Kommentar

Kälbertransporte: Helfen nur noch Klagen?

Der Kommentar in der aktuellen Südplus beschäftigt sich mit dem Verbot von langen Kälbertransporten seitens der Veterinärbehörden.

Handeln unsere Veterinärbehörden in Sachen Tierschutz mittlerweile nur noch nach politischen Motiven, ohne auf die Belange der Landwirte Rücksicht zu nehmen? Und nehmen sie dabei – mit Rückendeckung der Politik – sogar Gesetzesverstöße in Kauf? Betrachtet man den aktuellen Streit um die Kälbertransporte, dann gewinnt man den Eindruck, dass das so ist.

Obwohl es keine Gesetzesänderung gab, haben die Veterinärbehörden in Baden-Württemberg und Bayern im Sommer 2019 lange, das heißt über acht Stunden dauernde, Transporte von nicht abgesetzten Kälbern plötzlich gestoppt. Den erstaunten Vermarktern teilte man lapidar mit, man habe die „Lesart“ des Gesetzestextes geändert. Denn die Gesellschaft beachte solche Transporte immer stärker. Zudem gebe es ein überarbeitetes Handbuch für Tiertransporte mit neuen Formulierungen.

Veterinärbehörde unterliegt im Rechtsstreit

Weil die Folgen für die Bauern dramatisch sind und die Behörden mit Argumenten nicht zu überzeugen waren, hat ein bäuerlicher Vermarkter aus Baden-Württemberg schließlich dagegen geklagt – und Recht bekommen.

Die Richter wiesen darauf hin, dass ein von einer europäischen Behörde für lange Transporte zugelassenes Fahrzeug auch die gesetzlichen Anforderungen an den Tierschutz erfüllt, und dass die im Handbuch genannten Voraussetzungen keinen rechtsverbindlichen Charakter haben.

Das bayerische Umweltministerium hält trotz dieses Urteils an seiner Einschätzung fest, dass es keine für den langen Transport zugelassenen Fahrzeuge gebe und somit keine Transporte möglich seien. Auch bayerischen Vermarktern bleibt jetzt keine andere Wahl, als gegen die Praxis ihrer Veterinärbehörden zu klagen, um die Transporte wieder in Gang zu bringen.

Eine schnelle politische Lösung ist nicht in Sicht, weil aktuell noch nicht einmal die Kriterien für die Zulassung dieser Transportfahrzeuge feststehen.

Hinzu kommt, dass das rigide Vorgehen Bayerns zu einer dramatischen Wettbewerbsverzerrung führt. Denn inzwischen beliefern Vermarkter anderer Länder mit Fahrzeugen, die in der EU zugelassen, aber in Bayern seit einem halben Jahr verboten sind, die ausländischen Kunden der süddeutschen Milchbauern.

Bayerische Rinderzüchter berichten, dass z. B. Österreich seinen Kälberexport in den letzten Monaten um 50 % gesteigert hat. Dabei nutzen die Transporteure auch bayerische Straßen auf ihren Routen nach Südeuropa.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat im November auf der Landesversammlung des Bauernverbands in Herrsching angekündigt, sich um das Problem zu kümmern. Es wird Zeit, dass er sein Versprechen einlöst.

Mehr zum Streit über die Kälbertransporte finden Sie in der Februarausgabe von Südplus, die letztes Wochenende erschienen ist.

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Diskussionen zum Artikel

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von H. Bogen

@Herrn Dorsch

haben Sie die Sendung gesehen und werden diese kommentieren. Wenn ja bin ich gespannt wie sie nach diesem Bericht, in dem eines ziemlich klar geworden ist, nämlich das in Spanien gemästete Kälber später meis als Schlachtiere in islamische Länder zum schächten gehen, die Vermarktung von Kälbern nach Spanien immer noch verteidigen wollen. Lieber verschenk ich mein Tier als ihm wissentlich so was anzutun.

von H. Bogen

Ich war noch nie so froh Fleckvieh zu halten als gestern Abend

auch ich habe mir den Bericht gestern Abend angetan und kann Herrn Altbrod nur Recht geben jeder der lebend Tiertransporte auf dem Landweg über solche Strecken befürwortet sollte sich das ansehen. Einem wircklich wertvollen Zuchttier würde niemand so etwas zumuten, sondern würde es per Flugzeug auf die lange Reise schicken, das muss jedem klar sein oder er verschliesst davor mit Absicht die Augen.

von Jürgen Altbrod

Tiertransport grenzenlos - da wird einem schlecht!

Gestern Abend (18.02.) um 22.15 Uhr im ZDF bei 37 Grad: Die Sendung "Tiertransport grenzenlos" zeigt Wege, die manche unserer Kälber offenbar gehen müssen, nachdem sie z.B. in Spanien gemästet wurden - da dreht sich mir der Magen um. Die pure Qual dieser Rinder ist durch keinen noch so wichtigen Belang von uns Landwirten zu rechtfertigen. Und die Beweggründe der Veterinärbehörden werden nachvollziehbar. Seht es euch an: https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-tiertransport-grenzenlos-102.html

von Erwin Schmidbauer

Freut euch nicht zu früh!

Wenn diese Änderung der Lesart durch die Veterinärbehörden politisch gedeckt war, dann kommt das Dicke Ende vielleicht noch: Eine Gesetzesänderung! Dann ist wieder nichts gewonnen.

von Günter Schanné

Kälber

Eine Reduzierung der Kuhzahl reduziert auch die Kälberzahl und den Druck exportieren zu müssen. Eine schnelle Reduzierung der Kühe in Anbindehaltung verbessert den Schutz der Kälber vor Langzeittransporten und beendet die tierschutzwidrige, ganzjährige Anbindehaltung. Bauern, die die tierschutzwidrige, ganzjährige Anbindehaltung noch praktizeren sind in der Mehrzahl Nebenerwerbslandwirte und/oder nahe dem Rentenalter oder sogar darüber. Ein Ende der ganzjährigen Anbindehaltung liegt für sie bereits in der nahen Zukunft. Eine wirtschaftliche Verschlechterung ist kaum zu erwarten, da sich ihre Betriebskosten deutlich verringern, und Ihnen der Erlös aus dem Verkauf ihrer Tiere und/oder LNF oder Verpachtung letzterer zu Gute kommt. Es käme ferner zu einer Entlastung des Milchmarktes mit Aussicht auf Anhebung des Milchauszahlungspreises bei verringertem Angebot. Vermindertes Angebot der Ware bei gleichbeibender oder gesteigerter Nachfrage erhöht den Produktpreis. Beispiel Schweinefleisch: vor einem Jahr ca. 1,30€ /kg, derzeit 1,85€/kg mit zumindest fester Tendenz. Es scheint typisch zu seinfür die landwirtschaftlichen Vermarktungsorganisationen, dass sie kein Wort über den Tierschutz der Kälber verlieren, dass ihnen ihr eigener Gewinn mehr Wert ist als Unversehrtheit und Wohlbefinden nicht abgesetzter Kälber, die durch dier langen Transporte sehr gestresst werden. Auch dier Haltungsbedingungen der Kälber in den Empfängerländern scheinen den landwirtschaftlichen Vermarktungsorganisationen egal zu sein. Aus den Augen, aus dem Sinn; wichtig ist nur eine hohe Gewinnmarge auf dem Rücken der nichtabgesetzten Kälber.

von Norbert Scheppach

man mag es nicht mehr lesen...

was soll das? Anstatt froh zu sein, dass Bewegung in dieses leidige Thema kommt und Tiertransporte generell zum Thema werden (zu recht!), wieder so eine Argumentation im Sinne von "wenn wir es nicht machen, machen es andere". Das ist schlicht kein Argument. Da macht es schon mehr Sinn, sich zu überlegen, wie man mehr regionalisiert und das vernünftig verkauft. In Bayern ist ja zum Glück nicht so viel schwarzbuntes Zeug unterwegs, so dass regionale Mast lohnend sein könnte. Mal abgesehen davon könnten ja auch die Mäster in Südeuropa mit dem "Embargo" gemeint sein.

von Rudolf Rößle

Dieses

Thema wird uns um die Ohren fliegen. Die Schwarzbuntkälber sind ein Verlustgeschäft für unsere Betriebe. Wir sind verantwortlich dafür, dass die Kälber gesund und fit unseren Hof verlassen um die Reisestrapazen zu überstehen. Gut wäre es wenn jeder von uns auch mal so eine Reise mitmachen würde. Da käme auch von unserer Seite viele Verbesserungsvorschläge oder wieder mehr Inlandsmast mit Zuschlägen, damit nur das Fleisch in das Ausland transportiert werden müsste.

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