Mach mal Pause!

Sie haben keine Zeit für Pausen? Sollten Sie aber, denn mit regelmäßigen Auszeiten werden wir produktiver und leistungsfähiger. Doch wie schaltet man am besten ab?

Gestern habe ich etwas Verrücktes getan: Ich verschloss meine Augen vor dem häuslichen Chaos, eliminierte alle Gedanken über die anstehenden Arbeiten auf unserem Hof, zog Schuhe und Jacke an, schlüpfte durch die Tür hinaus und marschierte geradewegs auf meinen Lieblingsplatz im nahe gelegenen Wald zu.

Wenn Sie das lesen, denken Sie vielleicht: unglaublich! Oder vielleicht: schön! Aber ich sage: Verrückt, denn dafür hatte ich überhaupt keine Zeit! Jede Menge Arbeit wartete auf mich. Haushaltskram wie Waschen, Bügeln und Putzen sowie etliche Arbeiten auf unserem Hof. Das alles setzte mich innerlich unter Druck.

Die Gedanken ordnen

Aber: Ich brauchte eine Pause! Der Sonnenschein auf meinem Gesicht, die klare Luft, das Rascheln des Laubes, das meine Schritte untermalte. Im Wald angekommen, schloss ich die Augen und atmete tief durch. Mit meiner Hand fuhr ich über das kühle Moos. Herrlich! Ich merkte, wie gut mir diese kleine, spontane Pause tat.

Jeder Atemzug war ein Genuss. Und da: Plötzlich konnte ich meine Gedanken sortieren, mich wieder auf Wesentliches konzentrieren. In dieser kurzen Pause, die nicht länger als dreißig Minuten dauerte, fiel mir die Lösung für ein Problem ein, das ich schon länger vor mir herschob.

Nach dieser kleinen Auszeit nahm ich mir vor, zukünftig wieder strikter auf das „Bewusste-Pause-Machen“ achten zu wollen. Dringend! Denn das, was mir eine Pause an Gutem beschert, kann ich durch Durcharbeiten niemals erreichen!

Aber wie geht das? Wie schaffen wir es, regelmäßig Pausen zu machen? Wir müssen einigen Pausenblockern die Stirn bieten. Der größte dabei ist der gefühlte Zeitmangel.

Unsere Gesellschaft kennt meist nur eine Geschwindigkeit: Vollgas! Unser Lebenstempo hat sich in den letzten zehn Jahren so gesteigert, dass uns davon schwindlig wird. Dadurch, dass viele Reize gleichzeitig auf uns einströmen, wird unsere Konzentrationsfähigkeit immens ge- und überfordert. Andererseits wird sie durch die Gleichzeitigkeit der Reize gestört. Ein Paradoxon also.

Problem Smartphone

Besonders viel Zeit widmen wir tagtäglich dem Smartphone. Es hat uns unmerklich dahingehend trainiert, dass wir jede kleine Verzögerung oder Wartezeit nicht mehr wie früher als Pause nutzen, unsere Gedanken schweifen lassen oder einfach vor uns hin sinnieren. Jetzt zücken wir, sobald wir warten müssen (beim Arzt, an der Ampel, im Stau, auf einen Freund, bis das Bügeleisen heiß ist), sofort den kleinen Alleskönner und wischen munter drauf los.

„Jede Minute muss genutzt werden!“, lautet der alles bestimmende Slogan. Stets effektiv und produktiv. Das Problem dabei: Irgendwann gehts nicht mehr schneller. Irgendwann kann man nicht mehr Zeit nutzen, als man schon nutzt. Das muss uns...