Südplus-Interview

Umweltminister Glauber zu Düngeverordnung: "Die Messwerte allein reichen nicht" Plus

Bei der Düngeverordnung, beim Bau von Güllegruben und den Kälbertransporten hoffen die Landwirte auf praktikable Lösungen. Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber bezieht Stellung.

Herr Minister, die angekündigte Verschärfung der Düngeverordnung (DüV) bedrückt die Bauern und treibt sie auf die Straße. Halten Sie ein Moratorium noch für möglich?

Thorsten Glauber: Ehrlich gesagt, nein. Wir haben seit der Wahl des EU-Parlaments einen neuen Umweltkommissar. Dieser Kommissar sieht sich die Akten über Deutschland an. Er sieht, dass es seit langem Forderungen der EU an Deutschland gibt. Und er sieht, dass nach Auffassung der Kommission und des Europäischen Gerichtshofs nicht ausreichend gehandelt wurde. Dann macht er den Deckel zu und sagt: Wieso soll ich euch ein Moratorium geben?

Andere Länder in Europa haben vorgemacht, wie man das Thema abräumen kann. In Deutschland hingegen hat man immer versucht, dem Thema auszuweichen. Und Deutschland hat vor Gericht verloren, sodass jetzt Strafzahlungen drohen.

Der Bund hat deshalb inzwischen eine aktuelle Fassung für eine DüV nach Brüssel geschickt und will diese nun auch im Bundesrat zur Abstimmung bringen.

Die Verschärfung der DüV enthält aber Auflagen, die eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung in roten Gebieten kaum noch ermöglichen.

Glauber: Ich höre die Kritik der Landwirte. Gerade wegen dieser wesentlich verschärften Anforderungen in den belasteten Gebieten sollte die Abgrenzung der Gebietskulisse möglichst präzise und verursachergerecht erfolgen.

Und das ist meines Erachtens nur möglich, wenn wir die Emissionsdaten der Landwirtschaft zur Düngeintensität und zum Stickstoffüberhang berücksichtigen. Allein die Aussagekraft der Grundwasser-Messwerte ist wegen der Messnetzdichte, der Verweilzeiten des Sickerwassers im Boden und der Verfrachtungen der Belastungen im Grundwasser nicht ausreichend.

Wie ließe sich das konkret umsetzen?

Glauber: Wir müssen die Möglichkeit schaffen, uns bei der Abgrenzung der Gebietskulisse auch auf die Emissionsdaten der Landwirtschaft und auf Modellierungen zum Nitrateintrag zu stützen, sodass eine genaue Binnendifferenzierung möglich wird.

Zudem hat das Umweltministerium in Bayern auf eine verpflichtende Regelung zur Ermittlung eines Stickstoffsaldos auf Feldstücks- oder Betriebsebene als Ersatz zum bisherigen Nährstoffvergleich gedrungen, um die Grundwasserverträglichkeit der Anbau- und Düngepraxis zu bewerten. Das würde uns auch bei der Herleitung der Gebietskulisse helfen.

Doch die Bundesregierung hat die Stickstoffsaldierung im Verordnungsentwurf, der uns bislang bekannt ist, gestrichen.

Sie haben angekündigt, die 594 Messstellen nach Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in Bayern zu überprüfen und auf 1 500 zu erhöhen. Bis wann soll das abgeschlossen sein und welche Konsequenzen hat das für die Ausweisung der roten Gebiete?

Glauber: Wie sich das auf den Zuschnitt der roten Gebiete auswirkt, kann man heute noch nicht sagen. Wir haben heute in Bayern je WRRL-Messstelle eine Fläche von 110 bis 115 km2. Das sind sehr große Gebiete. Wenn wir deren Zahl nun auf 1 500 anheben, verringern wir die Fläche je Messstelle auf rund 50 km2. Wir sind dann kleinteiliger und können eventuell genauer „binnendifferenzieren“.

Allerdings wird uns das nur bedingt helfen. Wir können nur die Qualität von Wasser messen. Wir können aber nicht die Bewirtschaftungsform über die Messstellen beurteilen. Es ist ein Irrglaube, zu sagen, die Messstelle gibt die Bewirtschaftungsform vor. Wasser braucht vielleicht ein Jahr, fünf Jahre oder zehn Jahre, bis es an der Messstelle ankommt. Das Thünen-Institut des Bundes hat aufgezeigt, wie man mit Stickstoffsalden und Nährstoffeinträgen umgehen muss, damit sie gewässerverträglich sind. Um so befremdlicher ist es, dass der Bund das, was seine Wissenschaftler erarbeitet haben, nicht berücksichtigt.

"Einzelbetriebliche Saldierung wäre besser"

Das heißt, wenn jetzt die Vorgabe für die roten Gebiete kommt, 20 % unter Bedarf zu düngen…

Glauber: …dann treffe ich alle in diesen Gebieten. Auch den, der jetzt schon perfekt düngt und mit der Überdüngung überhaupt nichts zu tun hat. Das will ich aber gar nicht. Mit der...

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