Zuckerrüben

Südzucker: Großherziger Zuckerkonzern?

Südzucker zahlt seinen Anbauern das beste Rübengeld Europas, sagt sogar der Anbauverband. Doch das Kleingedruckte hat es in sich.

Ein Kommentar aus der Südplus 6/2019.

Es klingt nach einem grandiosen Erfolg der Rübenanbauer. Südzucker ist der Jahresgewinn gerade von 445 auf 23 Mio. € eingebrochen; dennoch zahlt die Firma den Landwirten für die Ernte 2018 nun 7 € pro Tonne Rüben freiwillig als Rohstoffsicherungsprämie – zusätzlich zum Rübengeld. Somit bekommen die Anbauer so viel wie sonst niemand in Europa, heißt es. Da haben die Verbände gut verhandelt, denkt man.

Doch welche Alternative hatte Südzucker? Alle Experten sind sich einig: Selbst jetzt, wo die Alternativen wie Weizen oder Raps kaum Erlös bringen, muss man den Bauern mindestens 30 € pro Tonne Rüben bezahlen, damit deren Anbau lukrativer bleibt. Mit der Rohstoffsicherungsprämie erreicht Südzucker die 30-€-Marke gerade so – wenn man brutto rechnet.

Heil (Bildquelle: Meusener)

Billige Rüben für billigen Zucker

Das vertraglich vereinbarte Rübengeld alleine hätte wohl ein schnelles Aus für weite Teile des Anbaus bedeutet. Das kann Südzucker nicht recht sein. Denn der Konzern und andere große europäische Zuckerunternehmen versuchen seit dem Ende der Rübenquote, den Markt zu fluten, damit niedrige Preise zu erzwingen und so schwächeren Konkurrenten mehr Marktanteil und Marktmacht abzuringen. Wenn das gelingt, kann man irgendwann mehr Geld für den Zucker verlangen.

Diese Strategie würde einen Mangel an Rüben nicht verkraften. Dabei tanzen die Konzernstrategen auf rohen Eiern. Sie wollen die Rüben so billig wie möglich einkaufen, um billig verkaufen zu können. Gleichzeitig dürfen sie aber keinen Anbauer vergraulen. Denn wer einmal aussteigt, der kommt so schnell nicht wieder. Ist die Logistik für Ernte und Transport erst mal weg, wird es teuer, sie neu aufzubauen.

Für immer Rübe?

Realistisch gesehen blieb Südzucker also gar nichts anderes übrig, als die Rübe wieder über die 30-€-Marke zu hieven. Dafür hätten die Anbauverbände nüchtern betrachtet nicht mal verhandeln müssen.

Wenn sie schon nichts am Preis drehen können, dann wenigstens an den Bedingungen, dachten sich die Konzernstrategen offenbar. Sie behalten sich vor, die Rohstoffsicherungsprämie zwei Jahre nach der Auszahlung zurückzufordern, wenn ein Landwirt zwischendurch weniger Rüben anbaut. Wer jetzt die Prämie für die Ernte 2020 nimmt, stimmt zudem automatisch den Prämienkonditionen für das Erntejahr 2021 zu, legt damit seine Anbaumenge für 2022 fest, bindet seine Äcker bis zur Abrechnung 2023 an den Konzern – und hat sich bis dahin vermutlich wiederum für weitere Jahre festgelegt.

Gut für Südzucker!

Aber ist das wirklich ein Erfolg für die Anbauer?

Was das Kleingedruckte für die Bauern bedeutet, lesen Sie in der Südplus 6/2019. Jetzt testen.

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Artikel geschrieben von

Claus Mayer

Redakteur SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Burkhard Diekmann

Ein Fall für die Kartell oder Wettbewerbsbehörden

Diese Verträge sind der größte Skandal. Im Vorfeld musste man erst einmal zustimmen dem Rübenbauerverband seiner Region beizutreten. Damit stimmte man automatisch zu das dieser für einen die sämtliche Verhandlungen mit der Südzucker in meinem Namen führt. Selber hat man keine dann Möglichkeiten mehr. Dann muss man der Rohstoffsicherungsprämie zustimmen und erst dann kann man überhaupt einen Vertrag abschließen in dem man sich wiederum verpflichten muss mindestens 125% seiner Basisrübenmenge anzubauen um überhaupt die theoretische Möglichkeit zu haben die zugesagten 30,- Euro pro to Rüben zu erhalten. Denn dieser Preis ist ein geschönter al inklusive Preis der neben dem Erfüllungsbonus auch die Schnitzelvergütung, Beitrag für Mietenpflege, Früh- und/ oder Spätlieferprämie usw. genauso enthält wie die eigenen Frachtkostenanteil (wird später bei der Endabrechnung einbehalten genauso wie auch das nur über die Südzucker beziehbare Saatgut). Wenn man dann noch den Zuckerrübenliefervertrag ( 8 Seiten + 9 Seiten Anhang) gelesen hat( habe schon ca. ein Dutzend Berufskollegen gefragt von denen dies niemand getan hat) stellt man schnell fest das der theoretische Kampagne Beginn der 1. September und der letzte Liefertag der 31. 1. des Folgejahres sein können was im Grunde dazu führt, das wenn überhaupt, die wenigsten in den Genuss des garantierten Preise kommen werden. Weiter wird man feststellen das ein einmaliges lesen dieses Vertrages wahrscheinlich nicht ausreicht um alle Teile und Hinweise zu Erklärungen im Anhang zu verstehen!!! Weiter ist der zu errechnende Rübenpreis für die Anbauer abhängig von dem durchschnittlichen Zuckererlös des Unternehmens in Polen, Deutschland, Belgien und Frankreich wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Der Hammer allerdings ist, das auch gehandelte Zuckermengen innerhalb des Konzerns hier zu heran gezogen werden. Was bietet das für ungeahnte Möglichkeiten. . Im Übrigen werden wir auch noch an den Kosten für die Lieferung des Zuckers durch Anrechnung ( Abzug ) auf den Zucker Erlös (pro to letztes Jahr ca. 50,-Euro) bestraft. Weiter möchte ich betonen das ich es als eine Frechheit empfinde, wenn man uns lediglich knapp 20 Euro pro to Rüben Minus anteilige Frachtkosten zahlt und den Landwirten anschließend für evtl. zurückgekaufte Pressschnitzel schon27,- Euro plus Fracht in Rechnung stellt und sich dann als barmherziger Samariter darstellt, der einem eine sogenannte Rohstoffsicherungsprämie zahlt wenn man sich weiter diesem miesen Geschäft ausliefert. Schlussendlich bleibt einem aber Garnichts anderes übrig, diesen Irrsinn weiter mitmachen, wenn man nicht auf einen Großteil seine Rübengeldes verzichten will bzw. kann. Der größte Skandal allerdings ist, das die Vertreter der 7 Rübenbauernverbände im Einzugsgebiet der Südzucker, welche bei der Ausgestaltung der Verträge zusammen mit den Vertretern des Konzerns an dem Tisch sitzen, es angeblich nicht schaffen eine einheitliche Position zu finden, die es ihnen ermöglicht eine fairen Preis für uns Rübenbauern gegenüber dem Unternehmen auszuhandeln. Ich denke nicht, dass es richtig ist, dass uns diese Leute in Zukunft für die gesamten Rübenanbauer einsetzen sollten. Wer für uns Zuckerrübenlieferverträge aushandelt, welche uns für die Zukunft erpressbar machen, vertritt nicht die Anbauer Interessen. Die Südzucker AG ist eines der führenden Unternehmen in der europäischen Ernährungsindustrie. Die heutige Südzucker AG wurde 1926 als Zusammenschluss von fünf Zuckergesellschaften gegründet. Bis heute ist aus dem regionalen Zuckerproduzenten ein führender Lebensmittelkonzern entstanden. Die Produktpalette umfasst neben Zucker und Süßungsmitteln Tiefkühlprodukte und weitere Lebensmittelzutaten. Wenn ich mir weiter vor Augen führe, das der ursprüngliche Gedanke der Gründungsmitglieder es war den Rübenanbau durch eine breitere Aufstellung des Unternehmens auch in schweren Jahren zu sichern und man jetzt versucht mit Gewalt die weiter von den Fabriken entfernten Anbauer wieder los zu werden, obwohl man ihnen 2 Jahre vorher noch großspurig Lieferquoten verkauft hat, welche den Rübenanbau in unsere Region stärken und sichern würden, könnte ich kotzen. Und alles nur weil man mal einmal einen Verlust im Zuckergeschäft von 230 Millionen gemacht hat, was bei Wegfall der Quote auch zu erwarten war und auch so ähnlich kommuniziert wurde. Dafür hat sich das Unternehmen in der Vergangenheit breit aufgestellt und nicht für die Aktionäre! Da frag ich mich schon, welche Konsequenzen gezogen wurden bei270 Millionen Euro Kartellrechtsstrafe die man seinerzeit gezahlt hat, ohne die Entschädigungen welche an die Kunden gezahlt werden mussten. Was muss eigentlich noch alles geschehen bevor wir Landwirte aufstehen und uns wehren.

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