Fachtagung für Schweinehalter

„Gute Aussichten am Schweinemarkt“

Marktexperte Dr. Albert Hortmann-Scholten beurteilt die Entwicklung der Schweinmärkte positiv und plädiert für die lokale Betäubung bei der Ferkelkastration.

Die steigenden Asienexporte prägen weiter den Schweinemarkt in Europa. Das zeigte der Marktexperte Dr. Albert Hortmann-Scholten von der LK Niedersachsen auf einer Fachtagung für Schweinhalter in Laichingen, die die Landratsämter, die Vereine für landwirtschaftliche Fachbildung und die Erzeugerringe der Landkreise Ulm, Göppingen und Heidenheim sowie die Kreisbauernverbände Ulm-Ehingen und Heidenheim organisierten.

Laut USDA-Prognose werde laut Hortmann-Scholten die Produktion in China, dem größten Schweinefleischerzeuger der Welt, wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) 2020 noch einmal um ein Drittel einbrechen. Zudem seien zehn weitere Länder in Asien mit der ASP durchseucht, die zusätzlichen Importbedarf hätten. "Hoffnungsmärkte" seien vor allem Japan, Korea und die Philippinen.

In Deutschland seien die Landwirte wegen der Auflagenflut und der ständigen Medienkampagnen so genervt, dass die Schweineproduktion 2019 voraussichtlich um rund 4 % zurückgehen werde. Ähnliche Tendenzen gebe es in den meisten anderen europäischen Ländern, auch in den Niederlanden und in Dänemark. Lediglich Spanien (+ 1,1 %) und Frankreich (+ 1, 5 %) verzeichneten zurzeit Zuwächse. Der Ausstieg aus der Produktion in Deutschland und in der EU wird nach Einschätzung von Hortmann-Scholten anhalten.

8 % weniger Verzehr

Negativ wirkt sich die extrem schwache Binnennachfrage aus. So sei in Deutschland der Schweinefleischverzehr binnen eines Jahres um 8 % eingebrochen. Zudem bauen die USA trotz niedriger Schweinepreise, aber mit Subventionen der Trump-Regierung, ihre Produktion aus. Für 2020 wird in den USA eine Steigerung der Schweinefleischproduktion von knapp 4 % erwartet.

Laut Hortmann-Scholten könnten die Ferkel in Deutschland mittelfristig knapp werden. Denn Holland baue seine Bestände tendenziell ab und Dänemark mäste mehr Ferkel im eigenen Land, um den attraktiven japanischen Markt besser bedienen zu können. In Deutschland rechnet der Marktexperte mit einem weiteren massiven Abbau der Sauenbestände.

„Wir brauchen die lokale Betäubung“

Vor diesem Hintergrund und weil andere Länder die Methode erlauben, sieht der Berater aus Niedersachsen die Initiativen von Erzeugerorganisationen in Baden-Württemberg und Bayern für die Zulassung der lokalen Betäubung bei der Ferkelkastration sehr positiv. „Wir brauchen die lokale Betäubung in der Hand des Landwirts“, so Hortmann-Scholten. Eber bzw. immunokastratierte Tiere seien aufgrund der Fleischbeschaffenheit der Tiere nur für einen sehr begrenzten Absatzmarkt geeignet. "Beide Tiergruppen werden nicht mehr als 10 bis 15 % der Produktion ausmachen."

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Artikel geschrieben von

Klaus Dorsch

Redaktionsleiter SÜDPLUS

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