CVUA Stuttgart

44 % asiatischer Instant-Nudeln mit Ethylenoxid belastet

Nicht verkehrsfähig: In 11 von 25 Instantnudel-Proben ist Ethylenoxid nachweisbar, so dass von einer in der EU nicht zulässigen Begasung von einzelnen Komponenten oder Zusatzstoffen auszugehen ist.

Nachdem das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart im Herbst 2020 hohe Gehalte des Pflanzenschutzmittels Ethylenoxid in Sesam festgestellt hatte und im Juli 2021 über eine hohe Beanstandungsquote bei Pflanzenpulvern und Nahrungsergänzungsmitteln berichtete, haben die Fachleute die Untersuchungen auf eine noch breitere Produktpalette ausgeweitet.

Insgesamt untersuchte das CVUA Stuttgart 25 Proben Instant-Nudelerzeugnisse in Portionspackungen, die überwiegend aus Asien stammten. Neben den Instant-Nudeln enthielten die Packungen zusätzlich einzeln verpackte Zutaten wie Trockengemüse, Gewürzpulver oder Würzöle. In 11 Proben (44 %) war Ethylenoxid (Summe) nachweisbar, so dass von einer in der EU nicht zulässigen Begasung von einzelnen Komponenten oder Zusatzstoffen auszugehen ist. Das teilt das Baden-Württembergische Landwirtschaftsministerium mit.

Da die Höchstgehalte bei der analytischen Bestimmungsgrenze festgesetzt sind (Nulltoleranz), sind diese Erzeugnisse in der EU nicht verkehrsfähig.

Die Probenzahl dieser Produktgruppe ist laut Ministerium im Moment noch relativ niedrig und kann deshalb nicht als repräsentativ angesehen werden. Dennoch waren bereits bei diesem stichprobenhaften Sonderprogramm die Herkunftsländer Vietnam, gefolgt von Korea und China besonders auffällig. Proben aus Thailand (eine Ausnahme), Indonesien und der EU waren dagegen weitestgehend unauffällig und nicht mit Ethylenoxid (Summe) belastet, heißt es.

Maßnahmen bei belasteter Ware

Bei den beanstandeten Produkten müssen die verantwortlichen Lebensmittelunternehmen die notwendigen Schritte ergreifen, um die betroffenen Chargen vom Markt zu nehmen und ggf. auch bei den Verbrauchern zurückzurufen. Die Lebensmittelüberwachungsbehörden kontrollieren dies und ordnen Maßnahmen an, falls die Unternehmen nicht ausreichend reagieren.

Darüber hinaus sind die betroffenen Lebensmittelunternehmen, aber auch die Branche gefordert, die Ursachen für den Eintrag von Ethylenoxid bzw. 2-Chlorethanol in die Lieferkette von Lebensmitteln zu ermitteln und ihre Eigenkontrollen im notwendigen Umfang zu verbessern, damit künftig belastete Ware erst gar nicht innerhalb der EU in den Verkehr kommt.

Hintergrund

Ethylenoxid ist ein Gas, das hauptsächlich als Zwischenprodukt zur Synthese anderer Chemikalien verwendet wird. In einigen Ländern werden auch bestimmte Lebensmittel zur Entkeimung mit Ethylenoxid begast, da es Bakterien und Pilze abtöten kann. In der EU ist Ethylenoxid als Pflanzenschutzmittel jedoch vollständig verboten, da es als krebserregend und mutagen gilt.

Ethylenoxid ist eine sehr reaktive Verbindung. In behandelten oder verarbeiteten Lebensmitteln liegt es deshalb nur noch in geringer Menge als Ethylenoxid vor und hauptsächlich in Form seines Hauptreaktionsprodukts 2-Chlorethanol, das ebenfalls gesundheitliche Risiken birgt. Der EU-Gesetzgeber hat für die beiden Substanzen in Lebensmitteln wie Pflanzenpulvern einen sogenannten Summenhöchstgehalt festgesetzt. Außerdem ist es nicht erlaubt, Lebensmittelzusatzstoffe zur Sterilisation mit Ethylenoxid zu behandeln.


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