachfrage weiterhin nur rund 15%...


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