Volksbegehren

Bauernverbände bekräftigen Dialogbereitschaft

Die Bauernverbände in Baden-Württemberg sehen das Eckpunktepapier der Landesregierung als Grundlage für einen tragfähigen Kompromiss. Dafür müssten aber Experten an den Tisch.

Die Bauernpräsidenten vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) und des Landesbauernverbandes (LBV) haben gestern nach einer Sitzung der Verbandsgremien erneut die Dialogbereitschaft des Berufsstandes bekräftigt. Man wolle sich konstruktiv in die Ausgestaltung der Gesetze und Maßnahmen einbringen. "Wir erwarten, dass die aus der Diskussion hervorgehenden Maßnahmen und Ziele einer wissenschaftlichen Bewertung Stand halten", stellen Werner Räpple vom BLHV ind Joachim Rukwied vom LBV gemeinsam klar.

Diskussion durch Experten am Tisch versachlichen

In der Weinsberger Runde habe man sich frühzeitig für eine Pflanzenschutzmittelreduktionsstrategie mit fachlich fundierten Ziel- und Zeitraumvorgaben ausgesprochen. Um dies zu gewährleisten, fordern die Bauernverbände dringend die Einbeziehung von ausgewiesenen Experten zur Erarbeitung einer Folgenabschätzung und der Ausgestaltung der angestrebten Strategie. "Wir möchten damit eine Versachlichung der Diskussion erreichen und so die Grundlage für die notwendige Sicherheit, Akzeptanz und Motivation in unseren Betrieben schaffen. Denn nur so lässt sich die große Herausforderung einer Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes in der Praxis auch zielgerichtet umsetzen", erläutern die beiden Bauernpräsidenten.

Paket für mehr Artenschutz finanziell gut ausstatten

Der Berufsstand plädiert dafür, den bisher erfolgreichen Weg des kooperativen Naturschutzes zu verstärken und das Engagement der Landwirtschaft für noch mehr Artenschutz anhand wirkungsvoller Förderprogramme auszubauen. Darüber hinaus sind kräftige Investitionen beispielsweise in die Agrartechnik, den Ausbau der digitalen Infrastruktur sowie eine Intensivierung der Forschung und Entwicklung von Alternativen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig.

„Um die Zielsetzung der Landesregierung, die biologische Vielfalt zu stärken und die Landwirtschaft im Land zukunftssicher weiterzuentwickeln tatsächlich zu erreichen, muss das Paket für mehr Artenschutz finanziell gut ausgestattet und langfristig abgesichert werden“, fordern die Bauernpräsidenten. Damit die Familienbetriebe Baden-Württembergs im Wettbewerb mit anderen Ländern und Regionen, die unter niedrigeren Natur- und Umweltschutzauflagen wirtschaften, zukünftig bestehen können, müssen zusätzliche Mittel für Anreizsysteme und entsprechende Umweltprogramme bereitgestellt werden. „Da unser Engagement für mehr Naturschutz nicht vom Markt gedeckt wird, brauchen wir einen Ausgleich“, bekräftigt Werner Räpple.

Maßnahmen und Ziele müssen für die Familienbetriebe umsetzbar sein

Die Verbandsgremien der Bauernverbände legen bei ihrer Bewertung der Vorschläge großen Wert darauf, dass die Maßnahmen und Ziele in den landwirtschaftlichen Betrieben auch umsetzbar und erreichbar sein müssen. Die Bauernproteste der vergangenen Tage zeigten, wie wichtig es ist, auch bei der Festlegung von Zielvorgaben die Sorgen und Ängste der Bauern ernst zu nehmen und ihnen Planungssicherheit zu geben.

„Wenn die Landesregierung mehr Artenschutz durch die Landwirtschaft möchte, muss sie die Familienbetriebe mitnehmen und motivieren. Das gelingt, wenn alle Beteiligten die Zielvorstellung der Landesregierung, die biologische Vielfalt zu stärken und die Landwirtschaft zukunftssicher zu erhalten, mit einem ausgewogenen Artenschutz-Paket unterstützen“, betont Rukwied. Die Bauernverbände sind weiter sehr daran interessiert, dass am Ende des Dialogs zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Politik ein für alle Seiten tragfähiger Kompromiss stehen wird.

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Artikel geschrieben von

Silvia Lehnert

Redakteurin SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Grimm

Die Bauernverbände sind fachlich gut drauf,

aber von Werbung für ihre Sache und das Erklären ihrer Probleme für die Laien haben sie keine Ahnung. Warum in Gottes Namen suchen die sich keine Profis, die so etwas gelernt haben.

von Willy Toft

Der Landwirt hat in der Debatte nur eine(keine) Stimme, obwohl ihm die Fläche gehört!

Geht`s noch? Enteignung pur, und die Verbände sprechen noch von Gesprächsbereitschaft! Die unter Schutzstellung, stellt schon den Tatbestand der "Enteignung" da! Das Vorkaufsrecht in den Gebieten für die Öffentliche Hand, ist doch schon mehr als des Guten genug! Das sich die Landwirte jetzt erstmal von den Schadinsekten und den Behörden bescheinigen lassen sollen, das hier mit PSM eingegriffen werden darf, schlägt doch vom Fass den Boden aus! Da müssen unsere Verbandsvertreter energischer Auftreten, denn der Kompromiss kann doch nicht bedeuten, dass eine Büro- Maschinerie in Gange kommt, und der Pilz und der Wurm macht es sich im Obstgarten erst richtig gemütlich!

von Albert Maier

@Dr. Billau

Sie haben absolut recht. Deshalb ist ein Volksbegehrenin BW niocht nur überflüssig, sondern kontraproduktiv. Dies haben in letzter Zeit immer mehr erkannt, Verbände, Wissenschaft und auch immer größere Teile der Bevölkerung. Das Volksbegehren stand vor dem AUS! Nun hat die Politik/Regierung mit ihrem Eckpunktepapier einen Großteil des Volksbegehrens gerettet (die CDU hat dies noch nicht mal kapiert) und die Bauerverbände jublen über diesen Phyrussieg ebenfalls. Statt einem scheinheiligen und sinnlosen Volksantrag wäre der BV besser beraten gewesen, das Volksbegehren mit kompetenten, sachlichen Argumenten abzulehnen.

von Dr. Willi Billau

Gerade Baden-Württemberg hat viel geleistet!

In 30 Jahren habt Ihr den Landesschnitt der Nitratwerte um 20% gesenkt. Trotzdem hat man Euch mit Ausweisung Roter Gebiete ebenso bestraft, wie die bei denen die Situation nicht so gut ist. BW ist Realteilungsgebiet und verfügt über die kleinflächigste Struktur aller Bundesländer. Geomorphologische Besonderheiten wie Schwarzwald mit Rheingraben, Bodensee, Kaiserstuhl, Schwäbische Alb u.v. mehr sind weltweit bekannt. Dass dort auch Produktionsflächen in Naturschutzgebieten liegen (Obstbäume, Wingerte..) weiß man seit Jahrzehnten . Schließlich sind sie die Übergangszonen zwischen Zivilisation und Naturschutz und tragen erhablich zum malerischen Charakter der Landschaft bei. Es kann doch nicht sein, dass hier pauschal auf Herbizide und Insektizide verzichtet werden muss, so dass nicht einmal Bioanbau mehr möglich ist. Ja, wenn wir auf einzelne Wirkstoffe verzichten müssten, die erwiesenermaßen für Natur und Insekten schädlich sind, dann tun wir das und finden Alternativen. Pauschalverbote hingegen helfen nicht. Folge wäre eine noch engere Fruchtfolge außerhalb der Schutzgebiete (es fehlen ja jetzt an die 10% Flächen), wie soll da noch mehr Bio, geschweige denn 50 %ige Reduzierung des Pflanzenschutzes funktionieren. Gehen Sie doch mal hin zu den Ärzten und verordnen 50% weniger Antibiotika oder reduzieren unseren Bürgern 20% ihrer Nahrung! Bauern in BW lasst nicht locker! Euer Nachbar aus Südhessen!

von Wilhelm Grimm

Habt ihr Bayern schon vergessen ?

Der Dialog ist dort zu einem Monolog mutiert. Warum sollten eure Umweltverbände andere Umgangsformen haben ald die aus Bayern.

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