Artenvielfalt

Baden-Württemberg: Bauern wegen Volksbegehren gespalten Premium

Die Volksbegehrer sammeln keine Stimmen für "Rettet die Bienen" mehr. Doch der Berufsstand ist sich über das "Eckpunktepapier" der Regierung nicht einig.

Bis zuletzt konnte sich keiner am Runden Tisch sicher sein, dass der Gesetzentwurf der baden-württembergischen Landesregierung als Alternative zum Volksbegehren Artenschutz – „Rettet die Bienen“ durchgeht. Denn die Uneinigkeit innerhalb der berufsständischen Verbände war groß und auch ProBiene ließ sich vorher nicht in die Karten schauen.

Landwirtschaftsminister Peter Hauk, der gemeinsam mit Umweltminister Franz Untersteller das zugrunde liegende Eckpunktepapier verantwortet, wurde in den letzten Wochen nicht müde, um Zustimmung und Einigkeit zu werben. „Auch wenn ich nicht weiß, ob es den Insekten hilft“, so der Minister am Tag des Showdowns in Stuttgart.

Keine Mobilisierung mehr

Jetzt liegt zwar ein Ergebnis vor, doch von einer allseitigen Zustimmung der Beteiligten kann keine Rede sein. Denn nur der Trägerkreis ProBiene, der aus 13 Verbänden und Organisationen besteht, hat einstimmig beschlossen, den vorgelegten Gesetzentwurf zu akzeptieren. „Die Mobilisierung für das Volksbegehren, die seit dem 15. Oktober ruht, wird nicht wieder aufgenommen“, teilte ProBiene mit. Formal-juristisch laufe das Verfahren allerdings bis 23. März 2020 weiter. Letzter Stand waren Anfang November rund 6 400 abgegebene Stimmen.

Verbände zerrissen

Die landwirtschaftlichen Berufsverbände zeigten sich demgegenüber tief gespalten. Während der Landesbauernverband in Baden-Württemberg (LBV) das Eckpunktepapier „nach intensiven Beratungen und Diskussionen“ mitträgt, stellten sich die anderen Verbände, wie etwa der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband (BLHV), der Landesverband Erwerbsobstbau Baden-Württemberg (LVEO), der Badische Weinbauverband sowie mehrere regionale Obst- und Weinbauverbände entschieden...

Verpassen Sie nichts mehr!

Erhalten Sie Zugriff auf diesen und alle weiteren relevanten Beiträge sowie auf unsere exklusiven Newsletter. Testen Sie jetzt ganz unverbindlich.

30 Tage kostenlos testen
Mehr erfahren

Die Redaktion empfiehlt

Der südbadische Bauernpräsident ist begeistert von den Bauerndemos. Parallel sammelt er weiter Unterschriften zum Volksantrag.

Der Runde Tisch zu "Rettet die Bienen" ist gestartet. Ein Appell von Redakteurin Silvia Lehnert.

Der Moderator des Runden Tisches zur Artenvielfalt in Bayern, Alois Glück, fordert einen besseren Austausch zum Artenschutz – und von den Landwirten weniger Opferrolle.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Albert Maier

Komplette Fehleinschätzung!

Nach den desaströsen Erfahrungen in Bayern hatte die Politik und die Bauernverbände in BW die Hosen voll und haben die Entwicklung des Volksbegehrens in BW völlig falsch eingeschätzt. Das Volksbegehren in BW stand nämlich definitv vor dem Scheitern. Das Aushandeln des Eckpunktepapiers hat den Initiatoren des Volksbegehrens mehr als 80% ihre Forderungen gerettet, kein Wunder, dass diese erfreut zugestimmt haben! Das Eckpunktepapier selbst ist für die Bauern eine Katastrophe, haben doch die Berufsverbände mitgewirkt und der LBV sogar zugestimmt. Damit sind die absuren, unrealistischen Forderungen des Volksbegehrens manifestiert, die Bauern können nicht mehr dahinter zurück. Selbst die vom Bauernverband favorisierte Volksabstimmung war ein Schuss ins Knie, war sie doch als Volksbegehren light sogar noch kontraproduktiv bezüglich der Abwehr des Volksbegehrens. Der Ablauf des Volksbegehrens in BW ist ein Paradebeispiel desatröser, dilletantischer und unprofessioneller berufständischer Interessenvertretung. Mit dem Sachverhalt, der im Volksbegehren völlig falsch dargestellt worden ist, hat sich der BV überhaupt nicht auseinander gesetzt. Das Artensterben, so wie es der Öffentlichkeit vorgegaukelt wird, findet nachweislich nicht statt! Leider hat der BV in dieser Diskussion keinerlei Kompetenz an den Tag gelegt, er beschränkt sich auf politisches Taktieren, was jetzt total in die Hose gegangen ist!!!

von Andreas Gerner

Liebe Kollegen in BaWü, hier etwas für Eure Argumentation:

Bitte die wahren Ursachen finden und bekämpfen!---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Unbegreiflich, warum die Landwirtschaft die Hauptschuld am Insektensterben haben soll. Wenn in den letzten ca 30 Jahren tatsächlich ein Rückgang messbar ist (und nicht nur an der gefakten "Krefelder Studie" festgemacht), zieht das Argument "Die Landwirtschaft greift nunmal in den größten Teil der Fläche ein" nicht! Denn das war damals auch schon so und die Insekten hat´s damals nicht ausgerottet oder im heute angenommenen Maß dezimiert. Man muss also korrekt vorgehen und betrachten, was sich zu damals verändert hat und da lassen sich einige Punkte finden, die klar belegen, dass die Landwirtschaft gar nicht schuld sein KANN !!!----------- 1.: Zum einen hat die von uns bewirtschaftete UND dabei mit Pestiziden behandelte Fläche seitdem Abgenommen. Durch Straßenbau, Siedlungsbau, Naturschutzgebiete, Schutzstreifen, Stilllegungen, sonstige Greeningflächen, Biobetriebe, Golfplätze usw. greifen wir doch heute auf deutlich weniger Fläche mit PSM ein, als damals. ------------- 2.: Dann die Mittel an sich: war mit den früheren Chemiekeulen nach der Behandlung alles tot und auch Neuzuflug ist durch Fraß an behandeltem Blattmaterial verendet, so werden mit den heute hochselektiven, Nützlingsschonenden und sich schnell rückstandslos abbauenden Mitteln nur bestimmte Teile des Spektrums an Insekten ausgeschaltet und nach wenigen Tagen bleibt Neuzuflug völlig unbeeinträchtigt. -------------- 3.: Die Technik: Damals war Abdrift, Überlappung, ungünstiges Tropfenspektrum, Nachtropfen, zu nahes Arbeiten an Säumen und Gräben usw. noch ein viel größeres Thema und darum ist eher mal "etwas in den Graben oder an die Hecke gelangt". Heute ist Pflanzenschutz hochpräzise und lässt Nichtzielflächen sehr zuverlässig unangetastet. --------------- 4.: Anwendungsauflagen: Im Gegensatz zu damals zwingen heute Auflagen der Mittel, z.B. erst nach dem Bienenflug und bis spätestens 23:00 Uhr zu behandeln oder ab Blühbeginn gar nicht mehr zu spritzen.----------------------------------------------------------------------------- WER ALSO DANN? ------------------ Da gibt es eine ganze Reihe Möglichkeiten, die alle für sich schon die Insektenkiller sein könnten, aber ganz bestimmt in ihrer Summe die Ursache sind: ------------- 1.: Verkehr. In den vergangenen 30 Jahren hat sich der PKW-Verkehr, Lastverkehr, und Luftverkehr jeweils grob VERDOPPELT! Und wenn statt damals einem kleinen Polo mit 120 auf der Autobahn heute nun 2 Touareg mit 200 fahren, ist klar, dass da einiges mehr an Fluginsekten und auch den kleinen Kriechern, die abends auf den warmen Asphalt ziehen (die landen nicht plakativ auf der vielzitierten Windschutzscheibe, sondern bleiben an den Reifen unentdeckt), drauf geht. ------------- 2.: Klimawandel. Durch das heutige Extremwetter mitsamt seinen beinahe schon regelmäßigen Dürren gibt es eben immer weniger Pfützen, Rinnsäle usw. die den Insekten das ganze Jahr Reproduktion ermöglichen. --------------- 3.: Abgase. Mit den ganzen Stickoxiden, Feinstaub usw. ---------------- 4.: Mobilfunk. Ob das eine Auswirkung hat, ist natürlich ungeklärt, aber wenn ein Faktor so treffgenau zum Vergleichszeitraum passt und eben in den letzten 30 Jahren von null auf Flächendeckende rund-um-die-Uhr-"Bestrahlung" Einzug gehalten hat, muss doch mal genauer hingesehen(geforscht) werden. Wer weiß, ob die Insekten in ihrer Navigation oder Fortpflanzung beeinträchtigt werden? ---------------- 5.: Müllentsorgung. Gab es damals noch Mülldeponien und Komposthaufen, wo ständig Vögel rumgeschwirrt sind, weil es so viele Fliegen und anderes Gemück zu holen gab, wird heute jedes bisschen verbrannt. ------------- 6.: Düfte. Insekten orientieren sich auch mit Düften. Sie finden sich zur Paarung oder die versumpfte Stelle zur Eiablage. Wenn heute täglich Tonnenweise Deo, Parfüm, Duschgel, Desinfektionsmittel, Waschmittel, Autoreiniger, Raumspray usw. versprüht oder anderweitig freigesetzt wird, bleiben möglicherweise Insekten auf der Strecke. ------------- 7.: Abwasserreinigung. Unbestritten, dass die damals überall anzutreffenden Klärgruben oder gar ungeklärten offenen Gräben ein Eldorado für Insekten waren, heute aber vollends verschwunden sind. --------------- 8.: Naturschutz. Ja, dieser Punkt wird dem ein oder anderen missfallen, aber wenn jede letzte Kröte über die Straße getragen wird, jedem Singvogel eine Nisthilfe gebaut wird, jeder Unterschlupf für Fledermäuse geschützt wird, dann ist das "Natürliche Gleichgewicht" künstlich gestört und es sind einfach andauernd und überall Fressfeinde da, die in einem schwachen Jahr für die Insekten (nach hartem Winter oder trockenem Frühjahr) die gerupfte Restpopulation an Insekten empfindlich dezimieren und einen Wiederaufbau erschweren. --------------- 9.: Beleuchtung. Satelitenbildvergleiche von damals und heute jeweils zur Abendzeit verdeutlichen, wie viele zusätzliche Lichtquellen(Straßenlampen, Gebäudebeleuchtung, Lichter im Garten, Fahrzeugscheinwerfer, Flutlichtmasten usw. heute vorhanden sind. Viele Fluginsekten, die instinktiv in einem gewissen Winkel zum Mondlicht fliegen wollen, steuern stattdessen auf die nächste LED Straßenlampe zu und umkreisen die die ganze Nacht, bis sie von der Fledermaus gemopst werden oder erschöpft auf die Straße fallen und dort von den breiten SUV-Schlappen zerquetscht werden. --------------- 10.: Versiegelung: Wenn in Deutschland täglich zig Hektar Land zubetoniert oder asphaltiert werden, geht Lebensraum verloren! -------------- 11.: Steinwüsten: Wenn in privaten und kommunalen (Vor-)Gärten und auf jeder Verkehrsinsel nur Schotter statt blühendem Grün zu finden sind, haben Insekten das Nachsehen. ----------------------------------------------------------------------------- Darum MUSS die Wissenschaft, Öffentlichkeit, die Medienwelt, die breite Front an sogenannten "Umweltorganisationen" und vor allem die Politik erst mal gründlich überlegen, was denn im Betrachtungszeitraum wirklich NEU auf die Insekten einwirkt und deshalb als URSACHE in Frage kommen kann. Die Landwirtschaft ist´s wohl nicht!!! Ohne dahingehende wissenschaftliche Ergebnisse trotzdem die Landwirtschaft als schuldigen hinzustellen, ist eine bodenlose Frechheit und gehört eigentlich sogar als Rufmord strafrechtlich verfolgt. Enteignungsgleiche Zwangsauflagen für die Landwirtschaft darf es nicht geben, da die Ursachen offensichtlich anderswo zu finden sind.

von Rudolf Rößle

Entschädigungen

schon das Wort sagt, dass Obst und Wein im Wert nicht steigen wird. Armes BW wo sind deine treuen Badener und Schwaben. Gründet einfach BW-Verkaufsläden. Sicher, gut, Genuss und gebt den Direktvermarktern eine Staatsmedaille.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen