Corona-Folgen

Kärntnermilch: Milchpreis bleibt, Übernahmemenge wird beschnitten

Durch den Wegfall der Gastonomie fordern einige Molkereien von den Landwirten, weniger Milch abzuliefern. Die Kärntnermilch setzt als Konsequenz ein neues Anlieferungsregime auf.

Mit dem Ziel, durch eine Reduktion der Milchmenge den aktuellen und kürzlich erst erhöhten Bauernmilchpreis auch in den kommenden Monaten sicherzustellen, hat der Vorstand der Kärntnermilch gestern die kurzfristige Reduktion der Anlieferungsmengen um 10 % beschlossen.

Für "Überlieferung" im April 15 Ct/kg, dann 0 Ct

Die Basis für die Mengenreduktion ergibt sich aus der durchschnittlichen Tagesanlieferung vom 1. Januar bis 31. März 2020. Von dieser durchschnittlichen statistischen Tagesanlieferung multipliziert mit 30 (für 30 Tage im April) bzw. mit 31. (für die 31 Tage im Mai) werden jeweils 10 % abgezogen. So ergibt sich die jeweilige Monatsmilchmenge, die mit dem aktuellen Milchpreis abgerechnet wird.

Für darüber hinaus angelieferte Milch wird im April 15 Cent/kg bezahlt. Im Mai entfällt die Bezahlung der über die errechnete "Basismilchmenge" übersteigenden Anlieferungsmilch dann komplett.

"Milchpreis bleibt unverändert" als wichtiges Signal

Laut Molkereidirektor Helmut Petschar musste die Molkerei diese einschneidenden Maßnahmen setzen. "Wir haben angesichts der Corona-Krisen unsere Lieferanten inständig gebeten, weniger Rohmilch anzuliefern.", berichtet Petschar top agrar Österreich. Einige Bauern hätten sich dankenswerter Weise sehr fair und kooperativ gezeigt. Doch viele lieferten gleich viel oder auch mehr.

Bekanntlich steigt die Anlieferungskurve nach den Abkalbungen nun saisonal steil nach oben.Das Reduktionsprogramm war aus Sicht der Molkereiführung alternativlos und vor allem deshalb nötig, weil man die Milchpreise halten will. "Es ist ein ganz wichtiges Signal gegenüber den Bauern und auch Konsumenten, dass der Bauernpreis in dieser schwierigen Zeit nicht gesenkt wird", so Petschar.

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