Waldzustandsbericht

Der Wald braucht Hilfe

Baden-Württembergs Forstminister Hauk stellt den Waldzustandsbericht 2019 vor und macht deutlich: "Der Klimawandel hat unsere Wälder fest im Griff"

Die Ergebnisse des Waldzustandsberichts sind bedrückend: Vor allem die extreme Hitze und Dürre des Vorjahres machte dem Wald zu schaffen und führten laut Hauk zu einer weitgehenden Austrocknung vieler Waldböden und zu starken Schäden an den Bäumen.

„Die mittlere Kronenverlichtung der Wälder in Baden-Württembergs stieg mit 27,5 Prozent auf den bisherigen Höchststand der gesamten Aufnahmeperiode. Insgesamt gelten damit aktuell 43 Prozent der Waldfläche im Land als deutlich geschädigt“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz.

Auch Baumarten, die seither als weitgehend klimatolerant eingestuft wurden, wie die Tanne, kämen nach zwei Trockenjahren in Folge an ihre Grenzen. Selbst die Eiche und auch die bei uns weit verbreitete Buche zeigen deutliche Schäden und verursachen mit absterbenden Ästen eine große Gefahr für Waldbesucher und Waldarbeiter, erklärte der Forstminister.

Auch einst seltene und unbeachtete Schädlinge profitieren vom steigenden Brutangebot und vermehren sich stark.

Wichtige Wälder

„Baden-Württemberg setzt seit Langem auf standortangepasste und naturnah bewirtschaftete Mischwälder, die in Zeiten ungewisser Klimaentwicklungen ideal sind. Diesen Weg werden wir weiter aktiv gestalten“, so Hauk.

Auch auf die vielfältigen Funktionen von Baden-Württembergs Wäldern wies Hauk hin. Sie speichern CO2, binden Feinstaub, produzieren Sauerstoff und regulieren den Wasserhaushalt. Außerdem schützen sie die Böden vor Erosion.

„Zusätzlich ist der Wald Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten und letztlich auch Arbeitsplatz für viele Menschen“, erklärte der Forstminister. Ziel der Gesellschaft müsse es sein, diesen einzigartigen Lebensraum in seiner Gänze zu erhalten.

Notfallplan für den Wald

„Wir müssen schnell, wohlüberlegt und entschlossen handeln, um die Erhaltung des Waldes sicherzustellen. Unser Notfallplan hilft den betroffenen Waldbesitzern in Baden-Württemberg beim Wiederaufbau ihrer geschädigten Wälder mit den richtigen Baumarten“, betonte Minister Hauk.

Außerdem werde die Klimafolgenforschung aufgebaut, gesetzliche Hürden abgebaut und auch die Kommunikation sowie die Beratung der Waldbesitzer gestärkt.

„Die Waldstrategie 2050 soll in den kommenden Monaten erarbeitet werden. Sie soll ein Masterplan sein, die unter Einbindung aller Waldverbände die längerfristig notwendigen Maßnahmen ausarbeitet und umsetzt“, versprach Hauk.

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Artikel geschrieben von

Helena Biefang

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Diskussionen zum Artikel

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von Markus Sorger

Umtriebszeit Fichte 100 Jahre

Experten und Waldbauern kann man keine Schuld zuweisen die vor 30 Jahren Fichte aufgeforstet haben auf einer Fläche auf der sie natürlich auch vorkommen würde. Das sich der Klimawandel so rasant entwickelt konnte man nur schlecht ahnen oder nicht wahr haben wollen, bzw. gibt es fast keine Alternative die es mit der Fichte aufnehmen kann in Hinsicht auf leichte Behandlung und Sägequalität. Das ist generell eine schwere Entscheidung in der Forstwirtschaft welche Baumart ich Aufforste da sie ja erst nach 100 Jahren geerntert wird. Niemand weis welches Holz in 100 Jahren gefragt ist! Jedoch weis man das man auf Laubholzstandorten keine Fichten setzten sollte. Bestände die in den letzten 30 bis 50 Jahren aufgeforstet wurden sind jetzt natürlich für Kupferstecher und Buchdrucker leichte Beute nach den letzten heißen und trockenen Jahren Für die Zukunft: Nur mehr Standortsangepasste Baumarten in Gruppe aufforsten um keine riesigen Monokulturen zu bekommen. Auch wenn man bei Laubholz weniger verdient ist ein Laubholzbestand im Alter 120 noch mehr Wert als ein 40 bis 50 Jahre alter Fichtenbestand den ich aufgrund von Käferholz zwangsernten muss.

von Gerhard Steffek

Ziel der Gesellschaft -

müsse es sein, diesen einzigartigen Lebensraum in seiner Gänze zu erhalten. Wenn man bedenkt, vor 2.000 Jahren war auf dem Gebiet der Bundesrepublik fast nur Wald war und sonst nichts. Also annähernd 100 % Wald, während es im Mittelalter aufgrund der Bewirtschaftung durch den Menschen der Waldbestand auf nur noch ca. 20 % absackte. Schließlich brauchte man für alles Holz, ob jetzt zum Bauen (allein für den Dachstuhl der Münchener Frauenkirche im 12. Jhd. 22.000 Eichen), zum Heizen, zum Eisenschmelzen und Schmieden (Holzkohle), zur Kaligewinnung für Seifen (Pottasche) oder auch zum Brennen von Ton, immer wurde Holz gebraucht. Zudem stand so ein "dämlicher" Wald auch nur im Wege, brauchte man Flächen für Ackerbau und Viehzucht oder für die Stadt. Heutzutage haben wir zum Glück wieder (oder auch "noch") ca. 33 % unserer Landesfläche mit Holz bewachsen, also als Wald. Im Großen und Ganzen ist es aber eigentlich nicht auszudenken, was gewesen wäre, hätte es nicht die industrielle Revolution gegeben. Denn mit der Entdeckung und Nutzung der Kohle und später des Erdöls wurde es erst möglich im großen Maßstab auch Eisen zu Nutzen und somit Holz als Heizstoff aber auch als Baustoff zu ersetzen. Wieviel Holz wäre heute notwendig, um unseren Lebensstil zu gewährleisten? Ich denke, da würde es schlecht gestellt sein um unseren Wald. Der würde wahrscheinlich nicht ausreichen. Vor diesem Hintergrund ist jetzt die ganze Diskussion um das Waldsterben und dem Klimawandel eigentlich der reinste Hohn. Ausgerechnet daß, was annodazumal den Wald rettete (abgesehen von dem Faibel den der Deutsche "seinem Wald" entgegenbringt), daß bringt den Wald jetzt um (Stichwort Klimawandel durch die CO2-Emissionen von Kohle und Öl). Irgendwie doch der reinste Hohn, oder? Letztendlich wird es aber wahrscheinlich nicht der Klimawandel sein, der "unseren" Wald umbringt, sondern eher der Mensch und seine "Experten". Vor denen Graust mir da am meisten. Denn wer hatte vor zig Jahrzehnten den Bauern eingetrichtert: "wir brauchen Fichte! Das ist der Brotbaum des Forstwirtes und Bauern!" Heute wäre das alles nicht mehr wahr, stehen wir doch mittlerweile vor einem Scherbenhaufen dieser Beratung. Aber den schwarzen Peter hat der Forst- und Landwirt. Da kann ich gut und gerne auf die Beratung der Experten verzichten, zumal sie ja die Folgen ihrer Beratung nicht ausbaden müssen. Der Schauspieler Hannes Messemer kam mal zu der passenden Erkenntnis: "Experten sind Leute, die andere daran hindern, ihren gesunden Menschenverstand zu gebrauchen." Besonders dann, wenn es heißt: "wir müssen", werde ich vorsichtig. Das sagt meine Frau nämlich auch immer - und - wer "darf's" dann machen?

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

gesetzliche Hürden werden abgebaut,

das glaubt er doch selbst nicht.

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