Düngeverordnung

Bayerische Bauern kämpfen weiter gegen Schleppschuh-Pflicht

In einem Brandbrief argumentieren Landwirte, dass es bessere Methoden als die bodennahe Gülleausbringung gibt, um weniger Ammoniak zu emittieren. Die Behörden lässt das kalt.

Rund 1.400 bayerische Landwirte vertritt die Interessengemeinschaft (IG) gesunde Gülle nach eigenen Angaben – und für die sei durch die neue Düngeverordnung „Gefahr in Verzug“: Dass die Landwirte ab dem Frühjahr Gülle in stehenden Getreidebeständen nur noch bodennah ausbringen dürfen, hält man bei der IG für eine „freiheitlich-demokratisch höchst bedenkliche Bevormundung gegenüber uns Bauern und der gesamten Gesellschaft“.

Die Kritik der IG richtet sich vor allem gegen das Bayerische Landwirtschaftsministerium sowie die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Diese könnten laut Düngeverordnung „andere Verfahren“ als die bodennahe Ausbringung per Schleppschlauch, Schleppschuh oder Injektion weiter erlauben – wenn diese Verfahren die Ammoniakemissionen aus der Gülle mindestens genauso gut senken. Die IG gesunde Gülle hält Zusatstoffe wie z.B. Leonardit, Milchsäure oder effektive Mikroorganismen für besser geeignet. Grund sei auch, dass die Zusatzstoffe bereits im Güllelager für weniger Emissionen sorgen – nicht erst bei der Ausbringung.

Am Verhalten der Behörden kritisiert die IG gesunde Gülle:

  • Ammoniakemissionen und Kosten:
    Es sei nicht einmal sauber belegt, wie stark die bodennahe Ausbringung die Ammoniakemissionen reduziert. Zudem führe vor allem die Gülleinjektion parallel zu einer verstärkten Ausgasung von klimaschädlichem Lachgas. Die Techniken seien für kleinere Betriebe kaum finanzierbar.
  • Güllezusatzstoffe die bessere Alternative:
    Zusatzstoffe wie z.B. Leonardit könnten die Ammoniak-Ausgasung aus der Gülle besser und vor allem günstiger reduzieren als die bodennahe Ausbringtechnik. Die Forschung zu dem Thema habe aber 20 Jahre stillgestanden. Jüngste Forschungsergebnisse der LfL enthielten „massive Fehler“ und würden die Auswirkungen auf Bodenfruchtbarkeit und –leben nicht berücksichtigen.
  • Messmethode:
    Bei aktuellen Versuchen dazu, wie sich die Ammoniakverluste aus der Gülle vermeiden lassen, nutze die LfL nicht einmal ein Messgerät – sondern berechne diese aus Basis der Grünlanderträge und der Stickstoffaufnahme der Pflanzen in dem Versuch. Die IG gesunde Gülle hält die Skalierbarkeit der Ergebnisse für „höchst fraglich“.

LfL winkt ab

Bislang sieht der Freistaat Bayern jedoch keine Grundlage, um Alternativen zur bodennahen Ausbringung doch noch zuzulassen. Die Düngeverordnung beziehe sich in dem Punkt ausschließlich auf die Ausbringung, sagt Dr. Matthias Wendland von der LfL gegenüber Südplus. Heißt im Klartext: Senken Zusatzstoffe die Ammoniakverluste schon im Güllelager, nutzt das rechtlich gesehen nichts.

Im Bayerischen Fernsehen präsentierte die IG gesunde Gülle jüngst ihr Anliegen und ein neues Ammoniakmessgerät. Wie die IG gesunde Gülle auf diese Absage reagiert, lesen Sie in der kommenden Südplus 10/2019. Jetzt testen.

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Diskussionen zum Artikel

von Siegfried Mantel

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