Neustadt/Aisch

Maishäcksler-Attentäter gefasst

Jahrelang ermittelte die Polizei in Bayern wegen Anschlägen auf Maishäcksler durch Metallteile im Mais. Nun haben sie die Täter. Es sind Landwirte.

Die Polizei im fränkischen Neustadt/Aisch hat drei Landwirte festgenommen, die im dringenden Verdacht stehen, durch an Maispflanzen befestigte Metallteile Erntemaschinen beschädigt zu haben.

Das Schlimme: Die 56, 61 und 66 Jahre alten Beschuldigten sind Landwirte und betreiben gemeinsam einen Hof. Laut der Polizei seien die Zustände dort aber als "schwierig" zu bezeichnen, weshalb Veterinäramt, Baubehörde und Wasserschutzbehörde hinzugezogen worden seien. Zum Motiv ist nichts bekannt.

Hintergrund

Laut Polizeipräsidium Nürnberg kam es seit 2017 in Mittelfranken immer wieder zu Sabotageaktionen an Maishäckslern mit zum Teil sehr hohem Sachschaden. Die intensiv geführten Ermittlungen der Polizeiinspektion Neustadt a. d. Aisch führten nun in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth zu der ersten Fallklärung.

Nachdem es in Mittelfranken 2017 zu drei Fällen mit einem Sachschaden in Höhe von ca. 82.000 Euro, 2018 acht Fällen mit einem Sachschaden von ca. 116.000 Euro und 2019 dreizehn Fällen, davon 10 Tatorte im Bereich der Polizeiinspektion Neustadt a. d. Aisch (mit einem Sachschaden nach derzeitigem Kenntnisstand im fünfstelligen Bereich) kam, wurde eine kleine Ermittlungsgruppe "AG Mais" gegründet. Der geringere Schaden 2019 ist auf das zwischenzeitlich sehr umsichtige Verhalten der Landwirte zurückzuführen, so dass es in einem Großteil der Fälle 2019 in Mittelfranken bei erfolglosen Versuchen blieb, so die Polizei am Dienstag weiter.

Um einen möglichst hohen Schaden an Landmaschinen zu erzeugen, zersägten die zunächst unbekannten Täter Eisenstangen, umwickelten diese zur Tarnung mit diversen Gummistücken oder Klebeband und postierten sie mittels Holzstangen zwischen den Maisstauden.

Zur Gewinnung von Ermittlungsansätzen war seit September 2019 auch die OFA (Operative Fallanalyse) Bayern in die Ermittlungen eingebunden. Umfangreiche Zeugenbefragungen und Tatortbesichtigungen lieferten schließlich Hinweise auf drei männliche Personen im Alter zwischen 56 und 66 Jahren.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, Zweigstelle Fürth, erließ der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Fürth entsprechende Durchsuchungsbeschlüsse für die Anwesen der Tatverdächtigen. Bei der gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, Kräften des E-Zuges Erlangen und Ansbach sowie der Ermittlungsgruppe der PI Erlangen-Stadt, der PI Herzogenaurach, der PI Neustadt/Aisch und Kräften der Bereitschaftspolizei durchgeführten Durchsuchung der Anwesen am 5. Februar 2020 konnte weiteres belastendes Beweismaterial, das den Tatverdacht gegen die drei Beschuldigten erhärtete, aufgefunden werden.

Im Rahmen der Beschuldigtenvernehmungen gaben alle drei Tatverdächtigen auf freiwilliger Basis eine DNA-Probe ab. Bei einem ersten Abgleich durch die Rechtsmedizin Erlangen konnten bislang bei dem 66-jährigen Beschuldigten in drei Fällen und bei dem 61-jährigen Beschuldigten in einem Fall eine Übereinstimmung erzielt werden. Die drei Beschuldigten äußerten sich bislang nicht zu den Tatvorwürfen. Sie wurden nach erfolgter Sachbehandlung wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen.

Die AG "Mais" wertet derzeit das aufgefundene Beweismaterial aus und führt bei den Geschädigten entsprechende ergänzende Vernehmungen durch. Dabei wird auch überprüft, inwieweit die drei Beschuldigten für die Sachbeschädigungen aus den Jahren 2017, 2018 und die weiteren Fälle 2019 in Mittelfranken verantwortlich sind. Außerdem erfolgt ein Abgleich mit ähnlich gelagerten Fällen außerhalb Mittelfrankens.

Die Süddeutsche Zeitung zitiert den Polizeipräsidenten mit den Worten, dass es sich um "perfide Sabotageakte" handele, die mit einer erheblichen kriminellen Energie ausgeführt worden seien. Menschenleben seien unter Umständen gefährdet gewesen.

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