Agrartag in Donaueschingen

Kretschmann: „Lebensmittel sollen ihren Preis wert sein"

Beim 10. Agrartag des MR Schwarzwald-Baar und des BLHV, Bezirk Donaueschingen/Villingen, forderte Ministerpräsident Winfried Kretschmann, mehr Wertschätzung für die Landwirte.

In seiner Rede in den Donauhallen vor rund 600 Zuhörern fand Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann klare Worte. Auf dem Land aufgewachsen und mit einer Bauerstochter verheiratet liege ihm die Landwirtschaft ganz besonders am Herzen und die Arbeit der Landwirte müsse ausreichend gewürdigt werden. „Ich kann ihre Sorgen verstehen. Deshalb, und um ihnen meine Wertschätzung entgegen zu bringen, bin ich heute zu ihnen gekommen. Denn an Wertschätzung mangelt es in der Gesellschaft“, so Kretschmann.

„Lebensmittel sollen ihren Preis wert sein“

Hier nahm der Ministerpräsident ausdrücklich die Verbraucher in die Pflicht. Jeder Einzelne trage mit seinem (Einkaufs)-Verhalten zur Landschaftsentwicklung bei. Dass die Bauern, die seit Jahrhunderten die Landschaft pflegen, für ihre wertvolle Arbeit nur einen müden Kostenausgleich erhalten, sei zu wenig. „Das müssen wir ändern. Lebensmittel sollen preiswert sein. Sie sollen ihren Preis wert sein. Nicht billig.“

Den Unterschied zwischen preiswert und billig sieht Kretschmann als Grundlage für eine große Debatte. Geiz sei nun mal nicht geil, sondern habe verheerende Folgen gerade in diesem Bereich. Es gelte, das Dreieck zwischen Erzeugern, Verbrauchern und Natur wieder in Balance zu bringen. Dafür werde er sich in Brüssel und Berlin einsetzen.

"Gegen schwarze Schafe vorgehen"

Kretschmann sprach in seiner gut 45-minütigen Rede auch Themen wie Artenschutz und Düngemittelverbot an. Man wolle den Artenschutz auch auf Städte und Siedlungen ausweiten und die Unsitte von Steingärten unterbinden. „Vögel ernähren sich nun mal von Insekten, nicht von Steinen.“

Es sei wichtig dass die Landwirte sich aktiv am Landesprogramm zum Erhalt der biologischen Vielfalt beteiligen. Dazu gehöre der verantwortungsvolle Einsatz von Düngemitteln. „Nitrate und Pestizide haben im Grundwasser nichts verloren. Wir tragen alle gemeinsam eine große Verantwortung für sauberes Wasser.“ Wenn einzelne schwarze Schafe einen ganzen Berufsstand in Verruf bringen, müsse man mit aller Entschiedenheit dagegen vorgehen. Seine Ausführungen quittierten die Zuhörer mit kräftigem Beifall.

"Kontrollen fördern Klima des Misstrauens"

BLHV-Vizepräsident Bernhard Bolkart sprach unter anderem das Stichwort Überbürokratisierung und Ausweitung von Kontrollen bei gleichzeitiger Reduzierung von fachlicher Unterstützung an. Er kritisierte, dass dadurch ein Klima des Misstrauens gefördert werde und appellierte, den Landwirten künftig wieder mehr fachliche Beratung anzubieten.

Winfried Kretschmann sagte, dass er das Thema sehr ernst nehme. Allerdings müsse man auch die Ursachen für den bürokratischen Aufwand sehen. Erhöhtes Sicherheitsdenken, übersteigertes Gerechtigkeitsdenken und Gerichtsurteile führten dazu. Wenig Hoffnung machte der Ministerpräsident indessen auf den Wunsch der Bauern auf Abschaffung der Bruttoflächendiskussion. Dies lasse sich in dieser Förderperiode nicht mehr umsetzen.

Messestände auf dem Agrartag

Das vielseitige Aussteller-Angebot traf auf reges Interesse bei den Landwirten. Es fanden viele Fach-Gespräche zwischen Messeanbietern und Landwirten statt, aber auch ein reger Austausch unter Berufskollegen. (Bildquelle: Tobias Ackermann)

Austausch auf der Messe

Den Agrartag nutzten die Landwirte vor allem auch zum gegenseitigen Austausch und für Kunden- und Lieferantengespräche. Rund 40 Aussteller informierten auf der Messe die Fachbesucher über neueste Technologien, Maschinen und Geräte für den Acker und für den Stall. Melktechnik stand dabei ebenso im Mittelpunkt wie mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Energiebilanz.

„Hier trifft sich der Landwirt vor Ort mit dem Händler vor Ort“, fasste Rainer Hall, Geschäftsführer vom Maschinenring Schwarzwald-Baar, zusammen. Er zieht eine durchweg positive Bilanz der eintägigen Fachveranstaltung. „Wir sind vollauf zufrieden, es sind wie erhofft viele Landwirte da. Es ist für uns wie ein Ritterschlag, dass die Veranstaltung so gut angenommen wird.“

Mit der Rede des Ministerpräsidenten war Hall zufrieden. „Man hat gemerkt, dass er in der Materie drin ist und ihm die Landwirtschaft wirklich am Herzen liegt.“ Die große Herausforderung sieht BLHV-Bezirksgeschäftsführer Oliver Maier jetzt darin, dem Verbraucher zu verdeutlichen, dass Lebensmittel ihren Preis wert sein müssen. „Das wird eine Herkulesaufgabe des Gesellschaftsvertrags.“ Der Agrartag sei für die Landwirte auch eine Gelegenheit, sich als Landwirte gegenseitig moralisch zu unterstützen. „Wir werden derzeit von der Gesellschaft als Sündenbock dargestellt und sollen an allem schuld sein“, so Hall. Auf dem Agrartag sehen die Bauern, dass sie mit der Situation nicht alleine sind.

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Aussage gegen Aussage: Ein Schafhalter hat Tiere an den Wolf verloren. Das Amt sagt, die Weide war nicht korrekt gesichert. Der Mann bestreitet das. Geld gibts trotzdem nicht für ihn.


von Erwin Schmidbauer

Diskrepanz...

Mich würde brennend interessieren, wie viel % Bioprodukte oder regionale Waren der bekennende "grüne" SUV-Fahrer und Inland-Vielflieger (Stuttgart-Berlin) kauft? Weil das wäre ein Prüfstein für die Glaubwürdigkeit seiner schönen Worte. Aber ich vermute, auch da würde sich ein ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Doof ist ist MP Kretschmann nicht, aber

er hält euch für doof, Rudolf ! Das fängt beim Volksbegehren "RETTET DIE BIENEN" an, setzt sich fort über die Wertschätzung der Landwirte, an der er, außer netter Worte nichts ändern kann, schon gar nicht in seiner Partei. Nur rhetorischer Schnickschnack bei gleichzeitiger ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Kretschmann

ist kein doofer Politiker!!! Wir schätzen ihn sehr. Gruß aus dem Schwabenländle

von Robert Sigmund-Wild

Sollte, Hätte, Wäre, Würde,

möchte, müsste.....nichts anderes als Geschwätz von Politbonzen. Fakten, Fairness, Zusammenhalt, Fachwissen und Gleichberechtigung sind für die allermeisten Politiker Fremdworte. Spätestens, wenn die Arbeitslosen aus der Automobilindustrie kommen, brauchen sie höchstwahrscheinlich ... mehr anzeigen

von Hans Spießl

@Wilhelm Grimm

ja die Bauern sind anscheinend schon so arm das wohlwollende Worte und vorgelogene Wertschätzung ausreichen (in etwa so wie eine Streicheleinheit für den Hofhund)

von Wilhelm Grimm

Kräftiger Beifall von den "Schwarzen Schafen" !

Ihr seid tief gesunken. Was machen eigentlich eure Hauptprobleme ?

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