Landfrauentage in Kenia mit bayerischer Beteiligung

In Westkenia veranstalteten Bäuerinnen erstmals Landfrauentage. Mit dabei waren vier Landfrauen aus Bayern.

Im Rahmen des Projekts „Zwei Welten – ein Beruf“ unterstützt die Landfrauengruppe des Bayerischen Bauernverbandes seit zwei Jahren die kenianischen Bäuerinnen in den drei Countys Siaya, Bungoma und Kakamega. Ziel des Projekts, das über die Sonderinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) „EINE WELT ohne Hunger“ finanziert wird, ist es, die Bäuerinnen in diesen Countys in Fragen der Interessenvertretung, in der praktischen Milchviehhaltung und einer verbesserten Ernährung zu unterstützen. Das Projekt ist eingebunden in das Grüne Innovationszentrum der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Kisumu in Kenia.

Vom 9. bis 17. Juni reiste ein Team von vier Landfrauen aus Bayern mit Landesbäuerin Anneliese Göller an der Spitze nach Westkenia. Die Delegation bestand außerdem aus Dr. Andrea Fuß, Geschäftsführerin der Landfrauengruppe und der BBV-Landfrauen Internationale Zusammenarbeit gGmbH, bei der das Projekt angesiedelt ist, sowie Sabine Schindler, Milchbäuerin und jüngste Kreisbäuerin aus Schwandorf, Sonja Wagner, bayerische Milchkönigin 2017/ 2018 und der Projektleiterin Angelika Eberl.

„Die Teilnahme an den Landfrauentagen in Siaya, Kakamega und Bungoma war für mich ein besonderes Erlebnis. Zu sehen, mit wieviel Engagement und Kreativität die Bäuerinnen in Kenia ihre Landfrauentage gestaltet haben, hat mich tief beeindruckt“, sagte Landesbäuerin Anneliese Göller. „Jeder Landfrauentag war unterschiedlich und einzigartig – angefangen von den Forderungen, die die Frauen an die Politik herangetragen haben bis hin zum Kulturprogramm. Wie bei den bayerischen Landfrauentagen spielen die Anwesenheit von Gästen aus der Politik und das Zusammensein und die Gemeinschaft der Frauen untereinander eine wichtige Rolle. Und auch in Kenia präsentierten Gruppen von Bäuerinnen bei einem kleinen Markt ihre Produkte aus eigener Herstellung,“ berichtete Anneliese Göller.

Hauptanliegen: Wasserversorgung, Marktzugang

Die bayerischen Landfrauen gaben den kenianischen Bäuerinnen im Vorfeld Tipps, wie sie einen Landfrauentag organisieren können. „Nach der Wahl ihrer offiziellen Repräsentantinnen für die Women Farmer Association of Kenya (WoFaAK) im Mai dieses Jahres gingen die Bäuerinnen gleich in die Öffentlichkeit. In jedem der drei von uns unterstützten Counties organisierte die Vorstandschaft einen Landfrauentag. Es kamen jeweils 200 bis 250 Frauen, um mit einem vorab formulierten Forderungspapier ihre Anliegen an die anwesenden Politiker heranzutragen. Es sind Themen, die die Arbeit der Frauen direkt betreffen und wo Verbesserungen ihren Alltag stark erleichtern würden“, sagte Anneliese Göller. Bei zwei Landfrauentagen ging es um das Thema Zugang zu sauberem Wasser, bei einem Landfrauentag hatte sich die Vorstandschaft für das Thema Verbesserung des Marktzugangs für selbst erzeugte Produkte entschieden.

Dankbarkeit und "höfliches Schmunzeln"

Auch das Kulturprogramm kam nicht zu kurz. Es wurde getanzt und gesungen, es gab kulturelle Darbietungen und die Freude über das Zusammenkommen und Miteinander Feiern wurde laut und rhythmisch zum Ausdruck gebracht. Dabei wurde die bayerische Delegation voll mit einbezogen. Die Wertschätzung und Dankbarkeit für die Unterstützung waren deutlich spürbar. Geschäftsführerin Dr. Andrea Fuß: „Bei den kenianischen Landfrauentagen bildete – anders als bei uns – das gemeinsame Essen immer den Abschluss. Und es gab auch immer das Nationalgericht bestehend aus Ugali (Getreidebrei aus Maismehl) mit etwas Hühnchen oder Rindfleisch und spinatartigem einheimischem Blattgemüse. Gemeinsames Tanzen gehörte auch dazu. „So manche unserer steifen Bewegungen löste bei unseren afrikanischen Gastgeberinnen ein höfliches Schmunzeln aus, denn in ihrer Beweglichkeit, beim Balancieren und mit ihrem Hüftschwung sind uns die kenianischen Landfrauen weit überlegen“, sagte Andrea Fuß.

Kalte Milch dank Sonne

Ein weiterer Schwerpunkt der Reise war die Unterstützung von zwei Gruppen, die im Rahmen des Projekts jeweils eine solare Milchkühlanlage erhalten haben. Bei den Gruppenschulungen gaben die bayerischen Bäuerinnen ihre Erfahrungen weiter und ermutigten die Bäuerinnen und Bauern, neue Wege zu gehen, indem sie etwa Maissilage herstellen. Damit können sie die Fütterung der Milchkühe in der Trockenzeit sicherstellen.

Ziel ist es, die Milchleistung zu steigern und somit auch das Haushaltseinkommen der Bäuerinnen. Zusammen mit den Gruppen wurden Vorzeigebetriebe in der Milchviehhaltung besucht. Der praktische Austausch trug maßgeblich zum Erfolg dieser Veranstaltung bei.

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Artikel geschrieben von

Claus Mayer

Redakteur SÜDPLUS

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