NEC-Richtlinie

Weniger Ammoniak: Österreicher erforschen Güllezusätze

Deutsche Agrarforscher sind skeptisch, ob Gülle weniger Ammoniak emittiert, wenn man Zusätze wie Gesteinsmehl einrührt. In der Steiermark will man es jetzt herausfinden.

In der Steiermarkt entsteht an der HBLFA (Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft) Raumberg-Gumpenstein derzeit Österreichs erste Prüfanlage für Güllezusatzmittel. Anfang 2020 wird sie in Betrieb gehen, meldet das Institut. Mit der Messeinrichtung werden die Forscher Emissions- und Geruchsminderungspotenziale verschiedener Güllezuschlagsstoffe erheben. Zudem untersuchen sie deren Auswirkungen auf Konsistenz und Fließverhalten der Gülle.


Bei der Anlage handelt es sich um neun, einer Güllegrube nachempfundene Behälter, mit einem Fassungsvermögen von je 170 Liter. Diese sind in einem klimatisierten Containerkomplex untergebracht, um die behandelte Gülle, unter kontrollierten Bedingungen, bestmöglich untersuchen zu können.

Ziel: Empfehlungen für Praktiker

Die Anlage soll emissionsmindernde Güllezuschlagstoffe identifizieren, Anwendersicherheit und Empfehlungen für die Praxis geben und dadurch zur Reduktion der Ammoniak- und Geruchsproblematik in Österreich beitragen. Informationen zum Projektverlauf sowie Ergebnisse wird die HBLFA laufend veröffentlichen.

Der Druck, weniger Ammoniak zu emittieren, ist in Österreich nicht so hoch wie in Deutschland. Die NEC-Richtlinie der EU gibt für Österreich ein Ammoniakminderungsziel von 12 % bis 2030 im Vergleich zu 2005 vor (Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe, "National Emissions Ceiling"). Zum Vergleich: Für Deutschland sind es 29%. Unter Experten gilt dabei die Landwirtschaft als Hauptverursacher der Ammoniakemissionen in Europa.

Die Gumpensteiner Agrarforscher rechnen aber auch für Österreich bereits mit einer weiteren Verschärfung der Richtlinie: "Mit Vorlage von aktuellen Daten müssen derzeit schon 18,5 % bis 2030 reduziert werden, wodurch das bisherige Ziel nochmals verschärft wird", melden sie.

Großes Minderungspotenzial schon im Lager

Laut der HBLFA stammen die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft zu 35% aus der Stallhaltung, zu 20 % aus der Wirtschaftsdüngerlagerung und zu 45 % aus der Ausbringung. Sie sehen ein großes Minderungspotenzial im Bereich der Güllebehandlung im Lager und der darauffolgenden bodennahen Wirtschaftsdüngerausbringung.

Doch keine Schleppschuhpflicht?

Auch in Deutschland dürften die Forschungsergebnisse auf Interesse stoßen. Viele landwirtschaftliche Betriebe halten die Pflicht zur bodennahen Gülleausbringung per Schleppschlauch, Schleppschuh oder Gülleinjektor für schwer umsetzbar. Das gilt vor allem für Grünlandbetriebe mit kleinen oder hängigen Schlägen.

Die Bundesdüngeverordnung schreibt die bodennahe Ausbringung für bestelltes Ackerland ab 2020, für Grünland ab 2025 vor. Die Verordnung sieht aber Ausnahmen vor, wenn "alternative Verfahren" die Ammoniakverluste mindestens genauso stark reduzieren. Es ist Sache der Bundesländer, diese alternativen Verfahren zuzulassen. Vor allem Bayern macht den Landwirten da aber wenig Hoffnung. Der Freistaat sieht bei Güllezusatzstoffen kein Potenzial, Ammoniak in der Gülle zu halten.


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Claus Mayer

Redakteur SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Jens-Martin Keim

Holt uns die einseitige Sichtweise der letzten 15 Jahre nun doch noch ein?

In Bayern gilt das Ziel bis 2030 - 30 % Ökolandbau umzusetzen. Offensichtlich haben wir in Bayern die Maßnahmen und Zeichen verschlafen. Kollegen konfrontieren die IG gesunde Gülle ständig, ob Lobbyisten aus dem Konzernbereich, im Landwirtschaftsministerium und der LfL sitzen, die Fäden zieht um unzulängliche Technik und das Abfallprodukt Schwefelsäure der Landwirtschaft auf´s Auge drücken wollen. Wir Bauern sind auf einem guten Weg und setzen viele praxistaugliche und ökologische Maßnahmen bereits heute freiwillig um. Die biologische Behandlung von Güllen zum Schutze des Klimas, der besseren Pflanzenverträglichkeit, die Humusanreicherung und einer besseren CO2 Speicherung, sind Lösungsansätze welche unsere Gesellschaft in Zukunft einfordern wird. Verbesserte Speicherkapazität und Errossionschutz sind positive Begleiterscheinungen einer veredelten Gülle. Diese Ökologische Zielsetzung und Forschungsaktivitäten zum Gemeinwohl der Gesellschaft, hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft sehen wir leider bei der LfL nicht. Das ist sehr schade. Umso erfreuter darf man nun über die Aktivitäten unserer Kollegen aus Österreich sein. Ein großes BIG BIG LOB.

von Karlheinz Gruber

Ich habe bei der LFL angefragt

Bei mir ist im Trockensommer auf den Feldern aufgekommen, daß hier irgendwann einmal etwas gewesen sein muß. Min. ein paar hundert Jahre zuvor. Der Weizen war auf bestimmten Stellen dicker und bei der Ernte, trotz Dürre um ca. 10-15 cm länger. Ein Archäologe hat mir dann gesagt, das es vermutlich alte Abfallgruben sein werden, die viel Kohlenstoff enthalten. Dann habe ich mich umgehört und bin auf diese Pflanzenkohle gestoßen. Da ich aber meinem Subjektivem empfinden nicht traue (man hat schnell eine Meinung die nicht immer stimmen muß) habe ich bei der Bayrischen LFL Zweigstelle angefragt, ob es einen gibt, der dies für eine Bachelor oder Masterarbeit begleiten würde. Das ist jetzt über ein Jahr her. Bis heute keine Rückmeldung. Mein Subjektives Ansinnen ist, Geruchsmäßig wirkt es voll. Denn als ich direkt neben meinem Haus in der Früh als meine Familie noch schlief Gülle gefahren hatte, fragte mich meine Frau später, wann ich auf jenem Feld denn fahren werde. Dann kommt die Wäsche rein. Auch Besucher auf dem Hof sagten mir, daß hier kein Schweinebestand zu riechen ist. Auch meine Meinung. Habe es jetzt Testweise wieder rausgelassen. Und man riecht es. Aber davon hat halt die Wirtschaft/ Industrie nichts. Deshalb darf es nicht sein.

von Gerhard Steffek

Expertenmeinungen -

ja ne, ist klar das das die Landwirtschaft sein muß! So klar wie beim Phosphor bis zu Untersuchung in Hessen, oder so klar wie beim Nitrat, bis aufkommt wo die ganzen Meßstellen liegen, oder? Es ist ja so bequem, einen Buhmann zu haben. Da kommt der dumme Bauer gerade recht. Nur wenn man schon über seinen Mist lamentiert, wie sieht es denn aus mit dem Mist der nichtbäuerlichen Bevölkerung, den Städtern? Schließlich machen die im Grunde genommen mehr Mist. 83 Millionen Menschen leben in DE und wieviele Rinder (Rindviecher möchte ich jetzt nicht schreiben, da könnte man ja auch andere dazuzählen) und Schweine haben wir? Wurden denn schon die Ammoniakemissionen bei Kläranlagen untersucht. Erstaunlicherweise schon auch, aber genauso erstaunlicherweise hört man da nichts von Reduktionsmaßnahmen. Denn allein schon wenn ich diese Untersuchung (https://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuv/luft/emissionen/pdf/110107_Kurzfassung_Klaeranlagenbericht.pdf) aus dem Jahre 2011 heranziehe, dann kann man auch hier einen Handlungsbedarf sehen.

von Rudolf Overhoff

Seltsam..

...in Nachbarländern funktioniert es mit den innovativen Ideen scheinbar, die haben sogar Fördermittel aus dem EU-Topf für Gülleversuche mit Pflanzenkohle bekommen, aber hier habe ich den Eindruck das man Angst hat, es könnte zum Erfolg werden .. ?

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