Düngeverordnung

Kaniber: Nitrat aus Kläranlagen geht nicht ins Grundwasser

Stammt das Nitrat im Grundwasser nur aus der Landwirtschaft? Auch Kläranlagen stoßen viel von dem Stoff aus, erklärt Bayerns Landwirtschaftsministerin – er lande aber anderswo.

Viele Bauern mutmaßen, dass Nitrat im Grundwasser nicht nur aus der Landwirtschaft stammt. Immer wieder im Verdacht geraten dabei unter anderem Kläranlagen, die unter anderem Stickstoff aus menschlichen Ausscheidungen in Form von Nitrat ausleiten. So könnten sie für erhöhte Nitratwerte im Grundwasser und dafür die Einrichtung Roter Gebiete gemäß Düngeverordnung mitverantwortlich sein, so die Befürchtung der Landwirtsfamilien.

Kläranlagen bekommen Stickstoff nicht aus Wasser

Tatsächlich stoßen die Anlagen viel Nitrat aus, hat das Bayerische Landwirtschaftsministerium nun recherchiert. Rund 22,4 % der Stickstoffverbindungen, die in Kläranlagen ankommen, können diese nicht abbauen. Das gelte für die rund 2.500 bayerischen Kläranlagen im Jahr 2013. Das entspreche rund 18.000 Tonnen Stickstoff pro Jahr. Die Anlagen leiten diesen Stoff dann in Flüsse und Bäche ein.

Kaniber

Landwirtschaftsministerin Kaniber: "Kläranlagen spielen bei der Grundwasserbelastung eine untergeordnete Rolle." (Bildquelle: Dlouhy)

Allerdings: Im Grundwasser lande die Stickstofffracht dann nicht, so das Ministerium weiter. Sie gelange über die Donau ins Schwarze Meer oder über Main und Rhein in der Nordsee.

Mit nur 2 % der Grundwasserbelastung spielen undichte Kanäle und Ausleitungen aus Kläranlagen bei dem Thema eine untergeordnete Rolle, habe eine Auswertung des Bayerischen Umweltministerium ergeben.

Bundesweit sehen Fachbehörden derweil durchaus Handlungsbedarf bei Kläranlagen, wie kürzlich ein top agrar-Faktencheck ergab.

Bestes Trinkwasser Deutschlands - und die meisten Roten Gebiete

Insgesamt habe Bayern die beste Trinkwasserqualität in Deutschland, führt das Landwirtschaftsministerium seinen Faktencheck fort. Nur 3 % des geförderten Rohwassers würden den Schwellenwert von 50 mg/l Nitrat überschreiten.

Dass es in Bayern dennoch so viele "Rote Gebiete" gemäß neuer Düngeverordnung gebe, liege daran, dass ein Grundwasserkörper schon dann als "im schlechten Zustand" eingestuft werde, wenn der Schwellenwert an mehr als 20% der Fläche überschritten werde. Um die Roten Gebiete präziser festlegen zu können, erweitert Bayern derzeit sein Netz an Nitratmessstellen.

Weitere Informationen zu dem Thema hat das Ministerium in seinem "Faktencheck Düngeverordnung" zusammengestellt:


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Nährstoffe aus Kläranlagen und Fäkalien aus Mischwasserüberläufen gelangen weitestgehend unbemerkt in unsere Gewässer. Bauern fragen sich, warum Kläranlagen nicht mehr in die Pflicht genommen...


Diskussionen zum Artikel

von Guido Müller

Nachtrag zu Nitrat

Koronare Herzkrankheit: Nitrate steigern die körperliche Aktivität XXXXX Dtsch Arztebl 2005; 102(45): A-3127 Vetter, Christine XXXXXXXXX Bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht es nicht nur um die Prognose, sondern wesentlich auch um die ... mehr anzeigen

von Guido Müller

NITRAT!!

Immer wieder dieses Thema zum Nitrat als Schadstoff. Wir werden seit Jahrzehnten darauf getrimmt, dass Nitrat in jeder Art schädlich ist. XXXXXXXXXXX Die gesundheitliche positive Wirkung habe ich mehrfach angesprochen. Es gibt ein Taschenbuch xxxxxxxx "Arginin und Citrullin: ... mehr anzeigen

von Heinrich Vinnemann

Nitrat im Oberflächenwasser o.K ?

Bei den vielen Wasserwerken die Uferfiltrat als Grundlage ihrer Wassergewinnung haben spielt Nitrat aus Kläranlagen durchaus eine wichtige Rolle. Ausserdem beruht die Kritik der EU an der deutschen Gesetzgebung auch auf der Tatsache das Nitrat in Küstengewässern sehr kritisch zu sehen. ist

von Ludwig Huber

Mein lieber Herr Höper!

Wenn Sie vermuten, dass Nitrat aus dem häuslichen Abwasser im Grundwasser landet, werden Sie zwar richtig liegen. Aber eine Nitratbelastung aus Streusalz zu behaupten ist mehr als abenteuerlich. Streusalz besteht hauptsächlich aus Natriumchlorid, da ist kein Stickstoff enthalten. Wenn ... mehr anzeigen

von Michael Ruth

Und wo bleibt das Element "N" aus dem Add Blue, wenn es den Auspuff der vielen Fahrzeuge verlassen hat, die täglich über der Straßen rollen. F.Ruth

von Ahrend Höper

Landwirtschaftsministerin Kaniber sagte:

"Kläranlagen spielen bei der Grundwasserbelastung eine untergeordnete Rolle." Allerdings: Im Grundwasser lande die Stickstofffracht dann nicht, so das Ministerium weiter. Sie gelange über die Donau ins Schwarze Meer oder über Main und Rhein in der Nordsee. Das ist leider etwas zu ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Das darf doch wohl nicht wahr sein!!

Also alles was in Fließgewässer kommt, wird der Landwirtschaft angelastet, und die Kläranlagen dürfen das, und das soll okay sein? Das passt zu den Ergebnissen bei mir vor der Tür, der Fluss "Treene" hat in Treia seit über 20 Jahren immer die gleichen Werte um 5 mg/l gehabt, nur die ... mehr anzeigen

von Edelhard Brinkmann

Nitrat messen

Hingehen und die Ausläufe von den Kläranlagen auf Nitrat und Nitrit messen und die ablaufende Wassermenge messen dann hochrechnen und schon sind die Mengen bekannt. Ausserdem gibt es kein Gesetz das den Gehalt im Oberflächengewässer festschreibt,es gibt sie nur in anderen ... mehr anzeigen

von Peter Schmid

Nicht mit zweierlei Maß messen.

Es ist doch erwiesen ,dass an den Kläranlagen nur ca 70% des Abwassers ankommen,wo verbleiben dann die restlichen 30%,man kann alles schönreden und für alles die Landwirtschaft verantwortlich machen,unsere Güllebehälter müssen absolut dicht sein ,es ist doch allgemein bekannt wie ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Kurze Nachhilfe für unsere Beamten und Minister

Laut WRRL Richtlinie hat jeder Eintrag an N und P in die Oberflächengewässer zu unterbleiben. Daher wurde uns mehr oder minder Freiwillig ein Gewässerrandstreifen auferlegt. Je nach Hanglange bis zu 20 m mit dauerndem Bewuchs. Die Maschinen müssen über Grenz oder ... mehr anzeigen

von Ulrich Schleiter

die Lösung ist einfach

"Allerdings: Im Grundwasser lande die Stickstofffracht dann nicht, so das Ministerium weiter. Sie gelange über die Donau ins Schwarze Meer oder über Main und Rhein in der Nordsee." Wo ist das Problem? ran mit den Güllefässern an die Gewässer und auf die Schieber. Die ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Nitrat ist nicht gleich Nitrat.

Man findet in einem Gewässer oder Grundwasserbrunnen einen erhöhten Wert an Nitrat und folgert automatisch, das muss aus der Landwirtschaft stammen. Wenn man diese These untermauern wollte, könnte man an den auffälligen Gewässern/Brunnen neben Nitrat auch Süßstoffe und Coffein ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

10 - 15 % !!!!

Dies ist der offiziell geschätzte Wert an defekten Kanälen in Bayern. Das sind dann bei den 100.000 km verlegten Rohren 10 - 15.000 km. Hinzu kommen noch die privaten Hausanschlüsse die nicht in dieser Schätzung enthalten sind aber besonders heikel in Bezug auf mangelhafter ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Schwellenwert, hört sich ja wieder gut an -

nur sollte man dann auch wissen, daß dieser Schwellenwert nicht bei 50 mg/l Nitrat liegt, sondern schon bei 30 mg. Dann wird nämlich ein Schuh draus. Ab diesem Wert müssen die Wasserwerke dann schon aktiv werden und N-reduzierende Maßnahmen ergreifen. Wobei sich natürlich die Frage ... mehr anzeigen

von Sabine Baumgartner

Abwasser

Frau Kaniber, die Aussagen sind Quatsch... Wir verlieren auf dem Weg zur Kläranlage nach derzeitigem Stand bis zu 30 % der Abwassermengen, die hier nicht berücksichtigt werden. Zudem haben wir die Starkniederschlagsvorgänge, bei denen sich jede Kläranlage abschaltet bzw. in ein ... mehr anzeigen

von Hermann Kamm

Kläranlagen dürfen Nährstoffe Stickstoff und Phosphat

ins Oberflächengewässer einleiten. Von der Landwirt wird ein Zehn Meter breiter Streifen neben Gräben ob Wasser führend oder nicht Wasserführend gefordert, damit kein Nährstoffeintrag stattfinden kann. Hierbei wird doch mit Zweierlei Maas gemessen.

von Johann Sickinger

Gewässerrandstreifen ?

Warum lässt man uns Bauern dann nicht mehr an den Gewässerrand, wenn die Kläranlagen sowieso viel Stickstofffracht ins Fließgewässer einleiten? Die meisten Landwirte verfügen über die Technik, wodurch keine Einträge verursacht werden.

von Wilhelm Grimm

Auch die Belastung der Oberflächengewässer wird der Landwirtschaft angelastet !!!

Und die Zuleitungen zu den Klärwerken sind auch undicht und werden uns angelastet, Und dann die verlogene Argumentation zu den roten Gebieten. Da müssen wissenschaftlich sauber arbeitende Gutachter ran, Es bleibt für die Politik noch viel zu tun, Frau Kanniber !!! Zumindest mehr als ... mehr anzeigen

von Bernhard ter Veen

komisch...

Woher wollen Sie, verehrte Frau Kaniber, das denn so genau wissen ? es gibt dafür, das das eingeleitete N aus Kläranlagen NICHT ins Grundwasser geht, überhaupt keine Auswertbaren Versuche geschweige denn belastbare Zahlen... Wer soetwas einfach so in die Öffentlichkeit posaunt sollte ... mehr anzeigen

von Hermann Kamm

2% von Kanälen,

das kann nicht Glaubhaft sein! Denn in vielen Städten sind die Kanäle älter als 60 Jahre. Früher wurden diese mit Betonröhren zusammen gelegt ohne Falz.Durch leichte Bodensenkungen rutschen diese leicht auseinander und im Zwischenspalt versickert genauso Nitrat und belastet das ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Das ist zwar richtig aber

Es kommen (in NL) nur 23% N aus der Landwirtschaft , 9,5% aus Verkehr 6,1% Haushalt und 32% aus dem Ausland!! Es wird geschummelt bis sich die Balken biegen..... Beim Verkehr hat man die Stickoxydverbindungen der Wegesränder gemessen. In NL wurde Industrie mit weniger als 10.000 kg ... mehr anzeigen

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