Heidl: „Volksbegehren schadet Bauern und Naturschutz“

In einem offenen Brief wandte sich Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, an die Initiatoren des Volksbegehrens „Artenvielfalt“ und warnte vor den Auswirkungen für bestehende Umweltprogramme.

Mit dem Volksbegehren "Artenvielfalt", das vom 31. Januar bis 13. Februar 2019 in Bayern läuft, wollen laut Heidl die Initiatoren, das sind u. a. die ÖDP Bayern, die bayerischen Grünen, der Landesbund für Vogelschutz und der Bund Naturschutz, eine Verschärfung des bayerischen Naturschutzgesetzes erzwingen. Die Folge wären zusätzliche Einschränkungen für die Bäuerinnen und Bauern, eine gesetzlich vorgegebene Quote für den Öko-Landbau in Bayern sowie das Aus für viele Maßnahmen und Kooperationen im Umwelt- und Naturschutz.

Der Bauernpräsident hält den Initiatoren vor, sie betonten zwar oft und gerne, dass durch das Volksbegehren die bäuerliche Landwirtschaft in Bayern unterstützt werden solle. Doch das Gegenteil wäre der Fall „Durch die geplanten Regelungen im Gesetzesrang würde die förderrechtliche Grundlage für den finanziellen Ausgleich in den bayerischen Agrarumweltprogrammen wegfallen“, so Heidl in einem offenen Brief an die Initiatoren des Volksbegehrens. „Damit würde die Grundlage für viele Maßnahmen, die die bayerischen Bäuerinnen und Bauern bereits heute im Sinne der Artenvielfalt und des Umwelt- und Naturschutzes umsetzen, verloren gehen.“

Jeder zweite bayerische Landwirt habe sich freiwillig innerhalb des bayerischen Kulturlandschafts- (KULAP) oder des Vertragsnaturschutzprogrammes (VNP) vertraglich und über das gesetzliche Niveau hinaus zu speziellen Umweltleistungen verpflichtet. „Es ist mehr als bedauerlich, dass die Initiatoren des Volksbegehrens diese Leistungen verschweigen und die Bäuerinnen und Bauern mit einseitigen Vorwürfen und Forderungen überziehen“, sagt Heidl. „Wo bleiben im Zusammenhang mit dem Volksbegehren Faktoren wie die Flächenversiegelung, Mähroboter und Steinwüsten in Hausgärten, die zunehmende Lichtverschmutzung, steigende Freizeitaktivitäten in sensiblen Bereichen – und deren Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt?“

BBV bietet Zusammenarbeit für mehr Blühflächen an

Dem gegenüber stehen 40 % der landwirtschaftlichen Flächen in Bayern, die bereits nach den Vorgaben der Agrarumweltprogramme bewirtschaftet werden. „Die nötige Honorierung erhalten Landwirte über die zweite Säule der EU-Agrarpolitik und die dafür vom Freistaat Bayern zusätzlich bereitgestellten Gelder“, stellt Heidl fest. „Auf diesem Weg lassen sich die hohen Kosten und Anforderungen für spezielle Gemeinwohlleistungen ausgleichen, ohne gleichzeitig die bäuerlichen Familienbetriebe durch zusätzliche Auflagen in ihrer Wettbewerbsposition zu schwächen.“

Wer dieses Konzept aufs Spiel setze, ohne gleichzeitig eine Antwort darauf zu geben, woher künftig der notwendige Ausgleich für die bestehenden Umweltleistungen der bayerischen Bauern sowie die zusätzlich geforderten Bewirtschaftungsbeschränkungen kommen soll, handelt aus Sicht des Bauernverbandes verantwortungslos: „Das Volksbegehren schadet den Bauern – und damit dem Umwelt- und Naturschutz in Bayern. Anstatt Unterschriften für eine Sache zu sammeln, die den Bauern die Grundlage für ihre nachhaltige Wirtschaftsweise zu nehmen droht, fordere ich Sie auf: Unterstützen Sie die Aktion ‚Bayern blüht auf‘ und ermöglichen Sie, dass möglichst viele Bauern Saatgut für zusätzliche Blühflächen erhalten können!“

Gemeinsam mit dem Landesverband der bayerischen Imker, der BayWa und BSV-Saaten ruft der Bauernverband Landwirte seit 2011 dazu auf, Blühstreifen um Felder anzulegen. Im vergangenen Jahr ist so ein Blühstreifen mit der Länge von Hamburg bis Gibraltar entstanden. 2019 erhalten außerdem zunächst 500 engagierte Landwirte bei der Aktion „Bayern blüht auf“ kostenloses Saatgut für insektenfreundliche Blühflächen. „Unterstützen Sie diese Aktion und leisten Sie einen echten Beitrag leisten, um die Artenvielfalt in Bayern zu stärken – zusammen mit den Bauern und schneller als es jede gesetzliche Regelung aus dem Volksbegehren könnte.“

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Artikel geschrieben von

Klaus Dorsch

Redaktionsleiter SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Karlheinz Gruber

Die Imker machen mit dem BBV, Baywa usw.

mit, für mehr Blühflächen und auf der anderen Seite sind sie Mitinitiator beim Volksbegehren!! So sieht die Wirklichkeit aus.... Das nennt sich doch mal ein echter Verbündeter und Mitstreiter. Statt dann zu uns zu stehen, Und die Wahrheit sagen, versuchen die den Kahlschlag für Ihre eigenen Interessen (und merken nicht mal in welcher Sackgasse sie sich befinden). Ich bin dafür, dass auch mal massiv erwähnt wird, daß wenn der Honig abgenommen und gegen eine Zuckerlösung ausgetauscht wird, daß dies kein vollwertiger Ersatz dafür ist, und das Bienenvolk aufgrund falscher Ernährung (Tierwohl/ Tierschutz??) stark geschwächt wird. Somit wird es auch anfälliger. Aber dann ist halt die Einkommensgrundlage im Arsch. Und es gibt dann nicht mehr so viel Honig. Tja Pech. Ich bin für nen Honigverkaufsstop wenn das mit den Imkern durchgeht. Und der BBV sollte sich mal Öffentlich mit denen Auseinandersetzen. Der läßt sich doch von jedem an der Nase durch den Ring führen. Oder hat er kein Kreuz mehr zum Aufrecht stehen?

von Gerhard Steffek

Nur für die Tonne -

ist dieses Volksbegehren, sieht man sich an woher die Unterschriften kommen. Doch im Grunde nur von den Hauptverursachern der Umweltschäden, den Städtern! Wer betoniert die Landschaft zu, wer will immer mehr billiges und reichliches Essen? Doch der Städter, oder etwa nicht? Man braucht ja dann auch nur schauen wer unterschreibt. Doch wieder nur der Städter. Zum Einen ist die Fragestellung, bzw. die Forderung doch eh wieder nur so ein Allgemeinplacebo. Diese Forderung kann im Grunde doch eh nur jeder unterstützen, denn wer will nicht die Artenvielfalt und und und. Es ist aber vielleicht auch nur das Beruhigungsmittel, die Schlaftablette, damit man sich wieder beruhigt seinem eigenen umweltschädlichen Leben hingeben kann. Denn im Grunde genommen ist jede Existenz eines Menschen per se Umweltschädlich. Nur das zu erkennen und zu aktzeptieren bleibt anscheinend nur wenigen vorbehalten. Die meisten suchen da lieber einen Prügelknaben, allen voran die grünen Gutmenschen. Da möchte ich am liebsten denen sagen: Mensch Leute, gebt euch doch schon mal als erstes die Kugel. Sind ein paar Umweltschädlinge weniger auf der Welt. Aber bitte nicht die von Mon Cherrie, die ist nämlich auch Umweltschädlich.

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