Neue Düngeverordnung

Bayern: Große Bauernallianz gegen Schleppschuh

In einem einzigartigen Schulterschluss stellen sich neun bayerische Landwirtschaftsverbände von Bauernverband bis AbL gegen die Pflicht zur bodennahen Gülleausbringung.

Die Verbände der bayerischen Landwirtschaft setzen sich gemeinsam für den Erhalt der bewährten auf den Betrieben vorhandenen Gülletechnik ein.

  • Die Arbeitsgemeinschaft für bäuerliche Landwirtschaft,
  • der Bayerische Bauernverband,
  • der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter,
  • die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern,
  • der Arbeitgeberverband für die Land- und Forstwirtschaft in Bayern,
  • der Fachverband Biogas,
  • die Günzacher Landwirte,
  • der Landesverband Bayerischer Rinderzüchter sowie
  • der Landesverband Bayerischer Schafhalter

haben ein gemeinsames Verbändepapier veröffentlicht.

Darin fordern sie die Bayerische Staatsregierung auf, einerseits die in der Düngeverordnung vorgesehenen Ausnahmen zu nutzen und andererseits alternative Verfahren zur Reduzierung von Ammoniakemissionen zuzulassen.

"Zunehmend praxisferne Regeln"

In diesem Punkt besteht Einigkeit zwischen landwirtschaftlichen Organisationen, die in anderen Bereichen "nicht immer einer Meinung sind", wie es der Bauernverband ausdrückt. "Die zunehmend praxisfernen Regelungen der Umweltpolitik erfordern es aber mehr denn je, dass wir Gemeinsamkeiten herausarbeiten und uns im Sinne aller Landwirte für praktikable Regelungen einsetzen", sagt Stefan Köhler, Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes.

Gemäß Düngeverordnung dürfen Landwirte auf bestelltem Acker ab 2020 sowie auf Grünland ab 2025 Wirtschaftsdünger wie Gülle und Gärprodukte nur noch mit streifenförmiger Technik ausbringen, um Ammoniakemissionen zu senken. Doch die Technik habe auch ihre Nachteile und stelle zahlreiche bayerische Betriebe vor enorme Probleme, so die Verbände in einer Pressemitteilung.

Regierung soll Alternativen zulassen

Sie fordern daher von der Bayerischen Staatsregierung, dass alternativ zur streifenförmigen Technik auch andere emissionsmindernde Maßnahmen wie der Einsatz von Zusatzstoffen (z.B. Gesteinsmehl), Verdünnung, Ausbringung bei geringen Temperaturen oder einzelbetriebliche Messungen zum Nachweis geringerer Emissionen anerkannt werden.

Das gemeinsame Verbändepapier finden Sie hier.


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Zusatz in die Gülle kippen, Stickstoff schützen – und damit von der Schleppschuhpflicht befreit sein: So die Hoffnung vieler Praktiker. Doch bayerische Agrarforscher winken ab.

Artikel geschrieben von

Claus Mayer

Redakteur SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Ludwig Huber

Bodennah ist gut, aber nicht überall notwendig bzw. anwendbar

Wenn bodennahe Gülleausbringung nicht zwingend vorgeschrieben wäre, könnte dafür auch weiterhin eine Förderung laufen. Zum Beispiel auf hängigen Standorten, die dafür wenig geeignet sind, könnte man es dann auch lassen. Auch bei sehr dünner Gülle bringt die bodennahe Ausbringung relativ wenig Nutzen. Trotzdem ist die bodennahe Alternative, besonders als Schlitzverfahren interessant: Es kann auch sehr dicke Gülle verlustarm ausgebracht werden und die Einsatzzeit erweitert sich um trockene und warme Witterung, ohne dass die Abdampfungsverluste ansteigen. Damit würden sich bei überbetrieblicher Anwendung die Kosten in Grenzen halten lassen. Für die Schlitztechnik wäre auf alle Fälle auch zukünftig eine Förderung möglich, weil sie auch in der aktuellen Fassung der DÜVO nicht zwingend vorgeschrieben ist. Wenn diese Förderung die Mehrkosten weitgehend abdecken würde, dann käme die Technik auch in großem Umfang zum Einsatz. Damit ließe sich auch ein Fortschritt im Hinblick auf die NEC-Richtlinie (Pflicht-Absenkung der NH³-Emissionen) erreichen, die uns noch viel Probleme bereiten wird. Und neben den positiven Wirkungen auf den Nutzflächen entschärfen sich durch das Schlitzen auch die Probleme mit den Nachbarn, denn Anlass für die Kritik an der Gülle ist meistens der Gestank, der dann aber kaum noch auftritt.

von Siegfried Mantel

Endlich mal ein Konsens aber am falschen Thema und mit Halbwissen, warum ?

In den Niederlanden wird Gülle seit 1992 eingeschlitzt, der Schleppschlauch wurde dort 1989 verboten und der Schleppfuss mit Ausnahme von ca. 3 % Moorstandorten auch, seit 3 Jahren ist der Schleppfuss nun dort auch auf diesen Flächen verboten, da es heute selbst für diese Standorte hervoragende Schlitzgeräte wie Duport All Track oder den Samson TE oder das System von Schuitemaker gibt, das bei solchen Geräten auch aufwendigere Fässer not wendig sind ist klar, des wegen werden 70 % der Gülle in Holland von LU`s gefahren, aber Mähdrescher hat ja auch nicht jeder Landwirt. Die holländischen Landwirte produzieren mehr Milch als jemals zu vor und was das das Gülle und Nährstoffmanagement anbelangt viel umweltfreundlicher als Deutschland, die Nitratgehalte im Grundwasser wurden in den Niederlanden seit 1992 um mehr als 80 % reduziert, deswegen werden die Niederlande auch nicht von der EU verklagt, obwohl ihr Nitratgehalt immer noch höher ist als der Deutsche, aber Sie haben in 30 Jahren eine gigantische Reduktion erreicht trotz Steigerung der Milchproduktion um 25%. Diese Technik läuft in Deutschland auf einigen Betrieben schon seit mitte der Neunziger, es sind erfolgreiche Wachstumsbetriebe eilweise in Extremlagen und in Ihrem Umfeld schlitzen mittlerweile fast alle ein, verkauft hat diese Geräte Michael Horsch mit Wolfgang Nürnberger ab 1992, mit seinen Gülletracs. Am Spitalhof in Kempten(Allgei, oder Allgäu für die Ausländer) hatte ich das große Glück 2008 H. Rainer Schröpel, damals bereits 24 Jahre Leiter des Spitalhofes, kennen zu lernen einen absoluten Grünlandprofi und Düngungs- und Güllespezialisten, für einen Unterfranken aus dem Norden von Bayern eher ungewöhnlich oder eine Ehre. Rainer Schröpel hatte bereits zwischen 1999 und 2004 Exactversuche zu Güllezusätzen durchgeführt, das Ergebniss war in der Effizienz ernüchternd( bericht bei LFL zu habne oder bei mir), Gesteinsmehle und der Gleichen haben dann /kg ausgebrachten Stickstoff schlechtere Erträge gebracht wie unbehandelte Gülle, das Ablaufverhalten von der Narbe war nicht besser sonder teilweise schlechter als bei unbehandelt, einzig mit ASL behandelte Gülle zeigte ein besseres Ablaufverhalten und vor allem je Kg ausgebrachten Stickstoff aus Gülle und ASL deutlich höhere TM Erträge(ca. 14%) als bei CATOMIN oder Bioaktiv oder unbehandelt, bitte berücksichtigen Exactversuche mit damals einzigartiger Versuchstechnik, die heute als Standard in Deutschland gilt, sehr interessant das Rauscher (Initiator der Petition)und seine Kollegen, nicht mal die Ergebnisse ihres eigenen Versuchsgutes kennen, das sind Landwirte, da fällt mir nichts mehr dazu ein, doch aufhören. Den z. B. in Isny auch Allgäu, aber nicht mehr Bayern fahren die Betriebe Klaus Halder und C.+G.Maier GbR in Extremlagen mit einem Veenhuis 1-Achser mit Schlitzgerät incl. Nachsaateinrichtung seit 9 Jahren mit Topergebnissen, in diesem Jahr werden die Maiers in Verbindung mit Cultandüngung(12m Bodeninjektion mit Geländeanpassung) die 25-27to TM/ ha knacken(im Grünland). Ich vermute mal die Maiers haben in 10 Jahren auch noch Kühe. In den Versuchen der TUM von 2004-2008(Mehrerträge in der Injektion im Vergleich zur flächigen Ausbringung und sofortigen Einarbeitung bis 15%, nur zur Info Exactversuche die nicht wegen dem Düngesystem gemacht wurden(sondern wegen der Piadin Wirkung) aber auch im in der letzten Diplomarbeit in Triesdorf mit Abschluss 2011 wurde nach gewiesen das selbst unter den Bedingungen das der Landwirt mit dem eigenen Fass abends fährt und es wie dort in einem Fall 2 mm nachts regnet, es mit dem Schlitzgerät am Nächsten Tag früh um 9.30uhr bei Sonnenschein und schlecht eingestellt trotzdem 9 % höhere Weizenerträge mit 14% höheren Rohproteinerträgen gab, die Versuche wurden mit einem Standard Güllefass und Selbstfahrer gemacht. Es war eine Anlage mit 36 Parzellen wo auch KAS, Cultan mit HAS-Lösung, Ahl mit Spritze und Entec als Volldünger dabei war. Wenn mit Halbwissen Politik gemacht wird ist das gefährlich.

von Harald Finzel

Warum haben die ganzen Verbände jahrelang geschlafen?

Es war schon lange vor der Verabschiedung der 2017er Düngeverordnung klar, dass die Bauern nach Strich und Faden verarscht werden, z.B. indem der Erfüllungsaufwand (also die Kosten für die Bauern) systematisch klein gerechnet wurde. Zum Fall der bodennahen, streifenweisen Ausbringung von Gülle hieß es z.B. bereits im Entwurf vom 15.02.17 (https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Service/Rechtsgrundlagen/Entwuerfe/EntwurfDuengeverordnung.pdf?__blob=publicationFile): ZITAT ANFANG Den zusätzlichen jährlichen Aufwand durch die Vorgabe, dass ab dem Jahr 2020 bzw. 2025 flüssiger Wirtschaftsdünger nur noch emissionsarm aufgetragen werden darf, d.h. streifenförmig oder durch unmittelbare Einbringung in den Boden, beziffert das Ressort mit rund 6,1 Mio. Euro jährlich. Die Darstellung erfolgt auf der Basis eines laufenden Aufwands, da in der Landwirtschaft zum einen häufig mit Lohnunternehmen gearbeitet wird, für die ein laufender Aufwand anfällt. Zum anderen können bei den verbleibenden Fällen die erforderlichen erweiterten Ersatzinvestitionen präziser in laufendem Aufwand abgebildet werden. Das Ressort geht nach Praxisrecherchen und Auswertung von Regionalstatistiken davon aus, dass etwa 122 Mio. m3 Düngemittel jährlich künftig mit der emissionsärmeren Methode aufzubringen sind und die Mehrkosten im Durchschnitt 0,05 Euro pro m3 betragen. ZITAT ENDE --- Schon diese Milchmädchenrechnung hätte zu einem massiven Aufschrei aller (!) Verbände führen müssen, da offensichtlich ist, dass diese Abschätzung fernab jeglicher Realität liegt und die tatsächlichen Kosten für die Bauern um ein vielfaches höher liegen werden. Wenn erst jetzt, wo das Kind längst im Brunnen liegt, eine Reaktion von den Verbänden kommt, ist das ein Armutszeugnis für alle, die sich auf die Fahne schreiben, dass sie die Interessen der Bauern vertreten würden.

von Carsten Gosch

Bundesweit

Alle Verbände aehnlicher Couleur sollten sich moeglichst schnell bundesweit zu einer solchen Allianz zusammenschließen. Gerade auf moorigen u. anmoorigen Standorten ist die Schleppschuhtechnik nicht vertretbar. Wenn schon die Oekos mitmachen....!

von Renke Renken

Und dann

können wir auch gleich mal eine Allianz gegen völlig überzogene Bauvorschriften schmieden. Beton ohne Ende , Baugrundverfestigung auf tragendem Boden, Leckageerkennungssysteme , wie es sie nicht mal in der Industrie gibt und sonstigen Unsinn auch gleich gegen vorgehen

von Heinrich Steggemann

Ammoniakentstehung an der Quelle entgegenwirken

Meine volle Unterstützung für die IG gesunde Gülle. Wie tragen wir es in die anderen bundesweiten Verbände? Würde uns bei Stallbau und Umbau auch weiterhelfen.

von Matthias Zahn

Endlich mal ein Konsens!

Endlich wird mal zusammen etwas angepackt! Zeit wird.....

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