Solar und Sellerie auf einer Fläche Premium

Agrophotovoltaik ist eine neue Form der Flächennutzung mit großem Potenzial, bei der unter den Modulen herkömmliche Früchte wachsen. Ein mehrjähriges Forschungsprojekt am Bodensee macht deutlich, worauf es bei der Anlage ankommt.

Florian Reyer betrachtet aufmerksam den Kartoffelbestand. „Das Kraut hier ist grüner, die Beschattung wirkt sich positiv aus in dem trockenen Sommer“, sagt der Landwirt von der Hofgemeinschaft Heggelbach aus dem Landkreis Sigmaringen. Reyer steht auf einem besonderen Kartoffelacker: Die Hälfte der Fläche ist mit einer Stahlkonstruktion überbaut, auf der Photovoltaikmodule installiert sind.

Drei Jahre Forschung

Die „Agrophotovoltaik“ (APV) ist eine neue Art der Flächenbewirtschaftung. In Deutschland gibt es inzwischen acht Anlagen dieser Art.

An dem Prototyp in Heggelbach hat ein Team von mehreren Wissenschaftlern u.a. der Universität Hohenheim und des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) aus Freiburg drei Jahre lang das Zusammenspiel von Ackerbau und Solarmodulen untersucht.

„Die Agrophotovoltaik ist so ausgelegt, dass die landwirtschaftliche Produktion im Vordergrund steht, die Stromproduktion sehen wir als Ergänzung“, erklärt Stephan Schindele vom Fraunhofer ISE, der das Projekt federführend geleitet hat.

Knapp 200 kW Modulleistung

Die Anlage ist so aufgebaut:

  • Die Anlage ist 136 m lang und 25 m breit. Sie überspannt eine Fläche von etwa einem Drittel Hektar.
  • In Längsrichtung beträgt der Abstand zwischen den Pfosten 18,4 m.
  • Die Pfosten wurden nicht betoniert oder gerammt, sondern mithilfe eines speziellen „Spinnankers“ in den Boden gedreht. Diese Schraubelemente sind Baumwurzeln nachempfunden und ragen schräg nach unten in die Erde. „Das war für uns wichtig, denn mit diesem System können wir die Anlage zu 100% zurückbauen“, sagt Reyer.
  • Die Module sind auf einer Höhe von 6 m angebracht, die Durchfahrtshöhe unter dem Gestell beträgt 5 m.
  • Sie haben insgesamt eine Leistung von 194 Kilowatt (kW).
  • Es handelt sich um bifaciale Module, die auch auf der Unterseite das Sonnenlicht in Strom umwandeln. Damit liegt der Stromertrag rund 10% über dem von herkömmlichen Modulen. Gleichzeitig sind sie durchscheinend.

Für den Versuch wurde die Anlage quer zur Bewirtschaftungsrichtung aufgebaut. Damit war es möglich, vier Kulturen nebeneinander anzubauen, bei denen etwa die Hälfte der Fläche unter den Modulen liegt, die andere Hälfte dagegen unter freiem Himmel. Damit konnten die Wissenschaftler genau vergleichen, welche Auswirkungen die Module auf Bestand und Ertrag haben.

Die ersten Erfahrungen

Als Kulturen haben die Heggelbacher, die nach Demeter-Richtlinien wirtschaften, Kleegras, Sellerie, Kartoffeln und Winterweizen angebaut.

Aktuell wird der Endbericht zum Forschungsprojekt noch erstellt. Aber es gibt...

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