Heuhunger – Alternativen im Pferdestall Plus

Pferdeheu ist knapp. Maissilage und Stroh können so manchen Pensionspferdebetrieb retten. Wenn die Ration stimmt und die Einsteller mitmachen.

Günther Koller aus der Oberpfalz hat diesen Sommer 30% weniger Heu geerntet. Und er ist nicht der einzige. „Zum Teil fehlen zwei von drei Schnitten“, weiß Koller von Berufskollegen. Wenn der Pferdewirtschaftsmeister und Landwirt so weiterfüttert wie bisher, sind seine 85 eigenen und die 40 Einstellerpferde ab Weihnachten auf Diät.

Koller reagiert. Er füttert eine Kombination aus Maissilage, Stroh und weniger Heu als Grundfutter an alle Pferde. Mutig, denn viele Pferdebesitzer sind Silageskeptiker: Durchfall, Kotwasser, Botulismus – in Internetforen ist Maissilage ein echter Pferdekiller. Zu Unrecht, wissen Koller und Tierarzt Dr. Rainer Heuschmann aus Marktredwitz in Oberfranken.

Füttert man Mais in der richtigen Ration, also mit einem Strukturträger, Eiweiß und Mineralstoffen, könne man sehr wohl den Heuvorrat drosseln, beruhigt der Tierarzt. Vor allem in der diesjährigen Situation sei Maissilage eine geeignete und oft auch notwendige Alternative, um die Pferde gut über den Winter zu bekommen. Es ist nicht nur der rasant gestiegene Preis, der Heu in diesem Jahr als alleiniges Grundfuttermittel ausscheiden lässt.

„Hier geht es nicht mehr ums Geld, spätestens zu Weihnachten wird der Verkauf zum Stillstand kommen“, prognostiziert Heuschmann. Weder regionale Verkäufer mit feuchteren Böden noch das Ausland haben noch Reserven. Vielen Pferdebesitzern sei der Ernst der Lage gar nicht bewusst. „Wer nicht auf Alternativen setzt, wird diesen Winter in der Klemme stecken“, sorgt sich der Tierarzt.

Das Auge isst mit:

Koller stellt seine Ration Anfang Oktober um. Innerhalb von zwei Wochen reduziert er die ad libitum Heugaben auf 2 kg pro Pferd und Tag und füttert mit Maissilage, Heulage und Stroh an. Weil die Pferde bei ihrem täglichen Weidegang nicht mehr viel Energie aufnehmen, füttert er dreimal am Tag Grundfutter und abends zusätzlich Kraft- und Mineralfutter. Morgens und mittags bekommen die Großpferde je 5 kg Maissilage und 5 kg Heulage.

Die Maissilage für die Offen- und Laufställe fahren Koller und seine Angestellten mit einem Siloentnahme- und -verteilgerät direkt auf den Futtertisch. Die Futterkrippen der Einzelboxen befüllen sie mit Schubkarre und Schaufel.

Für genügend Rohfaser sorgt hochwertiges Weizenstroh. Er schätzt, dass seine Pferde etwa 1,5 bis 2,5 kg Stroh pro Tag fressen. Er füttert aber nach Augenmaß: „Jedes Pferd bekommt so viel Stroh, dass es nach Bedarf knabbern kann“, erklärt er. Probleme mit Verstopfungskoliken gibt es bei ihm nicht: „Weil unsere Pferde nie Hunger haben, fressen sie das Stroh nicht im Übermaß“, erklärt er.

Bis Oktober hat Koller nur mit Stroh eingestreut. Das ist jetzt vorbei. Die Einstreu setzt sich nun aus Sägespänen und ein bisschen Stroh zusammen. So spart er seinen Rohfaserträger. Das Futterstroh legt er vorn an der Innenseite der Boxentüren ab, ohne es zu verteilen. Den restlichen Energiebedarf decken 2 kg...


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen