Diskussion

BBV: Präsidentenkonferenz fordert staatliche Tierwohl-Kennzeichnung

Die politische Diskussion, was der richtige Weg bei der Tierwohlkennzeichnung ist, intensiviert sich. Widersprüchliche Aussagen von Bundesminister Seehofer sorgen für Verwirrung.

Der Bayerische Bauernverband (BBV) setzt sich seit Frühjahr 2018 für eine verpflichtende staatliche Kennzeichnung von Tierwohl beziehungsweise Haltungsform bei Fleisch ein. Die Präsidentenkonferenz hat diese Position aktuell bekräftigt, um ein Zeichen zu setzen in der derzeit sehr intensiven, aber auch kontroversen politischen Diskussion, teilt der Verband mit.

Der entscheidende Vorteil einer verpflichtenden staatlichen Kennzeichnung sei, dass sie die meiste Transparenz und Orientierung für die Verbraucher bietet. Allerdings kommt dieser Vorteil nur dann voll zum Tragen, wenn auch Produkte aus Ländern mit deutlich geringeren Standards durch eine gesonderte Stufe in der Kennzeichnung erkennbar gemacht werden.

Schließlich gibt es insbesondere viele Drittstaaten - unter anderem die Mercosur-Länder - in denen die Standards zur Erzeugung von Lebensmitteln und gerade auch zur Haltung von Tieren deutlich unter den gesetzlichen Vorgaben in Deutschland liegen. Wenn Deutschland eine Tierwohlkennzeichnung EU-konform gar nicht oder nur für inländische Produkte einführen kann, dann kann ein freiwilliges staatliches Label ein möglicher Zwischenschritt sein auf dem Weg zu einer EU-weiten verpflichtenden Kennzeichnung, schreibt der Bauernverband in einer Mitteilung.

Aus Sicht des BBV sind auf jeden Fall folgende Forderungen an die Umsetzung zu stellen:

  • Tierhaltern mindestens Mehrkosten erstatten
  • Tierhalter müssen die Mehrkosten für Haltungsanforderungen über dem gesetzlichen Standard erwirtschaften können. Die Produkte müssen an der Ladentheke zu einem höheren Preis angeboten werden, der über die Wertschöpfungskette bei den Tierhaltern ankommt.
  • Kriterienniveau marktgerecht ausgestalten
  • Bei der Festlegung der Tierwohlkriterien für die Stufen einer Kennzeichnung oder eines Labels muss das Einkaufsverhalten der Verbraucher realistisch eingeschätzt werden. Die geplanten Kriterien für die Einstiegsstufe des vom Bundeslandwirtschaftsministerium vorgeschlagenen freiwilligen staatlichen Labels sind zu hoch angesetzt. Den dafür nötigen Mehrpreis an der Ladentheke wird nach allen bisherigen praktischen Erfahrungen mit Labels höchstens eine sehr geringe Anzahl an Verbrauchern bezahlen. Gerade bei der Einstiegsstufe bietet sich eine Orientierung an den Kriterien der Brancheninitiative Tierwohl an, um die nötige Breitenwirkung sicherzustellen.
  • Verarbeitete Produkte und Außer-Haus-Verzehr mit einbeziehen
  • Zumindest Schritt für Schritt müssen auch verarbeitete Produkte und der Außer-Haus-Verzehr in eine Kennzeichnung miteinbezogen werden. Nur wenn die Finanzierung auf möglichst viele Schultern verteilt wird, wird es gelingen, mehr Tierwohl nachhaltig über den Markt zu finanzieren. Denn der Mehrpreis für das einzelne Fleischprodukt ist dann nicht so hoch wie bei einer Finanzierung zum Beispiel rein über das Frischfleisch im Lebensmitteleinzelhandel.
  • Auf bestehende Systeme aufbauen
  • Die erfolgreiche Brancheninitiative Tierwohl, aber auch die vereinheitlichte Kennzeichnung von Frischfleisch des Lebensmitteleinzelhandels bieten wertvolle Ansatzpunkte, auf denen aufgebaut werden kann und muss. Die derzeitige Finanzierungsbasis der Initiative Tierwohl (Fondslösung) darf nicht vorschnell aufgegeben werden.
  • Mit Herkunftskennzeichnung kombinieren
  • Um den Verbrauchern auch eine bewusste Kaufentscheidung für heimische Produkte zu ermöglichen, ist eine Kombination mit einer Herkunftskennzeichnung anzustreben.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Sorry

sorry er hat gesagt, dass "die industrielle Massentierhaltung der maßgebliche Treiber des Klimawandels ist".

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

ZDF-Sommerinterview von Heute mit Herrn Habeck (Grüne)

Laut Aussage von Herrn Habeck von den Grünen im o.g. Sommerinterview hat er festgestellt, dass die "industrielle Landwirtschaft der maßgebliche Treiber des Klimawandels ist". Gute Nacht

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Erklär-Video

hier ein Link zur Aufklärung über TTIP: https://www.youtube.com/watch?v=sU3Opm3NUn0 Wenn es am Ende ratifiziert wird und Mercosur in Kraft tritt, dann diskutieren wir nicht mehr über Tierwohlstandards usw.. Die Landwirtschaft hat für unsere Politik keinen Stellenwert mehr. Für sie ist nur noch die Industrie und Wirtschaft wichtig. Dafür wird alles über Bord geworfen und unsere Landwirte und die Verbraucher verraten und verkauft!!.

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Was wollen wir noch?

Die nächste Hiobsbotschaft für unsere Landwirtschaft: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Altmaier-will-Industriezoelle-ganz-abschaffen-article21157989.html - Zitat aus NTV (lt. Aussage Altmaier): "Denn Europa sei im Zuge eines solchen Industriezollabkommens auch bereit, die Zölle für Pkw-Exporte nach Europa zu senken: "Ja - und zwar auf null", sagte er der Zeitung. Außerdem wäre Europa demnach bereit, US-Exporteuren entgegen zu kommen, indem diese ihre Erzeugnisse "in vielen Fällen nicht mehr nach europäischem Recht zertifizieren" müssten". Zitat Ende. Damit rückt TTIP und das Ende unserer Landwirtschaft näher. Unsere Regierung wirft alle Tierschutzstandards und Auflagen über Bord um die "Autoindustrie zu retten"!!. Armes Deutschland.

von Rudolf Rößle

Label6

Vegetarische Produkte und gen-frei bekommen dann die höchste Stufe. Keine Tiere kein Ärger.

von Erwin Schmidbauer

Forderungen kann man schon stellen

Aber gerade was die Preise betrifft oder die Bezahlung der Kosten, dürfte der BBV, wie in letzter Zeit so oft, auf verlorenen Posten stehen. So lange es überhaupt erlaubt ist, Produkte aus nicht EU-Ländern einzuführen, die nicht den gesetzlichen Standards der EU genügen, ist doch alles Augenwischerei.

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